Stand: 12.04.2019 15:10 Uhr

Eine Schubert-Aufnahme von höchster Intensität

Schubert
von Khatia Buniatishvili
Vorgestellt von Chantal Nastasi
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Vor allem mit den langsamen Tempi ihrer neuen Einspielung wird Khatia Buniatishvili polarisieren.

Die georgische, in Paris lebende Pianistin Khatia Buniatishvili ist bekannt für ihr temperamentvolles Spiel. Werke von Liszt, Chopin und Rachmaninov hat sie eingespielt und wurde bereits mehrfach mit Preisen wie dem Echo Klassik ausgezeichnet. Auf ihrer neuen CD mit Werken von Franz Schubert zeigt sich Khatia Buniatishvili zwar auch virtuos, aber vor allem als Klangpoetin mit einer bemerkenswerten Innenschau.

Musik, bei der man sich entspannt zurücklehnt, ist Schuberts B-Dur Sonate wahrlich nicht. Ein emotional forderndes Werk, das mit der Darstellung von Höhen und Tiefen und allen Zwischentönen durchaus zu Tränen rühren kann.

Die Kunst der Geduld

"Schubert zu lieben, bedeutet die Schönheit hinter den Schattierungen des Alltags zu sehen und die Kunst der Geduld zu beherrschen." Das schreibt Khatia Buniatishvili im Booklet der CD. Geduld bedeutet Zeit und Ausdauer. Und das trifft auch auf ihre Lesart der B-Dur Sonate zu, komponiert in Schuberts letztem Lebensjahr. Khatia Buniatishvili wählt überraschend langsame Tempi, doch die Zeit, die sie sich nimmt, füllt sie mit maximaler Intensität.

CD-Tipp

Moderner Schliff für romantisches Schwergewicht

Khatia Buniatishvili hat die Klavierkonzerte 2 und 3 von Sergej Rachmaninow aufgenommen. Moderner Schliff, könnte man sagen, für den letzten großen Romantiker des Klaviers. mehr

Wie eine Rückschau wirkt der erste Satz. Erzählerisch, verlangsamt, lediglich das Seitenthema bringt ein wenig Leichtigkeit und damit auch ein schnelleres Grundtempo. Der zweite Satz, Andante sostenuto, wird oft als Trauermarsch interpretiert. Das gehende Tempo verbreitert Buniatishvili beinahe bis zur Bewegungslosigkeit.

Die Dehnung des Tempos, die Spannung zwischen den Tönen ist beklemmend, jeder Ton beinahe körperlich erlebbar. Ganz anders die letzten beiden Sätze, die Khatia Buniatishvili eher flott spielt: Das Scherzo des dritten Satzes ist heiter, tänzerisch, ebenso der Finalsatz mit noch größeren dramatischen Spannungsbögen.

Entgegen der Hörgewohnheiten

Auch die Impromptus Op. 90 sind von großen Kontrasten geprägt: Zarteste Klanggebilde, temperamentvolle Steigerungen und funkelnde Virtuosität. Immer wieder staunt man über das dichte Legato der 31-Jährigen und ihre Linienführung, besonders in den Nebenstimmen.

Nachdenklich und getragen endet Khatia Buniatishvili mit Schuberts "Ständchen" in der Liedbearbeitung für Klavier solo von Franz Liszt.

Vor allem mit den langsamen Tempi dieser Einspielung wird Khatia Buniatishvili polarisieren, weil sie Hörgewohnheiten bricht. Doch dahinter steckt keine Effekthascherei. Es ist beeindruckend, wie sie gerade im Langsamen die Spannung aufrecht erhalten kann, durch ihren Sinn für Zusammenklänge, für die Balance, die grammgenaue Gewichtung der Details, die trotzdem spontan klingen. Eine Schubert-Aufnahme von höchster Intensität.

Podcast NDR Kultur Neue CDs © ©Rob | Fotolia | Stock.Adobe

Khatia Buniatishvili spielt Schubert

NDR Kultur - Neue CDs -

Auf ihrer neuen CD mit Werken von Franz Schubert zeigt sich die Pianistin Khatia Buniatishvili als Klangpoetin mit einer bemerkenswerten Innenschau.

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Schubert

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 15.04.2019 | 06:40 Uhr

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