CD-Cover: Hélène Grimaud - The Messenger © Deutsche Grammophon

CD der Woche: "The Messenger" von Hélène Grimaud

Stand: 02.10.2020 16:52 Uhr

Die französische Pianistin Hélène Grimaud hat ein neues Album herausgebracht. Darauf kombiniert sie Werke von W. A. Mozart mit Kompositionen von Valentin Silvestrov.

von Chantal Nastasi

Sie sehe sich "als Medium, als Mittler zwischen Komponist und Hörer" erklärt Hélène Grimaud im Beiheft ihrer neuen CD - die passenderweise den Titel "The Messenger" trägt. Sie sei als Interpretin "eine Brücke zwischen den Welten, dieser, der vorigen und der künftigen", schreibt sie.

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Die Pianistin Hélène Grimaud im Porträt. © dpa Foto: Ingo Wagner

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"The Messenger" heißt auch das Stück des zeitgenössischen Komponisten Valentin Silvestrov, mit dessen Werken sich Hélène Grimaud seit einigen Jahren beschäftigt. "The Messenger" komponierte der ukrainische Komponist in Gedenken an seine verstorbene Frau, sowohl in der Fassung für Soloklavier als auch in einer Fassung für Streichorchester und Klavier. Frei assoziiert Silvestrov darin Melodien von Mozart. Seine "Zwei Dialoge mit Nachwort" für Klavier und Streichorchester sind von Schuberts und Wagners Musik inspiriert.

Aus der Zeit gefallene Musik

Silvestrovs "Meta-Musik", wie er sie selbst nennt, wirkt überraschend aus der Zeit gefallen, paradoxerweise erst recht durch den Einsatz von Elektronik: meditativ, sehr frei im Tempo, manchmal wie eine Spieluhr, deren Uhrwerk langsam an Spannung verliert. Doch die Aufnahme wirkt keineswegs spannungslos, auch weil Grimaud - wie sie auch an anderer Stelle zeigt - eine Meisterin darin ist, den Weg von einem zum nächsten Ton besonders bewusst zu gehen, den Intervallschritt auszugestalten.

Auch Kontraste gestaltet Grimaud besonders intensiv, nicht nur die dynamischen, sondern vor allem Wechsel von Gemütszuständen. Mozarts Musik bietet ihr dazu noch deutlich mehr Gelegenheit als Silvestrovs Werke. Sie habe bei Mozart die "brodelnden Kräfte hinter der äußeren Heiterkeit und Beschwingtheit" entdeckt. Das spüre man vor allem in seinen in Moll komponierten Werken, schreibt Grimaud im Beiheft. Seine d-Moll Fantasie eröffnet die CD - doch der Schlusston der Fantasie fehlt. Auf diese Weise wird es zu einem - manchmal etwas romantisch interpretierten - Präludium für Mozarts d-Moll Klavierkonzert KV 466, das mit der gleichen Harmonie beginnt. Hélène Grimaud dirigiert vom Flügel aus die Salzburger Camerata.

Das ist aufregend, sehr dicht und prägnant gespielt. Und immer wieder gibt es Momente von Einsamkeit, fahl, innerlich schleppend, dann wieder lebensbejahend motorisch: Dieses Paradox darzustellen ist wahrlich Grimauds Stärke.

Mozart und Silvestrov - eine lohnende Kombination

Grimauds Programme sind nie ohne Konzept, und tatsächlich ist die Kombination von Mozart und Silvestrov, auch durch die freie Adaption Mozartscher Melodien durch Silvestrov, durchaus lohnend. Aber diese Aufnahme überzeugt am meisten durch Mozarts Werke, aufgenommen in der Großen Universitätsaula in Salzburg, in der der Komponist selbst schon Erfolge feierte.

The Messenger

Label:
Deutsche Grammophon

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 04.10.2020 | 15:20 Uhr

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