CD-Cover: Louise Farrenc: Symphonien Nr.1 & 3 © Erato

CD der Woche: Louise Farrenc - Sinfonien Nr. 1 und 3

Stand: 15.08.2021 15:20 Uhr

Mit ihrem Insula Orchestra hat die Dirigentin Laurence Equilbey die Sinfonien Nr. 1 und 3 der französischen Komponistin Louise Farrenc eingespielt - unsere CD der Woche.

von Chantal Nastasi

Energiegeladen und von ungekünstelter Direktheit klingt das Insula Orchestra. Es spielt auf Originalinstrumenten und versprüht dabei eine Frische, die nicht nur an der echten Begeisterung für Farrencs Musik liegt, sondern auch an der Mischung im Orchester. Junge und erfahrene Profis bilden eine Einheit und inspirieren sich gegenseitig. "Insula" steht für die Region im Gehirn, die am stärksten auf Reize reagiert. Das Orchester macht seinem Namen alle Ehre.

Insula Orchestra: elektrisierend und feurig

Elektrisierend und feurig klingt das 46-köpfige Orchester, das für die Aufnahme im März dieses Jahres in der Nähe von Paris zusammenkam. Und zwar im Auditorium von La Seine Musicale, dem Musikzentrum, dessen Hausorchester das Insula Orchestra ist. Je nach Projekt zieht die Leiterin und Chefdirigentin Laurence Equilbey weitere Instrumentalisten zum Orchester hinzu. Diese Kammerorchestergröße passt perfekt, um Farrencs Musik nicht zu überfrachten.

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Die Pianistin Louise Farrenc im Porträt, gemalt um 1900. © imago images / Leemage

Louise Farrenc: Klavier-Professorin am Pariser Konservatorium

Louise Farrenc war die erste Frau in der Geschichte, die eine Klavierprofessur am Pariser Konservatorium bekommen hat. mehr

Passagenweise klingt sie nach Mozart und erfordert ebendiese Transparenz im Ton. Dann: Anklänge an Mendelssohn, Berlioz und vor allem Beethoven. Romantische Dichte und Volumen sind ebenso Teil von Farrencs Klangsprache wie auch die Klarheit der Wiener Klassik.

Louise Farrenc: Vorreiterin in männlich geprägter Musikwelt

Eine ganz eigene Klangsprache hat die Komponistin entwickelt, die auch von einem großen Willen zeugt. Wenig Französisches klingt durch und dennoch hat sie hat es geschafft - als Frau und noch dazu im opernbegeisterten Frankreich ihrer Zeit - dass ihre Kompositionen aufgeführt wurden, auch wenn der große, ihr gebührende Ruhm ausblieb. Als Klavierprofessorin gelang es Farrenc außerdem, nach vielen Jahren das gleiche Gehalt wie das ihrer männlichen Kollegen für sich zu erwirken.

Die beiden vom Insula Orchestra eingespielten Sinfonien, die erste in c-Moll und die dritte in g-Moll, entstanden in den 1840er-Jahren. Auffällig ist Farrencs Ausarbeitung der Bläserpartien, was auch daran liegen mag, dass sie mit einem Flötisten verheiratet war. Mit ihm gemeinsam gründete sie außerdem einen Musikverlag.

Dirigentin Laurence Equilbey: Sparsame Mittel, große Pointen

Klangbalance, weit schwingende Kantilenen und der Mut zu starken Kontrasten zeichnen diese Einspielung aus. Laurence Equilbey spart mit den musikalischen Mitteln, um große Pointen umso wirkungsvoller emporkommen zu lassen. Die einzelnen Instrumentengruppen, die Streicher ebenso wie die fabelhaften Bläser, stimmt sie präzise aufeinander ab, um ein wunderschön und spannend klingendes Gesamtpaket zu schnüren. Besser kann es Louise Farrenc für ihre beiden Sinfonien nicht treffen.

Und das Insula Orchestra wird Farrenc nicht so schnell loslassen: Dirigentin Equilbey plant, alle Werke der Komponistin mit ihm einzuspielen.

Louise Farrenc - Sinfonien Nr. 1 und 3

Label:
Erato
Veröffentlichungsdatum:
9. Juli 2021

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 15.08.2021 | 15:20 Uhr

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