CD-Cover: Leif Ove Andsnes - Mozart Momentum 1785 © Sony Classical

CD der Woche: Leif Ove Andsnes spielt Mozart

Stand: 28.05.2021 15:39 Uhr

Im neuen Projekt von Leif Ove Andsnes und dem Mahler Chamber Orchestra geht es vor allem um Schlüsselwerke Mozarts, die eine Neuausrichtung in seinem Œvre markieren. "1785 Mozart Momentum" heißt die neue CD.

CD-Cover: Leif Ove Andsnes - Mozart Momentum 1785 © Sony Classical
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von Chantal Nastasi

Im letzten Moment, einen Tag vor der Uraufführung, wurde das berühmte Klavierkonzert KV 466 fertig; quasi noch hinter der Bühne war der Notenkopist mit der Abschrift der finalen Takte beschäftigt. Doch nicht nur diese Aufregung hört man dem d-Moll Klavierkonzert an. Es ist auch eine große schöpferische Kraft, die sich um 1785 bei Mozart Bahn bricht und die zu einem neuartigen Dialog zwischen Solist und Orchester führt.

Gänsehautmomente von Beginn an

Beethoven vorausahnend tun sich Abgründe und große Kontraste auf. Das Soloklavier setzt mit einer völlig anderen Klangrede ein: beschwichtigend, nachdenklich und nicht wie bisher das im Orchester vorgestellte Themenmaterial aufgreifend.

Schon in diesen ersten drei Hörminuten des Doppelalbums bescheren Leif Ove Andsnes und das Mahler Chamber Orchestra Gänsehautmomente. Jeder Ton - sei es von den Streichern, den Bläsern oder dem Soloklavier - ist grammgenau gewichtet, ist wie ein Mosaiksteinchen ins Gesamtbild eingefügt. Dennoch wirkt alles tief empfunden, intensiv und wie im Moment entstanden, auch durch den engen Dialog zwischen Andsnes und dem Kammerorchester, das er wie bei ihrem gemeinsamen Beethoven-Projekt vom Flügel aus dirigiert.

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Ein Spiel mit Überraschungsmomenten

Kurz nach dem d-Moll Klavierkonzert K 466 komponierte Mozart erneut ein Klavierkonzert, das C-Dur Konzert K 467. Beiden ging ein ungeheuer kreatives Jahr voraus, in dem Mozart sich vor dem Wiener Publikum etabliert und bereits mehrere Klavierkonzerte komponiert hatte, in denen er stets selbst als Solist auftrat. Er kannte sein Publikum und wagte Neues. Deutlich spürt man die stärkere Bläserpräsenz im C-Dur Konzert.

1785 entstand außerdem das Es-Dur Klavierkonzert K 482, wenn auch erst im Dezember, nachdem Mozart intensiv an seinem "Figaro" gearbeitet hatte. Immer mehr Opernhaftes haben auch seine Instrumentalwerke dieser Zeit, ein Spiel mit musikalischen Charakteren und mit Überraschungsmomenten, wie etwa im g-Moll Klavierquartett K 478, das Andsnes mit drei Streichern des Mahler Chamber Orchestra eingespielt hat. Oder Mozarts unbekanntere "Maurerische Trauermusik" für Kammerorchester in c-Moll und seine ebenfalls in c-Moll komponierte Klavierfantasie.

Eloquente, präzise und ausdrucksvolle Interpreten

"Hinter diesem Projekt steht vor allem der Wunsch zu erkunden, was in dieser Zeit in Mozarts kreativem Schaffen passierte, und zu zeigen, dass eine Trennung von Solospiel, Kammermusik und Konzert eigentlich gar nicht existiert, sondern dass alles miteinander zusammenhängt", sagt Andsnes.

Musikalische eloquentere, präzisere und ausdrucksvollere Interpreten als Leif Ove Andsnes und das Mahler Chamber Orchestra mit ihrer feindifferenzierten Ausdruckpalette kann man sich für ein solches Unterfangen nicht wünschen.

1785 Mozart Momentum

Label:
Sony Classical

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 30.05.2021 | 15:20 Uhr

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