CD-Cover: Christoph Eschenbach / Konzerthausorchester Berlin - Brahms: The Symphonies © Berlin Classics

CD der Woche: Christoph Eschenbach dirigiert Brahms

Stand: 01.10.2021 14:46 Uhr

Schon das im Mai erschienene Album mit Werken von Carl Maria von Weber war ein Erfolg für das Konzerthausorchester Berlin und seinen Chefdirigenten Christoph Eschenbach. Jetzt folgt eine Box mit den Brahms-Sinfonien.

CD-Cover: Christoph Eschenbach / Konzerthausorchester Berlin - Brahms: The Symphonies © Berlin Classics
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von Raliza Nikolov

Mit dem Houston Symphony Orchestra hat Christoph Eschenbach Ende der 1980er-Jahre schon einmal alle Brahms-Sinfonien aufgenommen. "Das war auch schon ganz anständig, aber jetzt habe ich mir noch mehr Zeit und noch mehr Freiheit erlaubt", sagt Eschenbach. Die Unterschiede sind nicht beträchtlich, aber sie fallen doch auf. Der erste Satz der ersten Sinfonie klingt mit dem Houston Symphony Orchestra etwas statischer. Ohne das Tempo allzu sehr zu verändern, lässt Christoph Eschenbach das Konzerthausorchester Berlin freier atmen.

Eine gestische Interpretation

In der aktuellen Auseinandersetzung mit Brahms legt Christoph Eschenbach viel Wert auf die Melodik, darauf, die einzelnen Stimmen innig miteinander zu verknüpfen, um einen großen Spannungsbogen aufbauen zu können. Streicher und Bläser lösen sich mühelos ab, sind differenzierter aufeinander abgestimmt.

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In der Probenarbeit lässt Eschenbach hier und da ein poetisches Wort fallen, aber prinzipiell möchte er seine Interpretation gestisch vermitteln. Wie ein Schauspieler sich mit einer Bewegung ausdrückt, möchte Eschenbach die Musikerinnen und Musiker damit vertraut machen, auch gestisch zu spielen.

Christoph Eschenbach hebt hervor, dass diese Musiksprache zu seiner Zeit bahnbrechend war, gerade auch, was die Melodik betraf: "Im ersten Satz der zweiten Sinfonie, das zweite Thema mit den Celli, das ist etwas ganz Neues, Bewegendes und Berührendes."

"Ich versuche mich einzufinden in die Mentalität der Musiker"

Im Beiheft finden sich neben einem Interview mit Christoph Eschenbach auch Aussagen von Mitgliedern des Konzerthausorchesters Berlin zur Zusammenarbeit mit ihrem Chefdirigenten: Da wird hervorgehoben, wie subtil er arbeitet und dass die Zusammenarbeit von großem Respekt geprägt ist. Christoph Eschenbach bestätigt das aus seiner Sicht, wenn er sagt, dass ein Orchester keine graue Masse sei, sondern aus starken musikalischen Persönlichkeiten bestehe, deren Potential er wecken möchte: "Ich versuche mich einzufinden in die Mentalität der Musiker, und dann führe ich die Musiker aus ihrem eigenen Empfinden heraus. Das ist etwas sehr Schönes, hat nichts mit Diktatur zu tun, sondern es ist eine Zusammenführung, die natürlich ist."

Diese Wiederbegegnung mit den so vertrauten Sinfonien von Johannes Brahms ist eine beglückende, weil hier zum Vorschein kommt, was Brahms ausgemacht hat - tiefe Emotionalität, Kraft und Melancholie und nicht zuletzt ein bemerkenswerter Humor. Denn das wichtigste in der Musik steht nicht in den Noten: "Meine Lehrerin, Eliza Hansen, hat zu mir gesagt: 'Weißt Du, das Wichtigste sind die Pausen.'"

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Diverse CD-Cover © NDR Online Foto: Christiane Irrgang

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Brahms: The Symphonies

Label:
Berlin Classics

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 03.10.2021 | 15:20 Uhr

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