Stand: 17.07.2020 16:33 Uhr  - NDR Kultur

Arabella Steinbacher spielt Vivaldi und Piazzolla

Four Seasons
von Arabella Steinbacher
Vorgestellt von Friederike Westerhaus

Mendelssohn, Tschaikowsky, Bruch, Prokofjew - viele der großen Violinkonzerte hat Arabella Steinbacher schon aufgenommen. Auf ihrem neuen Album widmet sich die 38-Jährige zusammen mit dem Münchner Kammerorchester einem der bekanntesten Zyklen der Musikliteratur überhaupt: den "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi. Die kombiniert sie mit den "Vier Jahreszeiten für Buenos Aires" von Astor Piazzolla.

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Arabella Steinbachers Album "Four Seasons" ist bei Pentatone erschienen.

Mit großer Verve wirft sich Arabella Steinbacher mit dem Münchner Kammerorchester ins rasante Presto aus Vivaldis Sommer hinein. Es ist eine wahre Freude. Das ist so souverän rausgeschleudert, dass man der Geigerin kaum glaubt, was sie im Booklet bekennt: Sie habe gezögert, noch eine Einspielung der "Vier Jahreszeiten" vorzulegen. Es gebe ja schon so viele.

Zögerlich klingt das hier nicht. Arabella Steinbacher lauscht der Natur die Klänge ab. Im Frühling wird ihre Geige zum zwitschernden Vogel. Im Winter jagt sie uns den eisigen Wind in die Knochen. Steinbacher findet genau den richtigen Grat zwischen geräuschhaft lautmalerischer Naturdarstellung, brillanter Violinkunst und Klangschönheit. Das Münchner Kammerorchester unter der Leitung von Konzertmeister Dzeraldas Bidva schwingt ebenso gekonnt die Pinsel über die Farbpalette, kammermusikalisch fein nuanciert.                            

Piazzolla und Vivaldi organisch verzahnt

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Eisige Kälte in Vivaldis Winter, Glutwärme in Astor Piazzollas Sommer. Der Argentinier hat in seinen "Vier Jahreszeiten von Buenos Aires" allerdings nicht in erster Linie an die Naturereignisse gedacht, sondern vor allem an die seelischen Zustände der Menschen und die Milieus in der Hafenstadt Buenos Aires. Klar, dass hier Tango eine große Rolle spielt.

Piazzolla schrieb die "Four Seasons" für sein Quintett mit Bandoneon. Ursprünglich hatte er sie gar nicht als Zyklus angelegt.

In dieser Aufnahme ist ein Arrangement von Peter von Wienhardt für Kammerorchester zu hören. In den Klangfarben des Orchesters lässt sich Wienhardt auch von Vivaldi inspirieren. Die direkte Verzahnung von Piazzollas und Vivaldis Jahreszeiten wirkt so durchaus organisch. Erst kann man die singende Kantilene in Piazzollas Frühling genießen, kurz darauf die von Vivaldi.

Intensität und Leidenschaft

Der barocke Reifrock steht Arabella Steinbacher genauso gut wie das Tangokleid. In der barocken Welt denkt sie die Gestaltung von der historisch informierten Weise her. Nichts wirkt hier zu dick aufgetragen oder zu ausgewalzt. Bei Piazzolla aber, da schmachtet sie auch, genießt die Glissandi und geht tief in die Saite, um einen kernigen, glutvollen Ton zu erzeugen.

Und wenn das Jahr dann ausklingt bei Piazzolla, wird es nach all der Intensität und Leidenschaft plötzlich ganz still. Am liebsten will man danach die CD gleich nochmal von vorne hören.

Four Seasons

Label:
Pentatone

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 19.07.2020 | 15:20 Uhr

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