Stand: 20.09.2020 13:05 Uhr

Trotz Corona: Reeperbahn Festival 2020 erfolgreich

Vom 16. bis 19. September hat auf Hamburgs Bühnen das Reeperbahn Festival 2020 stattgefunden. Mit insgesamt rund 120 Konzerten und etwa 30 Veranstaltungen für Literatur, Kunst und Film ist es das größte Clubfestival Europas. In diesem Jahr stand alles im Zeichen der Corona-Pandemie: weniger Besucher, mehr Abstand, doch zahlreiche Konzerte gab es auch als Streams und eigens für das Festival produzierte Videos-on-Demand - so konnten Musikfans aus aller Welt zumindest virtuell in Hamburg dabei sein und neue Talente entdecken.

Der Leiter des Reeperbahnfestivals, Alex Schulz, bei der Eröffnung der Veranstaltung in Hamburg. © dpa Foto: Henrik Josef Boerger
Alexander Schulz, Leiter des Reeperbahn Festivals, zog eine positive Bilanz.

Rund 8.000 Besucher verteilten sich während der vier Festival-Tage auf die verschiedenen Spielstätten. Die Herausforderungen vor und während des Festivals waren groß. Neben den Corona-bedingten Einschränkungen und den daraus resultierenden Hygiene- und Abstandsregeln gab es beispielsweise auch kurzfristige Absagen von Künstlerinnen und Künstlern aufgrund der Erweiterung der Corona-Risikogebiete. "Das war ein Kraftakt", sagte Festival-Veranstalter Alexander Schulz.

VIDEO: Reeperbahn Festival trotz Corona gelungen (3 Min)

Gelungen sei dieser durch die gemeinsame Arbeit des Reeperbahn-Festival-Teams, der Unterstützer aus Land und Bund, der Fans, Künstlerinnen und Künstler sowie des Fachpublikums. "Die Stimmung war geprägt von einer kollektiven Mischung aus Achtsamkeit, Dankbarkeit und Freude. Die Bemühungen, dass wir alle gemeinsam der Welt zeigen wollen, dass auch live aufgeführte Musik vor Besucherinnen und Besuchern und internationaler Austausch in der Musikwirtschaft sicher funktionieren, waren in jeder Sekunde zu spüren", betonte Schulz.

Staatliche Hilfen dringend nötig

Die Besucherinnen und Besucher des Reeperbahn Festivals seien sehr umsichtig und vorbildlich mit den Abstands- und Hygieneregeln umgegangen. "Kultur ist in diesen Tagen wichtiger denn je - und das Reeperbahn Festival hat gezeigt, dass sie auch wieder auf den Clubbühnen stattfinden kann", erklärte Schulz. Wirtschaftlich betrachtet geht dies allerdings nicht ohne staatliche Unterstützung. "Wir haben für die Kernveranstaltung zusätzlich 500.000 Euro von der Stadt bekommen und 800.000 Euro vom Bund bei einem Gesamtetat von 2,5 Millionen Euro. Wir sind also zu 75 Prozent subventioniert. Ohne diese Zusage wären wir jetzt in Kurzarbeit und würden nicht über das Reeperbahn Festival sprechen", sagte Schulz dem "Hamburger Abendblatt".

Zeichen der Hoffnung für Musikwirtschaft

Menschen sitzen in aufgemalten Vierecken oder stehen mit Abstand voneinander im Publikum. © NDR Foto: Benjamin Hüllenkremer
Die Musikfans mussten trotz Abstand nicht auf Festivalatmosphäre verzichten.

Auch Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, zog eine positive Bilanz: "Live und in Farbe hat das 15. Reeperbahn Festival in der Corona-Krise ein Zeichen der Hoffnung für die nationale und internationale Musikwirtschaft gesetzt." Trotz der aktuell widrigen Bedingungen habe es das Reeperbahn Festival-Team geschafft, eine wertvolle Plattform zum Austausch über drängende Zukunftsfragen der schwer betroffenen Veranstaltungsbranche zu bieten. Aus dem Zukunftsprogramm "Neustart Kultur" stellt die Bundesregierung der Musikbranche 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Festivalstimmung auch virtuell

Tom Gregory am N-JOY Reeperbus 2020. © NDR/N-JOY Foto: Benjamin Hüllenkremer
Tom Gregory war einer von vielen Musikern auf der Bühne des N-JOY Reeperbusses.

Der NDR hatte in Zusammenarbeit mit ARTE ein umfangreiches Streamingangebot bereitgestellt. Allein in den ersten drei Festivaltagen gab es über 120.000 Abrufe. Die meisten Konzerte gibt es auch als Videos-on-demand. Der N-JOY Reeperbus war auch in diesem Jahr wieder die kleinste Bühne des Festivals. Am Spielbudenplatz gaben sich hier aufstrebende Musikerinnen und Musiker die Mikrofone in die Hand. Auch diese Auftritte stehen noch als Videos zur Verfügung.

Vorverkauf für 2021 schon gestartet

Das Reeperbahn Festival 2021 findet vom 22. bis 25. September statt. Die ursprünglich für dieses Jahr geplanten Elbphilharmonie-Konzerte von Anna Calvi, Alice Phoebe Lou, Niklas Paschburg, Mine und RY X sind schon für das kommende Jahr bestätigt. Ebenso wie das Doors-Open-Konzert von Tash Sultana. Tickets sind bereits über die Festival-Seite erhältlich.

Weitere Informationen
Das Publikum sitzt auf Klappstühlen beim Konzert. © NDR Foto: Benjamin Hüllenkremer

Alle Infos zum Reeperbahn Festival 2020

Trotz Corona-Pandemie ist das 15. Reeperbahn Festival in Hamburg über die Bühnen gegangen. Über die neue Streaming-Plattform konnten Fans viele Konzerte online verfolgen. mehr

Menschen sitzen an Biertischen im abendlichen Sonnenlicht. © NDR Foto: Benjamin Hüllenkremer

Blog: So war das Reeperbahn Festival 2020

NDR Musikjournalist Matthes Köppinghoff war unterwegs: Mit ungewohnten Eindrücken, gelernter Routine im Umgang mit Corona-Regeln und 58.599 Schritten endet das Reeperbahn Festival 2020. mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Nachtclub | 19.09.2020 | 00:00 Uhr

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