Stand: 25.01.2019 18:23 Uhr

Schnitgers Orgeln: "Ein Klang, der ergreift"

Im Jahr 1648 kam in Schmalenfleth südwestlich von Bremerhaven Arp Schnitger zur Welt. Nach einer Tischler- und Orgelbauerlehre baute er im Jahr 1673 seine erste Orgel - in Stade, wo er dann auch seine erste Orgelwerkstatt einrichtete. Sein Weg führte ihn schließlich nach Hamburg und von dort nach ganz Norddeutschland, nach Holland und in die ganze Welt. Arp Schnitger wurde zu einem der berühmtesten Orgelbauer. Noch heute sind in Norddeutschland viele Orgeln von ihm im Einsatz. In diesem Jahr jährt sich der Todestag von Arp Schnitger zum 300. Mal.

NDR Kultur präsentiert die Orgeln des berühmten Baumeisters in einer 12-teiligen Reihe. Autoren der Sendungen sind Hans-Heinrich Raab und der Organist und Orgelforscher Harald Vogel.

NDR Kultur: Arp Schnitger hatte zu seinen Lebzeiten was den Orgelbau betraf eine Art Monopolstellung hier im Norden. Was macht den speziellen Reiz seiner Orgeln aus?

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Harald Vogel ist Orgelexperte und reist für die Reihe "Ein Stradivari der Orgel" durch Norddeutschland, um die Instrumente Arp Schnitgers anzuspielen.

Harald Vogel: Das sind zwei Dinge. Erstens ist es eine - wir würden heute sagen: nachhaltige - Bauweise. Eine Bauweise, die über Jahrhunderte dauert, mit geringer Pflege. Heute sind sie wunderbar restauriert. So perfekt haben sie vielleicht zu Schnitgers Zeiten gar nicht geklungen. Sie sind sehr gut gestimmt.

Das andere ist die Magie des Klanges. Das ist etwas, das für unsere Zeit wirklich interessant ist: Dass es etwas gibt, was mehr ist als das übliche, mehr als das, was man in einem Konzertsaal erleben kann, ein klangliches Rundumerlebnis. Wenn man in der Kirche steht und die Orgel voll spielt, durchdringt einen der Orgelklang und umhüllt einen gleichzeitig. Und das ist etwas, was bei den Schnitger-Orgeln so sehr eindrucksvoll ist.

Welcher Aspekt aus Arp Schnitgers Leben liegt Ihnen in der Sendereihe besonders am Herzen, worauf legen Sie den Focus?

Vogel: Es ist ein Überblick über das Werk Arp Schnitgers und seiner Orgeln in Norddeutschland. Es gibt nur ein weiteres Gebiet, in dem es so viele Schnitger-Orgeln gibt: die Provinz Groningen in den Niederlanden, direkt angrenzend an Ostfriesland.

Arp Schnitger Orgeln in Norddeutschland

Und welches sind Ihre persönlichen Lieblingsorgeln von Arp Schnitger?

Vogel: Es gibt zwei Lieblingsorgeln für mich. Die eine ist die Schnitger-Orgel in Cappel, die ja schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts durch die Aufnahmen mit Helmut Walcha mit Orgelwerken Bachs weltberühmt wurde. Die andere Orgel ist in der Aa-kerk in Groningen. Das ist eine große hanseatische Stadtkirche. Und da haben wir dann etwas, was es in Cappeln nicht gibt: eine phänomenale Akustik. Das ist auch ein Klang, der einen einfach ergreift, wenn man ihn hört.

Arp Schnitger ist im 19.Jahrhundert in Vergessenheit geraten. Wie konnte das passieren- man hatte doch seine Orgeln leibhaftig vor sich?

Vogel: Es war so, dass der musikalische Geschmack sich wandelte. Es waren dynamische Abschattierungen, weiche und ganz leise Klänge plötzlich beliebt. Das war natürlich eine Reflektion dessen, was sich in den Orchestern abspielte, der Wandel vom barocken Ensemble zum romantischen Sinfonieorchester. Da war dann der klare Klang der Arp Schnitger-Orgeln abseits. Die Wiederentdeckung kam nach dem ersten Weltkrieg und war eine Kehrtwende, auch eine Emanzipation von diesem spätromantischen Ideal. Und plötzlich liebte man dies Klarheit, diese Transparenz, diese kontrastierenden Farben. Das war etwas, was dann plötzlich ganz aktuell war.

Weitere Informationen
NDR Kultur

Arp Schnitger: Ein Stradivari der Orgel

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Die Sendereihe präsentiert alle noch in Norddeutschland erhaltenen Schnitger-Orgeln. Sie werden von dem Organisten Harald Vogel detailliert angespielt und erläutert. mehr

 

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 25.01.2019 | 11:20 Uhr

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