Stand: 06.03.2020 10:19 Uhr  - NDR Info

Disarstar: Rap mit Tiefgang

von Sebastian Friedrich

Deutscher Rap ist so erfolgreich wie selten. Immer wieder landen Alben deutscher Rapper auf Platz eins der Chats. Doch in den Texten geht es häufig darum, sich über andere Menschen zu erheben: Schwule, Frauen, ärmere Menschen. Aus diesem Einheitsbrei sticht der Hamburger Künstler Disarstar heraus.

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Das neue Album des Hamburger Künstlers Disarstar "Klassenkampf und Kitsch" ist am 6. März bei Warner Music erschienen.

Elektronische Indiesounds, Sprechgesang, anspruchsvolle Texte. So klingt die Musik des Hamburger Künstlers Disarstar. Rap spielt im Leben des 26-Jährigen schon immer eine entscheidende Rolle. "Rap war irgendwie immer eine Konstante, die mir geholfen hat, mich zu sortieren und mich zu ordnen", sagt Disarstar. "Vor allem ist Rap das, was mir Selbstvertrauen gebracht hat."

Disarstar zieht mit 15 Jahren von zu Hause aus

Das Vertrauen in sich selbst hatte er auch bitter nötig, denn seine Jugendzeit verlief alles andere als harmonisch. "Ich bin mit 15 von zu Hause ausgezogen, habe temporär im Heim gewohnt und später in einem trägereigenen Wohnraum vom Jugendamt", erzählt Disarstar. Diese Erfahrungen sind es vielleicht, die vielen seiner Songs diesen melancholischen, fast schon düsteren Sound geben. Seine Zeit im Heim verarbeitet Disarstar auf seinem mittlerweile vierten Studioalbum, das bei Warner Music, einem der großen Label, erschienen ist.

"Klassenkampf und Kitsch": Reflexive, politische Songs

Disarstars Musik ist sehr politisch, entsprechend lautet der Titel seines neuen Albums "Klassenkampf und Kitsch". Dem Rapper, der sich als Antifaschist und Antikapitalist bezeichnet, geht es dabei aber darum, Musik für alle zu machen. "Ich versuche schon zugänglich zu sein, weil ich auf gar keinen Fall, politische Songs für Leute machen möchte, die das, was ich den Songs erzähle, sowieso schon wissen", sagt Disarstar. "Was die Leute dann daraus machen, dass möchte ich den Leuten auch selbst überlassen. Wenn, dann möchte ich, dass sie sich Gedanken machen. "

Disarstar verarbeitet seine Kindheit durch die Musik

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Klischee mit wahrem Kern: Rap hilft Disarstar dabei, seine Kindheit zu verarbeiten.

Der erhobene Zeigefinger ist nicht die Sache von Disarstar, eher die Reflexion. Das Nachdenken über sich, den eigenen Platz in der Welt - und vor allem über die Gesellschaft. "Mein ehemaliger Sozialarbeiter meinte neulich zu mir, dass er das krass findet, dass ich nicht irgendwie Psychologe oder Sozialpädagoge werden will und versuche auf dem Wege, meine verkorkste Kindheit aufzubereiten", erzählt Disarstar. Doch genau das mache er mit seiner Musik: "Ich freue mich, wenn ich Leuten vielleicht helfen kann, die Grausamkeit dieser Welt zu verkraften. Wenn ich da meinen Teil dazu beitrage, dann bin ich schon sehr glücklich."

In der Musik hat er sein perfektes Ausdrucksmittel gefunden. Vielschichtiger Rap mit Tiefgang - das macht den Hamburger Disarstar zur großen Hoffnung des sozialkritischen Raps in Deutschland.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 12.03.2020 | 09:15 Uhr

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