Cover des Albums "An allem ist zu zweifeln" von School of Zuversicht © Hanseplatte

Tanzbares Album des Hamburger Kollektivs School of Zuversicht

Stand: 23.08.2021 11:41 Uhr

Mehr als zehn Jahre liegt das Debütalbum der Hamburger Formation School of Zuversicht zurück. Jetzt erscheint der Nachfolger "An allem ist zu zweifeln": tanzbar vertonte Gesellschaftskritik, vorgetragen in einer verspielten Mischung aus Deutsch und Englisch.

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von Alexandra Friedrich

Dreh- und Angelpunkt des Kollektivs ist Patricia Wedler alias DJ Patex. Trotz des (auch in nicht-pandemischen Zeiten) prekären Daseins als Musikerin ist für sie klar: Es gibt keinen Plan B zur Popmusik. Das gesteht sie in einem mitreißenden Cover des Sister Sledge-Classics "Lost in Music".

Nicht nur im eigenen Saft schmoren

Die Hamburger Band School of Zuversicht © Hanseplatte
DJ Patex und ihre Sidekicks Joachim Schütz (li.) und Tillamanda (re.)

Sowieso ist das neue School of Zuversicht-Album - wie sein Vorgänger - ein engmaschiges Gewebe aus popmusikalischen Referenzen sowie Zitaten aus und Verweisen auf Literatur und Kunst. Nur im eigenen Saft schmoren wäre ja auch fade, findet DJ Patex: "Ich kann nichts mit so Künstlerinnen und Künstlern anfangen, die sagen: 'Oh ich muss auf’s Land fahren und dann aus mir selber schöpfen'."

Neues School of Zuversicht-Album: Schillernde Equipe aus Hamburgs Subkultur

Raus aus dem Elfenbeinturm - gemeinsam mit einer schillernden Equipe aus Hamburgs musikalischer Subkultur: Zum Team gehört etwa Carsten "Erobique“ Meyer, Entertainer, Produzent und Komponist - unter anderem von Soundtracks zum Beispiel für die TV-Serie "Tatortreiniger". Außerdem: DJ Patex’ chronischer Kollaborationspartner Frank Möller alias Knarf Rellöm. Mit ihm hatte sie schon 2007 die Losung ausgerufen "Move your ass and your mind will follow". Schwing Deinen Hintern und Dein Kopf wird folgen!

So könnte auch der Untertitel des neuen Albums lauten. "An allem ist zu zweifeln" heißt die Platte - aber bloß nicht verzweifeln, muss gedanklich dahinter gestellt werden. Es geht darum, etwas zu bewegen, unsere Welt zu hinterfragen und über Alternativen nachzudenken. DJ Patex habe sich in den letzten Jahren viel mit "Möglichkeitsräumen" beschäftigt, "quasi urbane Labore, in denen neue gesellschaftliche Formen geprobt werden".

Popmusik gegen Kapitalismus und Klischees

Die Hamburger Band School of Zuversicht © Hanseplatte
Enge Zusamenarbeit: DJ Patex und ihre School of Zuversicht

DJ Patex wünscht sich eine Gesellschaft jenseits der kapitalistischen Ordnung, jenseits von menschenverachtender Geldgier. Ihre (realen) Utopien bringt School of Zuversicht zum Klingen und damit die Hörer zum Swingen. Man könnte also auch sagen: Tanzen für eine gerechtere Welt. Aber das wäre zu plakativ, zu abgedroschen. Und Plattitüden und Klischees sind School of Zuversicht ein weiterer Dorn im Auge.

Im Song "Im Swimmingpool der Empathie" ziehen sie etwa das Stereotyp des leidenden Musikers durch den Kakao.

Ich bin ein trauriger weißer Mann, unsagbar traurig, dass ich es kaum beschreiben kann. Millionen Songs preisen meine Leiden an". Song "Im Swimmingpool der Empathie"

"Das richtet sich an diese Innerlichkeitslyrik. Dieses Nach-Außen-Kehren des eigenen Inneren, das oft nichts zu sagen hat, finde ich als künstlerischen Ansatz total langweilig", erklärt DJ Patex.

Vielstimmiges, aber kohärentes Album "An allem ist zu zweifeln"

Langweilig, eintönig klingt "An allem ist zu zweifeln" jedenfalls nicht. Die vielen beteiligten Musikerinnen und Produzenten sorgen für ein vielschichtiges und facettenreiches, aber dennoch kohärentes Album. Die Tracks changieren zwischen coolem Post Punk und funky New Wave, Dub-Sounds und Disco-Grooves, entspanntem House und elektronischem Gefrickel. Daher: Wenn es zum Systemsturz nicht reichen sollte, so taugt das Album allemal für einen Besuch auf dem Tanzflur. Zweifellos!

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Journal | 23.08.2021 | 18:00 Uhr

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