Stand: 06.06.2015 16:45 Uhr

Blumen für die Hamburger "Volksgenossen"

von Dirk Hempel, NDR.de

Ein Vergnügungspark - nicht für alle

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Relikt der Gartenschau von 1935: die Sonnenuhr.

Auch wenn die Fachpresse die Anlage bald als "mondänen, großstädtischen Restaurationsgarten" kritisiert, lässt Bürgermeister Krogmann sie in den Jahren bis zum Krieg zu einem Vergnügungspark erweitern. Erholung, Zerstreuung und Ablenkung für die "Volksgenossen" sind der politischen Führung anscheinend doch wichtiger als norddeutsche Fischerkaten und Bauerngärten. So gehören auch Kinderbetreuung, Ponyreiten und Buchausleihe zum Programm.

Bereits im ersten Winter wird das große Becken zur größten Eislaufbahn Deutschlands. Eine Rollschuhbahn sowie eine Konzerthalle werden eröffnet, außerdem eine Aquariumsgaststätte mit Haifischbecken. Abends begeistert eine Leuchtfontäne die Hamburger. Im Kakteengang ist 1938 die größte Riesenkakteenschau der Welt zu sehen, die der Kakteenforscher Curt Backeberg im Auftrag der Stadt auf einer Expedition nach Mexiko zusammengetragen hat. Millionen Besucher kommen bis zum Krieg nach Planten und Blomen. Juden aber dürfen zu dieser Zeit in Deutschland Parks nicht mehr betreten.

Kriegsbeginn verhindert Ausbau zum NS-Monumentalpark

Die Planungen der NS-Behörden gehen unterdessen weiter. Der neue Hamburger Chefarchitekt Konstanty Gutschow, der 1937 den Wettbewerb zur monumentalen Umgestaltung des nördlichen Elbufers im Stil der NS-Architektur gewonnen hat, will am Dammtor einen wesentlich größeren Park für die NS-Urlauberorganisation "Kraft durch Freude" bauen, mit Freibad und "Aufmarschfläche". Die Pläne werden nach Kriegsbeginn aufgegeben. Im Jahr 1941 stellt das Propagandaministerium in Planten un Blomen erbeutete Waffen der Kriegsgegner aus, wenig später müssen hier KZ-Häftlinge bei eisiger Kälte Zementsteine herstellen.

Nur wenig ist geblieben

Nachdem die Luftangriffe auf Hamburg auch den Park zerstört haben, verändern später Internationale Gartenschauen in den Jahren 1953, 1963 und 1973 die Anlagen weitgehend. Heute erinnern neben der Sonnenuhr zwischen Parksee und Musikpavillon noch die Kaskaden und die Mauern des Rosengartens an die Gartenschau 1935.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Fernsehen / Hamburg Journal / 21.06.2015 / 19:30 Uhr

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