Stand: 17.08.2013 12:00 Uhr  | Archiv

Bomben auf Hitlers Raketenschmiede

von Henning Strüber, NDR.de
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Nach dem Angriff auf Peenemünde forcieren die Nationalsozialisten die Verlegung der Produktion in unterirdische Stollen.

Im nahegelegenen Gemeinschaftslager Trassenheide kommen rund 500 Menschen bei dem Luftangriff ums Leben. Doch das Bombardement hat für die rund 2.500 seit Mai 1943 eingesetzten Zwangsarbeiter aus den Lagern Karlshagen I und II noch viel weitreichendere Folgen: Die bereits vorliegenden Pläne für eine dezentrale Verlegung der "V2"-Produktion in unterirdische Werke werden schnellstmöglich umgesetzt. Ein Teil wird in das unterirdische Werk Mittelbau-Dora bei Nordhausen verlagert, wo inhume, katastrophale Arbeitsbedingungen herrschen.

Herstellung fordert mehr Opfer als Einsatz

Laut dem Leiter der dortigen KZ-Gedenkstätte, Jens-Christian Wagner, sterben bei der "V2"-Produktion in den Stollen knapp 4.500 Zwangsarbeiter, in den Außenlagern weitere 5.000. Der Kriegseinsatz der "V2" - Ziele sind hauptsächlich London und Antwerpen- bringt rund 5.000 Menschen - zumeist Zivilisten - den Tod. Damit gilt die "V2" als einzige Waffe, deren Herstellung mehr Opfer als deren Einsatz fordert.

Gefürchtete "Wunderwaffe"

Von September 1943 bis März 1945 werden rund 3.200 "V2"-Raketen eingesetzt. Gegenüber der ebenfalls in Peenemünde entwickelten Flugbombe Fi-103 ("V1") gibt es gegen die 14 Meter hohe und mit rund 750 Kilogramm Sprengstoff ausgestattete "V2" keinerlei Abwehr- und Vorwarnmöglichkeiten. Unter der Zivilbevölkerung verbreitet sie großen Schrecken. Dennoch erfüllen sich die Hoffnungen der deutschen Militärs in die von der NS-Propaganda als "Vergeltungswaffe" stilisierte Rakete nicht. Die vermeintliche "Wunderwaffe" vermag mitnichten, den Kriegsverlauf entscheidend zu beeinflussen.

Ein Traum geht spät in Erfüllung

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Raketenforscher Wernher von Braun arbeitete viele Jahre für die NASA.

Nach Kriegsende fallen den Alliierten "V2"-Raketen in die Hände. Das deutsche Know-how in der Raketentechnik ist im heraufdämmernden Ost-West-Konflikt bei Amerikanern wie Sowjets gleichermaßen begehrt. Trotz seiner Verwicklung in die nationalsozialistische Politik - von Braun trat 1938 in die NSDAP ein und wurde später SS-Sturmbannführer - steht der Raumfahrtvisionär von Braun alsbald in Diensten der NASA, wo er an der Entwicklung der "Mondrakete" Saturn V beteiligt ist. 1969 geht mit der Mondlandung schließlich der große Lebenstraum des Raketenforschers in Erfüllung.

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