Stand: 27.08.2014 00:00 Uhr  | Archiv

Heidi Kabel - Die Bühne war ihr Leben

Heidi Kabel überzeugte nicht nur durch ihr forsches Auftreten auf der Bühne, sondern nahm auch privat kein Blatt vor den Mund. Sie scheute sich nicht, ihre Meinung zu gesellschaftlichen Fragen und Problemen öffentlich zu äußern und nutzte ihre Beliebtheit auch für gute Zwecke. So trat sie im Juli 1993 bei einem Benefiz-Konzert zum 50. Jahrestag des Bombardements auf Hamburg auf. Zu diesem Anlass zeigte sich eine ruhige, nachdenkliche Heidi Kabel, deren Rezitation von Texten Wolfgang Borcherts viel Beifall fand. Außerdem setzte sich die überzeugte Hamburgerin unter anderem für die Hamburger Babyklappe und das Hospiz Hamburg Leuchtfeuer ein.

Heidi Kabel mit lilanen Haaren.

Hamburg damals: Heidi Kabel

Hamburg Journal -

Am 27. August hätte sie ihren 100. Geburtstag feiern können. Geboren wurde sie direkt gegenüber von ihrem alten Ohnsorg Theater. Für ihre Fans ist sie unsterblich.

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Bis ins hohe Alter aktiv

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Sekt zum 90.: Heidi Kabel und ihre Tochter Heidi Mahler feiern den runden Geburtstag.

Mit 84 Jahren nahm Heidi Kabel an Silvester 1998 Abschied vom Ohnsorg-Theater. Bis ins hohe Alter bewahrte sie sich ihren Charme und ihre Aufgeschlossenheit. "Ich bin die Oma aus dem Internet", sang die fünffache Großmutter mit 86 Jahren, ging tatsächlich ins weltweite Netz und legte sich zwischenzeitlich eine eigene Homepage zu.

Seit Oktober 2003 lebte sie zurückgezogen in einem Appartment einer Seniorenresidenz in Hamburg-Othmarschen. Zu dem Umzug hatte sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschlossen, weil sie an Altersdemenz litt. Ihren letzten großen öffentlichen Auftritt hatte Heidi Kabel bei der "Bambi"-Preisverleihung am 18. November 2004 in Hamburg: Nach 1989 und 1990 erhielt sie das goldene Reh erneut - diesmal für ihr Lebenswerk.

Bewegender Abschied im Michel

Am 15. Juni 2010 starb die Grande Dame des Volkstheaters im Alter von 95 Jahren in ihrer Heimatstadt. Zur bewegenden Trauerfeier versammelten sich Familienangehörige, Weggefährten, Schauspielerkollegen und zahlreiche andere Gäste im Michel. Unter anderem erwiesen ihr die Schauspieler Uwe Friedrichsen und Jan Fedder, die früheren "Tagesschau"-Sprecher Dagmar Berghoff und Wilhelm Wieben sowie Regisseur Detlev Buck die letzte Ehre. Die Familie verabschiedete Heidi Kabel mit einem von Rosen und Rittersporn durchsetzten Kranz mit der plattdeutschen Aufschrift "Slaap goot, dien Kinner".

Ein Platz und eine Statue als Erinnerung

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Heide Kabel in Aktion und in voller Größe: 1,63 Meter ist die Statue groß.

Kurz nach ihrem Tod setzte die Stadt Hamburg Heide Kabel ein Denkmal. Seit Herbst 2011 erinnern der Heidi-Kabel-Platz am Hauptbahnhof und eine lebensgroße Bronzefigur der Künstlerin Inka Uzoma, die dort vor dem Ohnsorg-Theater steht, an die große Volksschauspielerin.

Auszeichnungen für Heidi Kabel

  • 1967 Goldener Bildschirm
  • 1972 Goldener Bildschirm
  • 1975 Goldene Europa
  • 1981 Bürgermeister-Stolten-Medaille für Kunst und Wissenschaft, Hamburg
  • 1982 "Silberne Maske" des Ohnsorg-Theaters
  • 1983 Richard-Ohnsorg-Preis
  • 1984 Biermann-Ratjen-Medaille, Hamburg
  • 1985 Goldene Kamera
  • 1986 "Silbernes Lorbeerblatt" der Dramatiker-Union
  • 1989 Bambi
  • 1989 Ehrenmedaille für Kunst und Wissenschaft, Hamburg
  • 1989 Hermann-Löns-Medaille in Platin für besondere Verdienste um die Volksmusik
  • 1990 Bambi
  • 1992 Ohnsorg-Verdienstmedaille
  • 1994 Ehrenkommissarin der Hamburger Polizei
  • 2004 Ehrenmitgliedschaft im Ohnsorg-Theater
  • 2004 Bambi

Den ihr angetragenen Bundesverdienstorden lehnte Heidi Kabel gemäß hanseatischer Tradition ab.

Weitere Informationen

Das Ohnsorg-Theater: Bühne mit Geschichte

Viel mehr als nur "platte" Unterhaltung: Seit 1902 begeistert das Hamburger Ohnsorg-Theater Zuschauer nicht nur in Norddeutschland. Eine Zeitreise durch seine Geschichte. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.08.2014 | 19:30 Uhr

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