Stand: 26.09.2018 12:15 Uhr

Freddy Quinn: Die Stimme der Sehnsucht

Zurück zu den Wurzeln - der Zirkus

"Das wichtigste, das ich damals lernte, war: Disziplin und Respekt vor dem Publikum und vor ehrlicher Arbeit zu haben (...)" (Freddy Quinn über seine Anfänge beim Zirkus)

Immer öfter tritt er zudem in seine alten Fußstapfen zurück - wer einmal Zirkusluft geschnuppert hat, der kommt von dieser Leidenschaft nicht mehr los. Freddy Quinn moderiert die Fernsehsendungen "Zirkus, Zirkus" und "Manegen der Welt", tritt in "Stars in der Manege" auf und geht in der "Arena der Sensationen" übers Seil - ohne Netz und doppelten Boden. Mit seinem Können erwirbt er sich in Artistenkreisen hohes Ansehen. Von Fürst Rainier von Monaco erhält er sogar den "Zirkus-Oscar". Quinn werden zudem TV-Sendungen anvertraut. Begleitet vom Orchester Bert Kaempfert präsentiert er 1976 und 1977 seine ersten eigenen Shows. Ferner moderiert er Anfang der 80er-Jahre Shows wie "It's Country Time", bei der Stars wie Dave Dudley, Emmylou Harris und Johnny Cash auftreten.

Reumütiger Steuerhinterzieher

Doch die Erfolge der früheren Jahrzehnte lassen sich nicht wiederholen, obwohl er 1999 noch mehr als 50 Auftritte im Jahr hinlegt. 2004 wird Freddy Quinn wegen Steuerhinterziehung angeklagt, weil sein Hauptwohnsitz in der Schweiz gemeldet ist, sein Lebensmittelpunkt aber tatsächlich in Hamburg gelegen haben soll. Unter Tränen legt er am ersten Prozesstag vor dem Landgericht der Hansestadt ein Geständnis ab - schuldbewusst hatte er schon vor der Verhandlung rund 900.000 Euro Steuerschulden gezahlt. Im November wird der Steuersünder zu zwei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe in Höhe von 150.000 Euro verurteilt.

Abschiedstournee und Schicksalsschlag

Trotz des Prozesses halten seine treuesten Fans zu ihm. Das zeigt seine Abschiedstournee "Memories" im Frühjahr 2005. Sein Motto ist stets: aufhören, bevor die Leute Mitleid mit ihm haben. Doch Freddy Quinn bleibt präsent: Zum Empfang der "Queen Mary 2" im Hamburger Hafen Ende August 2006 wählen Hamburger ihre Lieblingslieder, darunter zwei Hits von Freddy: "Junge, komm bald wieder" und "La Paloma". Dann im Januar 2008 der Schicksalsschlag: Quinns Managerin und Lebensgefährtin Lilli Blessmann stirbt in einem Hamburger Krankenhaus an einer Lungenentzündung. Sie wurde 89 Jahre alt. "Sie war mein guter Stern", sagt Freddy Quinn. "An vorderster Front vor dem Publikum - da war ich gut. Aber hinter mir stand stets Frau Blessmann."

Keine Neuigkeiten seit 2008

Seither hat man nichts mehr gehört von Quinn. Er hat sich und sein Privatleben hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt. 2017 fragte ein Reporter von der FAZ bei Quinn nach, wie es um ihn bestellt sei. Als Antwort erhielt er nach Monaten des Wartens einen Brief von seiner Sekretärin mit dem kurzen Satz, dass er sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen habe. Genaueres wird man wohl also vorerst nicht erfahren.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 27.09.2016 | 19:00 Uhr

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