Stand: 28.03.2011 15:02 Uhr  | Archiv

Robert Wilhelm Bunsen - Der große Unbekannte

von Maren Stiebert

Aus dem Chemieunterricht kennt jeder den Bunsenbrenner und in zahlreichen Groß- und Kleinstädten ist eine Straße nach ihm benannt: Robert Wilhelm Bunsen trägt einen berühmten Namen. Doch über das Leben des Chemikers jenseits des Berufs ist nur wenig bekannt.

Bunsen war immer an der praktischen Verwertbarkeit seiner Erkenntnisse interessiert.

Das Interesse und Talent für Naturwissenschaften ist dem am 30. März 1811 geborenen Bunsen nicht in die Wiege gelegt worden. Sein Vater Christian war Bibliothekar und Professor der neueren Sprachen in Göttingen, seine Mutter stammte aus einer Offiziersfamilie. Robert Wilhelm, der noch drei ältere Brüder hat, besucht zunächst die Volksschule und das Gymnasium in Göttingen, als 15-Jähriger wechselt er dann an das Gymnasium in Holzminden. 1828 beginnt er sein Studium der Naturwissenschaften in seiner Geburtsstadt. Er konzentriert sich auf die Bereiche Chemie und Mathematik, studiert aber auch Physik, Mineralogie, Geologie, Botanik und Anatomie. Seine preisgekrönte Arbeit über Hygrometer (Luftfeuchtigkeitsmesser) aus dem Jahr 1830 wird im selben Jahr als Dissertationsschrift angenommen.

Erfindungen mit Nutzwert

Bunsens breites naturwissenschaftliches Wissensspektrum entspricht seinem eigenen akademischen Anspruch. Gegenüber seinem Biografen, dem Chemiker Heinrich Debus, soll er geäußert haben: "Zu meiner Zeit studierte man Naturwissenschaften und nicht, wie jetzt so häufig geschieht, nur eine derselben".

Seine wichtigsten Entdeckungen

  • 1834 Entdeckung eines Gegenmittels bei Arsenvergiftungen

  • 1841 Entwicklung der Zink-Kohle Batterie ("Bunsenelement"), Weiterentwicklung einer Erfindung von William Grove aus dem Jahr 1839

  • 1855 Perfektionierung des Bunsenbrenners

  • 1859 bis 1861 Entwicklung der Spektralanalyse gemeinsam mit Gustav Kirchhoff, eine Methode, um chemische Elemente nachzuweisen

  • 1860/61 Entdeckung der Alkalimetalle Cäsium und Rubidium, gemeinsam mit Gustav Kirchhoff; die Studien legten eine der Grundlagen für die moderne Astronomie

Entsprechend breit gefächert sind seine zahlreichen Entdeckungen, die überwiegend zur Erfindung nützlicher Werkzeuge oder zur Verbesserung von bereits vorhandenen analytischen Methoden und Techniken führen. Bunsen war immer an der praktischen Verwertbarkeit seiner Erkenntnisse interessiert. Ausgerechnet der berühmte nach ihm benannte Bunsenbrenner stammt nicht direkt von ihm. Das Gerät wurde von dem englischen Naturforscher Michael Faraday erfunden und wahrscheinlich von Bunsen und seinem Laborassistenten Peter Desaga entscheidend verbessert. Wie groß Bunsens Anteil an dieser Arbeit war, ist umstritten und nicht eindeutig geklärt.

Ausgedehnte Reisen

Ein Regierungsstipendium ermöglicht Bunsen 1832/33 eine ausgedehnte Studienreise, die ihn in mehrere deutsche Städte, aber auch ins Ausland nach Frankreich, Österreich und in die Schweiz führt. Damit kann er der bis an sein Lebensende unverheiratet gebliebene Bunsen zwei Leidenschaften miteinander verbinden: die Wissenschaft und das Reisen. Laut Debus hat Bunsen im Laufe seines Lebens fast ganz Europa bereist. Nach Beendigung seiner Studienreise habilitiert sich Bunsen 1834 an der Göttinger Universität. Gemeinsam mit dem Mediziner Adolph Arnold Berthold findet er im selben Jahr heraus, dass Eisenoxidhydrat als Gegenmittel von Arsenvergiftungen wirkt. Es wird noch heute in der Medizin eingesetzt.

Abschied von Göttingen

1836 nimmt Bunsen eine Stelle als Lehrer an der Höheren Gewerbeschule in Kassel an. Laut Debus wird Bunsen dort außerordentlich für seine Lehrmethode und seinen freundlichen Umgang geschätzt. Bei einer Explosion während seiner gefährlichen Arsenexperimente wird sein rechtes Auge schwer verletzt und Bunsen erblindet teilweise. 1839 wird er an die Universität Marburg berufen. Dort erfindet er 1841 die Zink-Kohle Batterie, eine Weiterentwicklung der Erfindung von William Grove aus dem Jahr 1839. Das sogenannte Bunsenelement wird in dieser Zeit unter anderem für die Gewinnung von Starkstrom eingesetzt. Ab 1850 wirkt Bunsen drei Semester an der Universität Breslau, wo er sich im Schwerpunkt mit Jodverbindungen beschäftigt. Hier entwickelt er die sogenannte Iodometrie, ein maßanalytisches Verfahren. In Breslau lernt er auch den Physiker Gustav Robert Kirchhoff kennen, mit dem er später sehr eng zusammenarbeitet. 1852 wird Bunsen an die Universität Heidelberg berufen, Kirchhoff folgt ihm nur zwei Jahre später nach.

Glanzzeit in Heidelberg

Bild vergrößern
Die von Bunsen und Kirchhoff entwickelte Spektralanalyse ist noch heute das wichtigste Handwerkszeug der Astronomie.

In Heidelberg bleibt Bunsen bis an sein Lebensende. Hier macht er seine bedeutendsten Entdeckungen. Die wichtigste ist die gemeinsam mit Kirchhoff entwickelte Spektralanalyse. Bunsen und Kirchhhoff finden heraus, dass chemische Elemente in der Flamme eines Gasbrenners eine eindeutige Färbung hinterlassen. Die Spektralanalyse ist noch heute das wichtigste Handwerkszeug der Astronomie. Mit ihr lassen sich unter anderem Aussagen über die chemischen Zusammensetzungen über Millionen Lichtjahre entfernter Himmelskörper treffen. Sie leitete damit den Übergang von der klassischen Astronomie, die sich auf Beobachtung von Anzahl und Bewegungen der Himmelskörper beschränkte, zur Astrophysik ein. Für ihre Arbeit benötigten die beiden Forscher einen verbesserten Gasbrenner, der später als Bunsenbrenner in den Chemielaboren seinen festen Platz erhält. Mit Hilfe der Spektralanalyse entdecken Bunsen und Kirchhoff zudem die Alkalimetalle Cäsium und Rubidium, die sie in einem Mineralwasser aus der Stadt Dürkheim nachweisen können.

Robert Wilhelm Bunsen beendet seine Universitätskarriere erst im hohen Alter von 78 Jahren. Sein Forscherdrang ist dennoch ungebrochen. Endlich hat er Zeit, sich seinem Hobby, der Geologie, ausgiebig zu widmen. Zehn Jahre später, am 16. August 1899, stirbt Robert Bunsen und wird auf dem Heidelberger Bergfriedhof beigesetzt.

Dieses Thema im Programm:

17.12.1986 | 17:00 Uhr

Mehr Kultur

05:41
NDR Fernsehen
04:47
Kulturjournal