Stand: 08.04.2013 19:00 Uhr  | Archiv

Krankenhaus Jerusalem: 100 Jahre heilen

von Jil Hesse

Als er den Grundstein für das Krankenhaus Jerusalem in Hamburg-Eimsbüttel legt, ahnt Arnold Frank noch nicht, was für bewegte Zeiten auf das Krankenhaus zukommen. Zwei Weltkriege wird es überstehen, das Wirtschaftswunder miterleben und unter einer ökonomischen Krise leiden.

Und auch der Gründer selbst hat schon einiges hinter sich: Arnold Frank ist 1876 mit 17 Jahren aus Ungarn nach Hamburg gekommen und arbeitet zunächst bei einer Bank. Im Juni 1877 wird er von einem aus Irland entsandten Judenmissionar getauft. Später geht auch er für sein Theologiestudium nach Irland. Anschließend kehrt Frank nach Hamburg zurück und wird Pastor der Jerusalem Gemeinde - am 9. April 1913 eröffnet er das Krankenhaus Jerusalem mit 46 Betten.

Krankenhaus Jerusalem: Damals und heute

Wenn diese Wände reden könnten...

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Während des Ersten Weltkrieges wurde das Jerusalem Krankenhaus zum Lazarett.

Während des ersten Weltkrieges wird das Krankenhaus Jerusalem zum Lazarett. Im Ausnahmezustand werden hier komplizierte Operationen durchgeführt und schwer verwundete Soldaten wieder gesund gepflegt. Nach Kriegsende wird angebaut: Ein weiterer Operationssaal und ein Neubau mit Entbindungsstation erweitern das Krankenhaus. Im Jahr 1933 werden 225 Babys im Jerusalem Krankenhaus geboren.

Das Ende des "Jerusalem"

Im selben Jahr müssen alle jüdischen Ärzte das Krankenhaus verlassen. Der jüdische Pastor Arnold Frank bleibt weitere fünf Jahre geistlicher Leiter der Diakonissenanstalt, er hilft hunderten jüdischen Christen bei der Auswanderung und schließlich gelingt auch ihm 1938 die Ausreise nach England - das "arisierte" Krankenhaus Jerusalem heißt nun "Krankenhaus am Moorkamp".

Nach dem zweiten Weltkrieg wird das Diakoniewerk erweitert. Die Modernisierung des Krankenhauses gehört auch dazu und es bekommt endlich seinen Namen zurück. In den folgenden Jahrzehnten sieht sich das Krankenhaus immer wieder mit dem gesellschaftlichen Wandel und dem steigenden ökonomischen Druck konfrontiert. Wegen des Geburtenrückgangs wird Ende der achtziger Jahre die Entbindungsstation geschlossen, sie ist finanziell nicht mehr tragbar.

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Leiten jetzt das Krankenhaus: Die Gynäkologen Dr. Timm Schlotfeldt, Prof. Dr. Eckhard Goepel, PD Dr. Kay Friedrichs sowie der Kaufmann Dr. Harald Berninghaus.

2007 fällt die Entscheidung: Das Krankenhaus Jerusalem wird von drei seit mehreren Jahren im Krankenhaus tätigen Gynäkologen und einem Kaufmann übernommen. Mit dem "Mammazentrum Hamburg" hat das Hamburger Traditionskrankenhaus heute eines der größten Brustkrebszentren Deutschlands. Somit ist der Schritt in Richtung modernster Medizin getan. Und dass 100 Jahre kein Alter sind, das zeigte schon Krankenhausgründer Arnold Frank: Er wurde 106 Jahre alt.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 14.04.2013 | 19:30 Uhr

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