Stand: 18.08.2014 10:25 Uhr  | Archiv

Keine Gnade: "Arisierung" zum Vorteil der Welfen

Lothar Elbogen (1900-1941) war der Besitzer der Firma Eduard Elbogen, die er 1939 unter Zwang verkaufen musste.

Mit Druck und Erpressung haben die Nationalsozialisten viele Juden gezwungen, ihre Firmen weit unter Wert zu verkaufen. Das nannten sie "Arisierung". Auch Ernst August Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, der Großvater des heutigen Welfen-Oberhauptes Ernst August (Prinz von Hannover) hat sich auf diese Weise mehrere jüdische Firmen angeeignet. Eines seiner Opfer war der Österreicher Lothar Elbogen. Der am 19. Juni 1900 in Mödling geborene jüdische Unternehmer besaß mehrere Bergwerke und handelte weltweit mit Talkum. Wiederentdeckte Dokumente belegen, dass sich Ernst August 1938 an der "Arisierung" der Talkum-Werke von Lothar Elbogen beteiligt hat. Die Historikerin Ulrike Felber von der Universität Wien hat die Leidensgeschichte des Unternehmers im Auftrag des NDR in monatelanger Archivarbeit recherchiert.

NS-Behörden verhaften den Unternehmer

Stichwort: "Arisierung"

Mit dem Begriff ist die Zwangsenteignung des Besitzes jüdischer Bürger zugunsten von Nichtjuden, sogenannten Ariern, und die kontinuierliche Einschränkung der Erwerbstätigkeitsfelder für Juden gemeint. Die Formen der "Arisierungen" reichten dabei von Beschlagnahmung, Nötigung und Zwangsverkauf über freiwilligen Verkauf unter Wert und gelegentlich auch angemessenen Handel zwischen resignierten und eingeschüchterten jüdischen Firmeninhabern mit "arischen" Käufern.

Quelle: Deutsches Historisches Museum

Ende der 30er-Jahre: Der jüdische Unternehmer will den Wert seiner Firma retten und verkaufen - aber einen fairen Preis für sein Unternehmen bekommen, das umgerechnet auf den heutigen Maßstab, mehrere Millionen Euro wert wäre. Doch die antijüdischen Gesetze der Nazis gelten seit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im März 1938 in Österreich auch dort. Gegen den geplanten Zwangsverkauf kann sich Elbogen kaum wehren und auch nicht dagegen, dass er am Ende gezwungen wird, sein Unternehmen unter Wert zu verkaufen. Die NS-Behörden erhöhen den Druck auf Elbogen: Sie verhaften ihn nach einem provozierten Handgemenge. Elbogen wird wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen und in das Untersuchungsgefängnis in der Straße Rossauer Lände gebracht.

Dieses Thema im Programm:

15.08.2015 | 12:49 Uhr

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