Stand: 06.05.2017 13:05 Uhr  | Archiv

Braunschweig brachte die Reformation voran

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Johannes Bugenhagen: Gemälde von Lucas Cranach d. J., 1555.

Wittenberg war der Geburtsort der Reformation, aber ohne Städte wie Braunschweig und Kirchenleute wie Johannes Bugenhagen hätte sich die evangelische Kirche nicht durchsetzen können. Diese These steht im Mittelpunkt einer neuen Sonderausstellung, die am Sonntag im Landesmuseum Braunschweig ihre Pforten öffnet. Der Titel der Schau: "Im Aufbruch - Reformation 1517 - 1617". Im Mittelpunkt steht das Wirken des Reformators Johannes Bugenhagen.

Jede Revolution muss verwaltet werden

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Mit Gemälden wurde in der Reformation um Publikum gekämpft wurde.

Die Schau blickt zurück in die Entstehungsgeschichte der Reformation. Martin Luther hatte 1517 in Wittenberg mit dem Anschlag seiner Thesen die kirchliche Revolution losgetreten. Aber damit sich die revolutionären Ideen im christlichen Alltag verbreiten konnten, musste eine entsprechende evangelische Kirchenordnung her - auch eine Revolution muss organisiert und verwaltet werden. Johannes Bugenhagen (1485 - 1558), war ein Freund und Mitstreiter Martin Luthers. Er war der Kopf der Reformation: Er wandelte Luthers Kanzellehren in konkrete Vorgaben für den Gottesdienst, die religiöse Ausübung und das kirchliche Sozialwesen um.

Handelsreisender in Sachen Reformation

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Auch ein restauriertes Grabdenkmal wird in der Ausstellung zu sehen sein.

Nur ein halbes Jahr lang wirkte Bugenhagen in Braunschweig, von Mai bis Oktober 1528. Dann reiste er nach Hamburg weiter. Aber er legte mit der Braunschweiger Kirchenordnung den Grundstein dafür, dass die Revolution zur einer Reformation wurde. In der Stadt gab es bereits Anhänger Luthers unter Mönchen, Predigern, Händlern, Handwerkern und Teilen des städtischen Bürgertums. Auf Bürgerversammlungen wurden Stimmen nach Veränderungen laut: Um die Kirchenreform ins Werk zu setzen, berief der Rat den Wittenberger Stadtpfarrer und Vertrauten Luthers.

Die neue Kirche muss organisiert werden

Johannes Bugenhagen führte mit seiner Kirchenordnung die Reformation in Hamburg ein.

Bugenhagen machte sich unter Mithilfe der Geistlichen, den Gilden und Gemeinden daran, eine neue Kirchenordnung zu entwerfen. So erhielt der Rat ein Mitspracherecht bei der Besetzung kirchlicher Stellen, der Ablauf der Gottesdienste sowie die Aufgaben und Einkünfte der Prediger wurden neu geregelt. Zudem hatte Bugenhagen die Schulnot in den Städten erkannt und dafür gekämpft, dass eine Schulpflicht für Jungen und Mädchen eingeführt wurde. Auch die Sozialhilfe für Menschen in Not geht auf seine Ideen zurück. Die Ausstellung in Braunschweig erläutert, warum und wieso die reformatorischen Ideen gerade zu der Zeit auf fruchtbaren Boden fielen, hieß es bei der Vorstellung.

Eine Ausstellung an drei Orten

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Im Braunschweigischen Landesmuseum ist eine aufgeklappte Bibel aus dem Jahr 1533 zu sehen.

Die Schau ist eine von bundesweit sieben zentralen Ausstellungen zur Reformation und ist auf drei Standorte verteilt. Zu sehen sind unter anderem Bücher, Grafiken, Gemälde, Skulpturen, Alltagsgegenstände oder Abendmahlskelche, teilte das Braunschweigische Landesmuseum mit. Neben dem Museum am Burgplatz werden zwei authentische Orte der Reformation zu Ausstellungsplätzen: Die evangelische Brüdernkirche als früheres Franziskanerkloster und das Zweigmuseum Hinter Aegidien, ebenfalls ein ehemaliges Kloster.

Eine Kirche als begehbares Ausstellungsobjekt

Der Direktorin des Landesmuseums, Heike Pöppelmann, kommt es darauf an, dass die Besucher die Reformationszeit nachempfinden können. So solle die Brüdernkirche fast wieder so erlebbar werden wie zu mittelalterlichen Zeiten. Deshalb seien für die Ausstellung die Bänke aus dem Kirchenschiff geräumt worden. Aufgestellte Stellwände hätten in etwa die Höhe der damaligen Empore. Besucher können anhand von vier sogenannten Themeninseln die Entwicklung vom einstigen Franziskanerkloster bis hin zur protestantischen Gemeindekirche nachvollziehen. So beherbergt die Kirche unter anderem das einzig erhaltene Chorgestühl der Franziskaner in Norddeutschland. Und die Besucher können einen weiteren besonderen Fund in Augenschein nehmen. Im Münsterland seien in einem Heimatmuseum und in einer Kneipe fast 500 Jahre alte Gemälde gesichtet worden, die ursprünglich in der Kirche hingen. In einem eigens eingerichteten Museum für Kinder können sich diese den Angaben zufolge unter dem Motto «Entdecke die Welt» auf die spätmittelalterlichen Spure der Reformation begeben.

 

Reformatorenkreis mit Johannes Forster, Georg Spalatin, Martin Luther, Johannes Bugenhagen, Erasmus von Rotterdam, Justus Jonas, Caspar Cruciger und Philipp Melanchthon. Kopie des Meienburgischen Epitaph von Lucas Cranach d.J.. © picture-alliance / akg-images Foto: akg-images

Hamburg damals: Johannes Bugenhagen

Hamburg Journal -

Der Zölibat gehört abgeschafft und Kinder sollten sechs Jahre lang gemeinsam lernen: Zwei Themen, die schon vor 500 Jahren von Johannes Bugenhagen diskutiert wurden.

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Braunschweig brachte die Reformation voran

In Braunschweig ist derzeit eine große Sonderausstellung zu sehen. Die Schau zum 500. Jubiläum der Reformation zeigt, welche Impulse dabei von Braunschweig ausgingen.

Datum:
Ende:
Ort:
Braunschweigisches Landesmuseum
Burgplatz 1
38100  Braunschweig
Öffnungszeiten:
Alle Ausstellungsorte, sofern nicht anders angegeben
Di bis So 10 - 17 Uhr, Mo geschlossen
Jeden 1. Di im Monat 10 - 20 Uhr

Standort St. Ulrici-Brüdern
Di bis Sa 10 - 18 Uhr, So 12 - 18 Uhr, Mo geschlossen

Das Café Kreuzgang ist während der Öffnungszeiten
am Standort St. Ulrici-Brüdern geöffnet.
Hinweis:
Weitere Veranstaltungsorte:

St. Ulrici-Brüdern mit Café Kreuzgang
Eingang Schützenstraße
38100 Braunschweig

Braunschweigisches Landesmuseum
Hinter Aegidien
Hinter Aegidien
38100 Braunschweig
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 05.05.2017 | 17:00 Uhr

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