Welt der Musik

Authentisch und romantisch - Claudio Arrau zum 30. Todestag

Sonntag, 30. Mai 2021, 18:00 bis 19:00 Uhr

Der chilenische Pianist Claudio Arrau © Keystone Archives
Claudio Arrau (1903–1991) gehört zu den großen Pianisten des 20. Jahrhunderts.

Claudio Arrau war überzeugt, dass ein Interpret sich einem magischen Verwandlungsprozess unterziehen müsse, um zu verstehen, was der Komponist gefühlt habe. Er verstand sich als Anwalt der Komponisten und lehnte es ab, dass man deren Werke als Vorwand benutzte, um den eigenen Gefühlen Luft zu machen. Authentizität war ein Charakteristikum des 1903 in Chile geborenen Claudio Arrau. Er galt aber gleichzeitig als ein "letzter Romantiker", denn er hat noch bei einem Schüler von Franz Liszt studiert: Martin Krause.

Claudio Arrau: Der chilenische Mozart

"Cela, c’est un pianiste!" - "Das ist ein Pianist" - so äußerte sich 1927 spontan der legendäre Alfred Cortot, als der 24-jährige Claudio Arrau beim Internationalen Klavier-Wettbewerb in Genf nur wenige Takte gespielt hatte. Daran erkennt man vielleicht einen außergewöhnlichen Künstler, wenn es gelingt, in kürzester Zeit im Konzert eine besondere Aufmerksamkeit herzustellen.

Claudio Arrau war ein Wunderkind mit einer natürlichen, herausragenden Begabung. In seiner Heimat feierte man ihn als "chilenischen Mozart". Arrau selbst soll damals gesagt haben: "Ich kann einfach spielen!" Schon mit fünf Jahren trat Arrau öffentlich auf. Mit einem Stipendium der chilenischen Regierung konnte er dann ab 1913 in Berlin am Sternschen Konservatorium studieren. Mit elf Jahren gab Arrau in Berlin sein erstes Konzert.

Berlin als Inspirationsquelle

Dennoch dauerte es bis in die 1930er-Jahre, dass sich Claudio Arrau auf dem künstlerisch so anspruchsvollen Berliner Parkett durchsetzen konnte. In Berlin lebte immerhin ein Ferruccio Busoni, es traten Künstler wie Wilhelm Kempff, Walter Gieseking oder Arthur Schnabel auf. Berlin mit seinem so vielfältig schillernden kulturellen Leben war auch eine wichtige Inspirationsquelle für den jungen Pianisten. Zeitlebens war Claudio Arrau ein Künstler, der sich neben der Musik für die kulturellen und geistigen Strömungen seiner Zeit interessierte. Bis ins hohe Alter setzte er sich zum Beispiel mit zeitgenössischer Musik auseinander. Arrau gilt als einer der letzten Vertreter des umfassend gebildeten "romantischen Künstlertypus".

Arraus' legendäre Klavier-Marathone

Legendär und vor allem international beachtet wurden im Berlin der 1930er-Jahre Arraus Klavier-Marathone. An mehreren Abenden spielte er das Gesamtwerk von Bach, Mozart oder Schumann. Ab 1941 gelang Arrau auch in den USA der Durchbruch. Er lebte viele Jahre mit seiner Familie in New York, später in München. Am 9. Juni 1991 starb er jedoch überraschend im österreichischen Mürzzuschlag an den Folgen einer Operation.

Eine Sendung von Elisabeth Richter

 

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Zwei Musiker im Senegal spielen Kora (links) und Djembe (rechts) im Gegenlicht vor untergehender Sonne. © picture-alliance / dpa

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