Cover Ombra © Luchterhand Verlag

Hanns-Josef Ortheils Roman einer Wiedergeburt: "Ombra"

Stand: 02.11.2021 06:00 Uhr

"Ombra" ist der Titel des neuen Buches von Hanns-Josef Ortheil. Auf Italienisch bedeutet das "Schatten". So kann man auch das Glas Wein nennen, das man zur Stunde des Aperitifs zu sich nimmt.

Cover Ombra © Luchterhand Verlag
Beitrag anhören 4 Min

von Annemarie Stoltenberg

Natürlich spielt der Musikliebhaber Ortheil, geboren 1951 in Köln, damit auch auf Georg Friedrich Händel an: "Die lieblichen Schatten". Die Schatten, die sich über das Leben von Hanns-Josef Ortheil im Sommer 2019 gelegt haben, waren keineswegs lieblich, sondern tatsächlich lebensbedrohlich.

Roman "Ombra": Notat einer langwierigen Genesung

Eine schwere Herzinsuffizienz und eine Operation mit Komplikationen: Ortheil verlor das, was man vermutlich als das Gefühl von der eigenen Unverwundbarkeit bezeichnen kann, das den Menschen innewohnt, die noch nie in eine solche Lage geraten sind. Sein neues Buch hat zwar den Untertitel "Roman einer Wiedergeburt", ist aber eher das haarfein beobachtete Notat einer langwierigen Genesung geworden. Am Ende kann seine Chefärztin feststellen:

Sie haben viel für Ihre Gesundheit getan, in allen Bereichen. Aufbau- und Ausdauertraining, Gymnastik, Teilnahme an Entspannungs- und Antistress-Gruppen, Seminare zum Ernährungs- und Bewegungsverhalten und nicht zuletzt solche, die einem Herzinfarkt vorbeugen und nach seinen möglichen Ursachen fragen. Ich sehe, Sie haben nur selten geschwänzt. Leseprobe

Sogar das heikle Thema Alkoholkonsum, über dessen schädliche Wirkung in unserer Gesellschaft nicht gern gesprochen wird, kommt zur Sprache.

Bei einem Treffen mit seinem langjährigen Freund und Lektor Klaus Siblewski wird mit einem Glas Wasser angestoßen. Das Gespräch der beiden ist übrigens in einem zweiten, zum Geburtstag erscheinenden Taschenbuch dokumentiert. Es hat den Titel "Ein Kosmos der Schrift".  

Hanns-Josef Ortheil: nach vielen Rückschlägen zurück ins Leben

Der Chefärztin ist klar, dass dieser Patient über seine Krankheit und den Weg zur Genesung schreiben wird. Und sie fragt ihn danach.

Ich habe längst damit angefangen. Erst werde ich beobachten, welche Wege das Schreiben nimmt. Protokolliert habe ich jedenfalls viel, mündlich, mit dem Smartphone. In Bewegung wird es aber erst kommen, wenn ich mühelos mit der Hand schreiben kann. Leseprobe

Chefärztin und Patient sind gerührt, denn es war ein langer Weg bis hierher mit Rückschlägen. Die Beschreibung dieser Lebenskrise wirkt erstaunlicherweise an keiner Stelle wehleidig. Sie ist einfach nur genau - wie Wimpernschläge.

Sie endet nicht damit, dass Hanns-Josef Ortheil davon ausgeht, dass er wieder Bäume ausreißen kann, sondern mit der wehmütigen Erkenntnis, dass er, bei allen Gesundheitsmaßnahmen, doch dem Tod ein Stück näher gerückt ist. Darüber hat Ortheil ein erstaunliches Buch geschrieben, das zur Zärtlichkeit mit sich selbst ermutigt und ganz sachte eine Tür zum Einverstandensein mit dem Tod öffnet.

Ombra

von Hanns-Josef Ortheil
Seitenzahl:
304 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
Luchterhand
Bestellnummer:
978-3630876610
Preis:
24,00 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Bücher | 02.11.2021 | 12:40 Uhr

Mehr Kultur

Gestapelte Säcke in einem Ausstellungsraum im Hamburger Speicherstadtmuseum © NDR / Petra Volquardsen Foto: Petra Volquardsen

Kleine Museen: Das Hamburger Speicherstadtmuseum

Exotisch und authentisch: Das Hamburger Speicherstadtmuseum entführt in die Handels-Vergangenheit der Hansestadt. mehr