Stand: 18.03.2018 10:00 Uhr

Erschreckende Zukunftsvision

Die Geschichte des Wassers
von Maja Lunde, aus dem Norwegischen von Ursel Allenstein
Vorgestellt von Ulrike Sárkány
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Auch ihren Roman "Die Geschichte des Wassers" hat Maja Lunde ihren drei Söhnen Jesper, Jens und Linus gewidmet.

Im Jahr 2017 hatte das deutsche Lesepublikum einen so eindeutigen Favoriten wie lange nicht: "Die Geschichte der Bienen" von Maja Lunde blieb durchgehend ganz oben auf der Bestsellerliste. Jetzt geht die Erfolgsgeschichte weiter: Die junge Norwegerin, Mutter von drei Söhnen, erzählt in ihrem neuen Roman "Die Geschichte des Wassers" von den Gefahren, die auf uns zukommen, wenn die Gletscher schmelzen und das Trinkwasser knapp wird.

Zweiter Teil von Lundes "Klima-Quartett"

Maja Lunde hat sich ein ganzes "Klima-Quartett" vorgenommen und dieser zweite Roman, der im Original einfach "Blau" heißt - so wie die Farbe des Planeten - gefällt den norwegischen Leserinnen und Lesern bereits genauso gut wie "Die Geschichte der Bienen".

"Das ganze Leben ist Wasser, das ganze Leben war Wasser, wohin ich auch sah, war Wasser. Es fiel als Regen vom Himmel oder als Schnee, es füllte die kleinen Bergseen, legte sich als Eis auf den Gletscher, strömte in tausend kleinen Bächen den steilen Berghang hinab und schwoll an zum Fluss Breio. Es lag spiegelglatt vor dem Ort am Fjord." Leseprobe

Im Jahr 2017 bricht die fast 70-jährige Signe mit ihrem Boot, der "Blau", aus Norwegen zu einer Reise über die Nordsee nach Frankreich auf. Dort will sie ihrem treulosen Freund Magnus etwas vom Gletschereis aus ihrer gemeinsamen Heimat vor die Tür kippen.

Eine anrührende Umweltgeschichte

Maja Lunde hält keine ermüdenden Vorträge, sondern erzählt immer eine zutiefst anrührende menschliche Geschichte. Signe war schon als junge Frau Umweltaktivistin. Ihre Kampfeslust speiste sich auch aus der Tatsache, dass sie damit auf der Seite ihres Vaters stand, gegen ihre Mutter, die ihn für den Ingenieur des neuen Kraftwerks und des Staudamms verlassen hatte. Maja Lunde weiß Dinge, die sie mit ihren Anfang 40 noch gar nicht aus eigener Erfahrung kennen kann.

"Es ist merkwürdig, abstrakt, nein, surreal ist das passende Wort, dass ich eine von ihnen bin, den Alten, wo ich doch immer noch so durch und durch ich bin, dieselbe, die ich immer war, ob mit fünfzehn, fünfunddreißig oder fünfzig, eine konstante, unveränderlich Masse, wie ich es in meinen Träumen bin, wie Stein, wie tausendjähriges Eis." Leseprobe

Signes Boot wird im Jahr 2041 in der Gegend von Bordeaux von David, einem jungen Vater, und seiner kleinen Tochter Lou gefunden:

"Der Himmel über uns war blau. Nicht eine einzige Wolke. Blau, immer nur blau. Allmählich fing ich an, diese Farbe zu hassen. Lou lehnte an meinem Arm und wurde leicht hin- und hergeschaukelt, wenn der Lastwagen über Schlaglöcher rumpelte. Hier hatte schon lange niemand die Straßen ausgebessert. Die Häuser am Straßenrand waren verlassen, der Boden sonnenverbrannt." Leseprobe

Wassermangel in Europa

2041 - das ist nur etwas mehr als zwei Jahrzehnte in der Zukunft. In Maja Lundes Vision hat sich ganz Frankreich bis dahin in eine Wüste verwandelt, in der es kaum noch Wasser gibt. David und Lou haben die andere Hälfte ihrer Familie, die Mutter und das Baby, auf der panischen Flucht aus ihrer brennenden Stadt verloren. Jetzt kommen sie in einem Lager unter, in dem sie all das erleben, was Not und Mangel unter Menschen hervorbringt: hier und da Hilfsbereitschaft, aber vor allem Gehässigkeit und Neid. Alle wollen in die "Wasserländer" im Norden entkommen und wissen nicht, wie.

"Mir war die Lust daran vergangen, die Nachrichten zu lesen, denn die Leute schienen sich überall zu bekämpfen, der Norden gegen den Süden, die Wasserländer gegen die trockenen. Auch innerhalb der einzelnen Länder kam es zu Kriegen, so wie in Spanien." Leseprobe

Es ist ein besorgniserregendes Szenario, das die Autorin entwirft, aber dem setzt sie immer wieder beeindruckende Passagen von großer Menschlichkeit entgegen. Das kann Signes freundliche Begegnung mit einem Wal sein, als sie sich gerade besonders allein auf der Welt fühlt, oder auch die liebevolle Zuwendung eines alten Mannes, als die kleine Lou an einer Infektion durch verseuchtes Wasser fast zu sterben droht.

Die Geschichte des Wassers

von
Seitenzahl:
480 Seiten
Genre:
Roman
Verlag:
btb
Bestellnummer:
978-3-442-75774-9
Preis:
20,00 €

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