Stand: 16.12.2018 10:00 Uhr

Catherine Deneuve - In Frankreich eine Göttin

Catherine Deneuve - Film für Film
von Isabelle Giordano, aus dem Französischen von Michaela Angermair
Vorgestellt von Annkathrin Bornholdt

Catherine Deneuve - ein Name, der mittlerweile zur Filmgeschichte gehört wie kaum ein anderer. Seit sechs Jahrzehnten ist die berühmte Filmschauspielerin im Geschäft. Im Oktober wurde Catherine Deneuve 75 Jahre alt. Ihr Geburtstag wurde und wird natürlich entsprechend gefeiert. Auch mit einem umfangreichen Bildband. "Catherine Deneuve - Film für Film" lautet der Titel.

Eine Schauspielerin mit vielen Facetten

Von der "kühlen Blonden" zur "schönsten Frau der Welt"

Nur gut ein Jahr liegt zwischen Jacques Demys "Die Regenschirme von Cherbourg" und Roman Polanskis "Ekel" von 1965. Zwischen der zarten, puppenhaften Geneviève mit der hellblauen Schleife im blonden Haar und der psychisch gestörten Carole, die im Wahn mit weit aufgerissenen Augen und zerzauster Mähne durch die Flure einer verlassenen Villa streunt.

"Um die psychische Gestörtheit von Carole zu verkörpern, hält Polanski die vernünftige Catherine Deneuve für die beste Wahl: der größte denkbare Kontrast zu den Regenschirmen. So ist sie es also, die diese schizophrene und von Ängsten getriebene Frau spielen wird, die sich […] verbarrikadiert und jeden Abend der Vorstellung erliegt, von einem Mann vergewaltigt zu werden. Ihre Neurosen treiben sie nach und nach in einen mörderischen Wahn." Leseprobe

Catherine Deneuve ist gerade mal Anfang 20, als sie mit diesen beiden Filmrollen die große Bandbreite ihres schauspielerischen Könnens und ihr Gespür für gute Filmstoffe offenbart. Das kunterbunte Leinwandmusical "Die Regenschirme von Cherbourg" und der Horrorfilm "Ekel" markieren den Durchbruch der jungen Deneuve, die zuvor schon in einigen kleineren Produktionen mitgewirkt hat.

Die Deneuve lässt sich nicht festlegen

Seit mehr als 50 Jahren steht sie mittlerweile vor der Kamera und hat sich dabei nie auf ein Image festlegen lassen, auch wenn viele ihr den Stempel der "kühlen Blonden" oder der "schönsten Frau der Welt" aufdrücken wollten. Immer wieder hat Catherine Deneuve klug mit diesen Klischees gebrochen und vielleicht ist genau das ihr Geheimnis. Das legt zumindest dieser Bildband nahe, in dem die Journalistin Isabelle Giordano den Werdegang der Schauspielerin in mehr als 60 Filmen nachzeichnet. Entstanden ist eine reich bebilderte Enzyklopädie der Deneuveschen Arbeiten - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Im roten Tweed-Kostüm wird Catherine Deneuve aus einer Kutsche gezerrt, an einen Baum gefesselt, halb entblößt und dann ausgepeitscht. 1964 spielt sie unter der Regie des Spaniers Luis Buñuel die Rolle der Séverine in "Belle de Jour - Schöne des Tages". Der Film zeigt nicht nur skandalöse Szenen, sondern kreist auch um ein für damalige Verhältnisse gewagtes Thema: die sexuelle Befreiung der Frau. Deneuve spielt eine Vorzeige-Ehefrau, die getrieben von ihren geheimsten Fantasien in die Prostitution abrutscht.

Der melancholisch-leere Blick, der die Untiefen hinter dem perfekten Äußeren erahnen lässt - Catherine Deneuve beherrscht dieses Hineindenken und -fühlen in zerrissene Charaktere wie kaum eine andere.

Zusammenarbeit mit großen Regisseuren

Mit Regisseuren wie Luis Buñuel, Jacques Demy, Claude Lelouch und François Truffaut arbeitet sie immer wieder zusammen. In Truffauts "Le Dernier Métro - Die letzte Metro" spielt sie 1980 an der Seite von Gérard Depardieu. Es ist die Geschichte einer Frau, die in der französischen Besatzungszeit ein Theater leitet und zwischen ihrem Ehemann und einem der Schauspieler hin und hergerissen ist. 

"Deneuves Spiel besteht in einer Art expliziter Zurückhaltung; das Wenige, was sie dem Zuschauer an Informationen gibt, ist umso entlarvender hinsichtlich ihrer seelischen Verfassung: Ist sie dabei, sich zu verlieben? Wird sie es fertigbringen, ihren Mann zu belügen? Ein Blick, eine Geste, sparsamste Mittel, eher um Gefühle anzudeuten, als um zu überzeugen." Leseprobe

Immer ein Gespür für interessante Themen

Der Bildband zeigt das ganze Spektrum einer hoch professionellen, intelligenten, wunderschönen Schauspielerin in faszinierenden Großaufnahmen, Filmset-Szenen und einordnenden Begleittexten - von den frühen Filmen bis in die Gegenwart, von Dramen wie "Indochine" bis zu Komödien wie "Meine schöne Schwiegermutter".

Bis heute hat sich Catherine Deneuve ihr Gespür für gesellschaftlich spannende Themen und interessante Rollen bewahrt. An Ruhestand ist nicht zu denken, denn die Freude an ihrem Beruf ist offensichtlich ungebrochen.

Catherine Deneuve - Film für Film

von
Seitenzahl:
256 Seiten
Genre:
Bildband
Zusatzinfo:
200 Abbildungen in Farbe und Schwarz-Weiß
Verlag:
Schirmer/Mosel
Bestellnummer:
978-3-8296-0854-1
Preis:
49,80 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 16.12.2018 | 17:40 Uhr

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