Die Fassade des Jungen Theaters Göttingen am Marktplatz © dpa Foto: Stefan Rampfel

Privattheater-Schutzschirm greift nicht für alle

Stand: 19.11.2020 09:12 Uhr

Durch eine Förderlücke haben offenbar nicht alle Privattheater Anspruch auf Unterstützung aus dem Schutzschirm des Bundes. Ein Beispiel aus Göttingen.

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Von den mehr als 200 Privattheatern in Deutschland sind viele in Existenznot. Der Schutzschirm von Kulturstaatsministerin Monika Grütters soll die Privattheater mit rund 30 Millionen Euro in der Corona-Zeit unterstützen. Das Junge Theater Göttingen meldete nun aber, dass sein Antrag abgelehnt wurde. NDR Kultur Reporter Ole Wackermann, was sind die Gründe dafür - das Junge Theater Göttingen ist doch ein Privattheater?

Ole Wackermann © NDR Foto: Christian Spielmann
NDR Kultur Reporter Ole Wackermann

Ole Wackermann: Ja, deshalb ärgert sich Intendant Nico Dietrich auch so über die Ablehnung. Er sagt, wir bräuchten diese Hilfe eigentlich dringend, fallen aber durchs Raster. Er formuliert das so: "Das ist blöd. Also das ist das, was die Politik ständig auch beschreibt. Die Gelder sind doch zur Verfügung gestellt. Warum kommen die da unten nicht an?"

Die Begründung ist nämlich, dass nur die Privattheater die Hilfe vom Bund bekommen sollen, die sich zu mindestens 50 Prozent aus privaten Mitteln finanzieren. Da liegt das Junge Theater Göttingen nur knapp drüber. Es fällt also genau in eine Förderlücke. Und der Intendant sagt, das trifft nicht nur das Theater, das trifft auch die Mitarbeiterinnen und die freien Künstler, die sonst bei ihm in Göttingen arbeiten. Denn das Geld - übrigens maximal 140.000 Euro pro Theater - das würde auch ihnen helfen, über die Runden zu kommen.

Aber ist da vielleicht einfach ein Fehler passiert? Oder kommt da definitiv kein Geld vom Bund?

Die bittere Wahrheit ist: Es kommt definitiv kein Geld. Die Pressestelle der Kulturstaatsministerin hat uns gestern geschrieben und bestätigt: Das Programm richtet sich ausdrücklich an die nicht überwiegend öffentlich geförderten Kultureinrichtungen. Demnach ist mit den Ländern abgesprochen, dass sie sich um die Privattheater kümmern sollen, die stärker öffentlich gefördert werden. Nur Theaterintendant Nico Dietrich befürchtet, dass diese Arbeitsteilung eben nicht so richtig funktioniert, sondern dass sich auch die Kommunen eher zurückziehen und auf den Bund verweisen. Er sagt: "Diese Programme suggerieren - 30 Millionen für alle Privattheater. Das geht dann einmal durch die Presse. Und dann denken alle: Naja, dann sind die ja versorgt. Nee!" Also das, was Nico Dietrich da beschreibt, klingt nach Schwarzer-Peter-Spiel.

Und geht es auch anderen Theatern so?

Wie viele da betroffen sind, ist nicht klar. Der Kulturbehörde in Hamburg ist jedenfalls bewusst, dass es eine Lücke gibt. Und die Stadt bemüht sich, da einzuspringen, wo der Bund eben nicht hilft. Sie hat seit Anfang der Krise rund neun Millionen Euro zusätzlich an die Hamburger Privattheater gezahlt. Der Deutsche Bühnenverein hat auf unsere Anfrage hin angekündigt, dass es bei der Mitgliederversammlung in der nächsten Woche eine Umfrage bei den Privattheatern zu diesem Thema geben soll.

Das Gespräch führte Jan Wiedemann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch in den Tag | 19.11.2020 | 07:40 Uhr