Stand: 14.05.2020 11:02 Uhr

Brosda: Erlebbare Kultur statt Stillstand finanzieren

Dr. Carsten Brosda © Hernandez für Behörde für Kultur und Medien
"Wir wollen möglich machen, was geht - auch mit dem Einsatz klassischer Fördersysteme", sagt Carsten Brosda.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) fordert Konzepte, um trotz der Corona-Krise Kulturangebote wieder erlebbar zu machen und genießen zu können. Im Hörfunk-Interview auf NDR Info betonte der Politiker, es gehe darum, Orte und Räume zu schaffen, die das möglich machten. Auch wenn beispielsweise Konzertsäle wieder öffneten, gebe es ein Platzproblem und damit auch ein ökonomisches Problem für die Veranstalter, so Brosda. Es gehe auch um die Frage, wie man Publikum unterbringen könne, ohne dass das Infektionsrisiko zu hoch ist.

"Das ist das Puzzle, das wir lösen müssen", sagte Hamburgs Kultursenator in dem Interview. "Das, was geht, wollen wir möglich machen. Aber wir müssen schon darauf achten, dass wir nicht mit Blick auf das Virus Unsinn veranstalten und dann wieder in dem gleichen Schlamassel sind wie im März." Bei einem klassischen Liederabend sei es sicherlich leichter, eine alternative Sitzordnung zu gestalten, als bei einem Punkkonzert.

Produktion von Kunst und Kultur neu ermöglichen

Neben Kompensation und Soforthilfen müsste vor allem darüber nachgedacht werden, wie die klassischen Fördersysteme angezapft werden können. Es sei nicht aushaltbar, eine weitere lange Zeit den Umstand zu finanzieren, dass nichts passiert, um das dann sozial zu kompensieren, so der SPD-Politiker in dem Gespräch weiter. "Unsere Aufgabe muss sein: Wie ermöglichen wir wieder die Produktion und das Erleben von Kunst und Kultur und wie richten wir unsere Förderinstrumente so aus, dass das, was jetzt geht, auch gemacht werden kann." Und es gehe darum, neue Formen der Kultur-Finanzierung zu entwickeln. Ein mögliches Beispiel wären Gagen für Online-Auftritte, so Brosda.

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Hoffnung auf Vernunft und Demut des Publikums

Mit Blick auf die Wiederaufnahme eines Regelbetriebs von Kulturveranstaltungen hofft Hamburgs Kultursenator auf die Vernunft und Demut des Publikums: "Ich hoffe inständig, dass die Leute dann nicht denken, jetzt können wir zum 'Business as usual' zurückkehren, es läuft ja wieder!".

Es müsse allen bewusst werden, was für eine prekäre Struktur hinter der Kulturlandschaft stecke und wie sehr die Gesellschaft darauf angewiesen sei - "weil wir diese Reflektions- und Irritationsräume so dringend brauchen". Diese Orte müssten auch künftig so ausgestattet werden, dass sie mit Leben zu füllen sind. Darauf müsse besser und präziser geachtet werden als bisher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 14.05.2020 | 08:50 Uhr