Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht während einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Tonne: "Die Abiturienten haben ein Recht auf diese Prüfung"

Stand: 09.04.2021 17:00 Uhr

Die Kultusministerinnen und -minister haben am Donnerstag beraten, wie es nach den Osterferien mit dem Schulunterricht weitergehen soll.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht während einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
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Die Abiturprüfungen 2021 sollen auf jeden Fall stattfinden, so der Beschluss der Kultusministerkonferenz am Donnerstag, den auch der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne unterstützt. Am Freitag gab die Bundesregierung bekannt, dass das für Montag geplante Bund-Länder-Treffen nicht stattfinden wird. Bund und Länder streben bundesweit einheitliche Regelungen zu Corona-Ausgangssperren und Schulschließungen an, die im neuen Infektionsschutzgesetz verankert werden sollen.

Herr Tonne, gefährden die Beschlüsse der Bundesregierung - zu einem Verzicht auf Beratung mit den Ländern - die am Donnerstag getroffenen Beschlüsse der Kultusminister der Länder?

Grant Hendrik Tonne: Wir haben einen reinen Fachblick auf Schulen und Kitas und geben unsere Empfehlung ab. Das ist unser Beitrag mit Blick auf die Ministerpräsidentenkonferenz, aber natürlich ist das nicht etwas Abschließendes.

Dann lassen Sie uns die Empfehlungen schauen: Sie wollen auf jeden Fall an den Abiturprüfungen festzuhalten. Wenn sich die gesundheitliche Situation verschlechtert, wann ist der Punkt erreicht, wo man davon wieder abrücken muss?

Tonne: Wir glauben, dass es - egal ob Schulen jetzt geöffnet, teilgeöffnet oder geschlossen werden - eine vernünftige Vorbereitung für die Abiturientinnen und Abiturienten gab. Die nehmen seit Beginn diesen Jahres in so gut wie allen Bundesländern mindestens am Wechselunterricht teil. Wir betonen immer wieder - und das ist auch meine persönliche Position - dass sie ein Recht darauf haben, dass wir alles daran setzen, dass sie einen Abschluss machen können, mit dem sie mit Fug und Recht sagen können, dass der genauso anstrengend, hart und hochwertig ist, wie die Abschlüsse in den Jahren zuvor.

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Das Motto lautet: testen, testen, testen! Reichen die Test-Kapazitäten dazu?

Tonne: Es heißt nicht nur: testen, testen, testen. Sondern es heißt auch: Das Testen kommt hinzu. Die Testungen ersetzen keine bisherigen Vorsichtsmaßnahmen wie Abstände, Masken oder Hygienevorschriften. Aus Sicht des Landes Niedersachsen haben wir alles dafür getan, dass ausreichend Testkits bestellt werden. Wir haben die Kapazitäten hochgefahren, um die Testkits möglichst schnell umzuschlagen und sie an die Schulen zu versenden. Wir wissen auch, dass es auch immer wieder einen Einschnitt geben kann. In dieser Woche werden wieder viele Testkits an die Schulen versandt, sodass wir zuversichtlich auf die nächste Woche blicken. Aber wir werden uns gerade am Anfang von Woche zu Woche durchkämpfen müssen.

Wie wird mit Testverweigerern umgegangen?

Tonne: Ich will ganz ausdrücklich appellieren, dass jeder, der dem Testen skeptisch und kritisch gegenübersteht, sich noch mal sehr genau hinterfragt. Diese Tests sind nicht vergleichbar mit den medizinischen Tests, sondern sie sind einfach, ungefährlich und schnell händelbar. Wer es aber partout nicht will, der hat die Möglichkeit, sich von der Präsenz in der Schule befreien zu lassen und zu Hause zu bleiben.

Am Montag geht der Unterricht wieder los. Was heißt das für die anderen, die nicht in der Abiturklasse sind?

Tonne: Wir setzen die Regelungen fort, die wir vor Ostern gehabt haben. Wenn in bestimmten Regionen die Inzidenz unter 100 ist, dann befinden sich die Jahrgänge im Wechselunterricht, Szenarion B. Wenn die Inzidenz über 100 ist, dann bedeutet das für die meisten Jahrgänge Szenario C, also Lernen von Zuhause aus - bis auf Grundschulklassen und Abschlussklassen. Wobei die Landkreise auch die Möglichkeit haben, diese Regelung im Einzelfall zu verschärfen, wenn es besondere Umstände gibt, die das rechtfertigen.

Wenn die Bundesregierung das Zepter selber in die Hand nimmt, um der Uneinheitlichkeit, die der Föderalismus mit sich bringt, Einhalt zu gebieten, kann es sein, dass all ihre Pläne dann Makulatur sind?

Tonne: Es ist klar, dass wir dafür werben, dass wir auch der Unterschiedlichkeit der Situation in den Ländern Rechnung tragen. Damit kann man nicht alles durch Gleichmachen lösen. Wir werben auch dafür, dass man sich die guten Konzepte, die es gibt, anschaut. Ich sehe für Niedersachsen keinen Grund, davon abzuweichen haben. Aber natürlich können Gespräche, Verhandlungen und Veränderungen in den Zuständigkeiten zu Veränderungen führen. Die Pandemie hat leider eine hohe Dynamik und das erfordert immer wieder auch ein Reagieren. Ich wünsche es mir nicht. Ich wünsche mir Verlässlichkeit und Kontinuität. Dass wir mit den Maßnahmen dazu zurückkommen, dass mehr Normalität in Schulen und Kitas möglich ist. Das haben die Kinder und auch die Erziehungsberechtigten mehr als verdient.

Das Gespräch führe Jürgen Deppe.

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NDR Kultur | Journal | 09.04.2021 | 18:00 Uhr