Stand: 22.01.2013 12:30 Uhr  | Archiv

"Stille Helden": Leise Nächstenliebe gelebt

von Axel Seitz
Marlene Ohse und Johannes Voss vor dem Bild ihrer Mutter Gerda Voss.  Foto: Werner Mett/Schweriner Volkszeitung
Marlene Ohse und Johannes Voss im vergangenen Jahr vor dem Bild ihrer Mutter Gerda Voss. (Foto: SVZ)

Sechs Millionen Juden wurden unter Hitlers Herrschaft ermordet. Um dem Tod in den Konzentrationslagern zu entgehen, tauchten mindestens 5.000 Juden in Deutschland unter. Das gelang ihnen nicht zuletzt, weil ihnen andere Menschen halfen. Mehr als 30.000 dieser "stillen Helfer" soll es gegeben haben, schätzen Historiker. Rosemarie Dessauer ist eine, die so den Nazis entkommen konnte.

 

"Stille Helden" im Programm

Überlebende und Zeitzeugen erinnern sich auf NDR 1 Radio MV an die "Stillen Helden" aus Mecklenburg-Vorpommern.

Dienstag (22.01.) bis Freitag (25.01.) jeweils 18:15 Uhr sowie

am Freitag (25.01.) in der Sendung "Forum" von 20:15 bis 21 Uhr.

Helfen ohne Scheu

Dessauer wurde im Jahr 1943 zu einem Leben auf der Flucht gezwungen. Die damals 20-Jährige ist Jüdin. Während ihrer zweijährigen Odyssee durch Nazi-Deutschland standen ihr 15 Menschen zur Seite, versteckten sie vor Polizei und Gestapo. Unterschlupf fand Dessauer auch bei Gerda Voss in Pokrent bei Gadebusch. Die Pfarrersfrau ist allein, der Mann als Soldat im Krieg. Sie entscheidet, Rosemarie Dessauer bei sich aufzunehmen. Gerda Voss' Tochter Marlene Ohse hat davor noch heute großen Respekt.

Sie erinnert sich auch daran, dass ein weiteres jüdisches Mädchen in die Familie kam. Die 13 Jahre alte Luise Balmberger ging mit den Kindern sogar in die Schule. Ansonsten wäre das im Dorf aufgefallen, sagt Marlene Ohse.

Fünf Jahre untergetaucht

In Bützow betreibt Familie Gaedt zu dieser Zeit eine Gärtnerei. In den letzten drei Kriegsjahren nehmen die Gaedts Irene Greiner und deren Sohn auf. Die Halbjüdin kommt aus Leipzig nach Mecklenburg-Vorpommern und bringt noch im Jahr 1944 eine Tochter zur Welt. In Groß Kiesow lebt Gertrud Birnbaum aus Niedersachsen fünf Jahre lang im Schutze der Pastorenfamilie Pfannschmidt.

Der Kontakt zwischen Verfolgten und Helfern entstand oft zufällig. Ansonsten gab es familiäre oder freundschaftliche Verbindungen. Die Pfarrhäuser bildeten ein Netzwerk.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Forum aktuell | 25.01.2013 | 20:15 Uhr

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