Der Hochseekutter "Hohe Weg" nach seiner Bergung. © dpa-Bildfunk

"Hoheweg": Beim Unglück 2006 starben alle Besatzungsmitglieder

Stand: 07.11.2021 08:56 Uhr

Am 8. November 2006 sank der Fischkutter "Hoheweg", alle vier Besatzungsmitglieder starben: der 27-jährige Kapitän und Sohn des Eigners, ein 18-jähriger Auszubildender und zwei Fischer, 38 und 47 Jahre alt.

Der Hochseekutter war am 8. November 2006 bei stürmischer See gerade erst aus Brake (Landkreis Wesermarsch) zu einer Fangreise gestartet, die bis in die Ostsee führen sollte. Gegen 20.44 Uhr verschwand er vom Radar des Schiffsidentifikationssystems. Kurz darauf ging bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen der Alarm los, ausgelöst durch eine Seenotboje des Kutters. Es folgt eine der größten Rettungsaktionen in der Deutschen Bucht, Seenotkreuzer, Hubschrauber und Flugzeuge waren im Einsatz. Trotzdem wurde das Wrack erst eine Woche nach dem Unglück geortet, drei tote Besatzungsmitglieder wurden später gefunden, der Kapitän wird bis heute vermisst.

Ermittlungen gegen Reeder wurden eingestellt

Spezialisten der Spurensicherung untersuchen am Dienstag (24.07.2007) das Wrack des Hochseekutters "Hoheweg" im Fischereihafen von Bremerhaven. © dpa Foto: Ingo Wagner
Spezialisten der Spurensicherung untersuchten das Wrack des Hochseekutters "Hoheweg" im Fischereihafen von Bremerhaven.

Ein Gutachten der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) ergab später, dass bei einem Umbau des 23 Meter langen Kutters ein paar Jahre zuvor die Stabilitätskriterien der See-Berufsgenossenschaft nicht eingehalten worden seien. Eine schwere Netzwinde war nachträglich auf das Achterdeck des damals bereits 30 Jahre alten Kutters gesetzt worden. Am Ende führte laut BSU eine Verkettung unglücklicher Umstände zum Untergang. Die Staatsanwaltschaft leitete zunächst Ermittlungen wegen des Vorwurfes der fahrlässigen Tötung gegen den Reeder ein, stellte diese eineinhalb Jahre später aber ein. 

Untergang der "Hoheweg" bis heute präsent

Der Untergang der "Hoheweg" in der Nordsee ist auch 15 Jahre nach dem Unglück noch präsent. Der Schock, den das Unglück bei den Kollegen in der Region auslöste, sei bis heute nachzuspüren, sagt Dirk Sander, Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Kutter- und Küstenfischer: "Die Fischer haben es immer noch im Kopf. Wenn man rausfährt bei schlechtem Wetter, kommen die Gedanken wieder hoch", so Sander. "Es war ein Unglücksfall, wie er immer passieren kann in der Fischerei. Man sucht immer nach Gründen, warum etwas passiert, aber in Wirklichkeit ist das Wetter schuld."

Weitere Informationen
Der Seenotkreuzer "Hermann Marwede". © NDR Online Foto: Oliver Gressieker

Digital an Bord am "Tag der Seenotretter"

Wegen Corona wurde der Aktionstag ins Netz verlegt. Dort informierte die DGzRS über ihre Arbeit auf Nord- und Ostsee. (26.07.2021) mehr

Eine historische Fotografie zeigt ein Ruderrettungsboot auf einem Ablaufwagen. © DGzRS/Die Seenotretter Foto: DGzRS

Vom Strandraub zur Seenotrettung

Bis 1865 leben viele Küstenbewohner vom Strandgut havarierter Schiffe. Hilfe für Seeleute bleibt aus. Das ändert sich mit der Gründung der DGzRS. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.11.2021 | 12:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Die 2000er-Jahre

Mehr Geschichte

Ein alter Ford steht in einer Garage. © Screenshot
ARD Mediathek

Auto-Ikonen - Ford Capri, Kult-Coupé aus Köln

Der Ford Capri trifft ins Herz einer ganzen Generation. Der schnittige Volkssportwagen wird zum Mythos der wilden 68er-Jahre. Video

Norddeutsche Geschichte