Stand: 19.02.2020 11:43 Uhr  - Nordmagazin

Wie aus der "Wilhelm Pieck" die "Greif" wurde

Sie war der Stolz der DDR und deren einziges Hochseesegelschiff: die stählerne Schonerbrigg "Wilhelm Pieck". Heute heißt das Segelschulschiff nach seinem Heimathafen in Greifswald-Wieck "Greif". Erbaut wird der Zweimaster 1951 als Geschenk zum 75. Geburtstag des damaligen DDR-Staatspräsidenten Wilhelm Pieck. Vorausgegangen ist ein entsprechender Aufruf an die Werktätigen der DDR, dem Präsidenten Geschenke zu übergeben. Eine Initiative von Werftarbeitern in Warnemünde und Stralsund baut dem Präsidenten daraufhin mit Spenden aus der Bevölkerung von mehr als einer Million DDR-Mark eine Yacht.

Am 26. Mai 1951 läuft der erste Stahl-Schiffneubau der DDR vom Stapel. Der Zweimaster wird auf den Namen "Wilhelm Pieck" getauft. Der Staatspräsident übergibt das Schiff offiziell der DDR-Jugend, auf dass "gut ausgebildete und qualifizierte Seeleute (...) durch ihr fachliches Können zeigen, dass in der DDR eine neue Jugend herangewachsen ist, (...) die durchdrungen ist vom Geiste des Friedens und der Völkerverständigung". 1954 geht das Schiff an die "Gesellschaft für Sport und Technik" über, einer vormilitärischen Jugendorganisation und wechselt von Rostock-Warnemünde in seinen neuen Heimathafen Greifswald-Wieck.

Die "Wilhelm Pieck" ist als Segelschulschiff hauptsächlich auf der Ostsee unterwegs und steuert Häfen in Polen und der UdSSR an. Die längste Reise führt das Schiff 1957 über Nord-Ostsee-Kanal, Ärmelkanal und Biskaya bis ins Mittelmeer und weiter bis nach Odessa am Schwarzen Meer.

"Das Schiff bliwt hier"

Schiffsdaten der "Greif"

Baujahr: 1951
Schiffstyp: Schonerbrigg
Gesamtlänge: 41 Meter
Breite: 7,60 Meter
Großmasthöhe: 27,20 Meter
Tiefgang: 3,60 Meter
Nation: Deutschland
Heimathafen: Greifswald-Wieck
Eigner: Hansestadt Greifswald

Nach der Wende will die Treuhandanstalt die "Wilhelm Pieck" im Jahr 1990 verkaufen. Unter dem Motto "Das Schiff bliwt hier" erreicht eine Initiative der Stadt Greifswald, dass die Treuhand das Schulschiff der Hansestadt für den symbolischen Kaufpreis von einer Mark übergibt. Das Schiff wird in "Greif" umbenannt und gründlich modernisiert. Seither kreuzt es wieder regelmäßig über die Ostsee. Anders als zu DDR-Zeiten darf jeder mitsegeln - und auch Zielhäfen in Dänemark und Schweden stehen im Törnplan. Doch Anfang 2020 stellt sich heraus, dass Rost der "Greif" schwer zugesetzt hat. Die Stahlplatten am Rumpf sind nur noch wenige Millimeter dick, das Schiff damit nicht mehr seetauglich. Im Hafen von Greifswald-Wieck kann die "Greif" besichtigt werden, darf aber nicht mehr mit Passagieren ablegen.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 22.06.2020 | 19:30 Uhr

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