Gedenkstein am ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen mit der Aufschrift "Bergen-Belsen 1940 bis 1945" © Stiftung niedersächsische Gedenkstätten/Gedenkstätte Bergen-Belsen

Gedenkstätte Bergen-Belsen: Erinnerung und Mahnung

Stand: 18.12.2014 10:20 Uhr

In Bergen-Belsen in der Heide starben Zehntausende Menschen, darunter Anne Frank. Seit 1952 erinnert in dem damaligen Konzentrationslager eine Gedenkstätte an die Opfer.

Mitten in der Lüneburger Heide wurde während der NS-Zeit ein erschreckendes Kapitel deutscher Geschichte geschrieben - im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Seit 1952 hält die Gedenkstätte Bergen-Belsen die Erinnerung an diese dunkle Zeit wach. Etwa 300.000 Menschen besuchen das ehemalige Konzentrationslager jährlich. Die Ausstellung erinnert an das Leiden der Inhaftierten und die Opfer. Etwa 52.000 KZ-Häftlinge und mehr als 20.000 Kriegsgefangene kamen in Bergen-Belsen in den Jahren 1940 bis 1945 ums Leben.

Gedenkstätte auf 55 Hektar Fläche

Gedenkstein in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
Ein Gedenkstein erinnert an die Opfer des Konzentrationslagers.

Die Gedenkstätte umfasst das gesamte Gelände des damaligen Lagers, insgesamt etwa 55 Hektar Fläche. Obwohl sich Überlebende dagegen ausgesprochen hatten, die Spuren zu beseitigen, blieben von den Gebäuden nur noch einige Fundamente erhalten. Zwei Drittel der ehemaligen Lagerfläche sind heute parkartige Heidelandschaft. Schneisen in Wald und Heide zeichnen das frühere Lager nach. Mittelpunkt der Gedenkstätte ist ein modernes, 2007 eröffnetes Dokumentationszentrum, das außerhalb des ehemaligen Lagers unmittelbar an dessen Grenze errichtet wurde.

Dokumente in Text und Bild

Außenansicht des Dokumentationszentrums der Gedenkstätte Bergen-Belsen © Stiftung niedersächsische Gedenkstätten Foto: Bernd Horstmann
Das fast 200 Meter lange Dokumentationszentrum der Gedenkstätte wurde 2007 eröffnet.

Besucher können sich auf verschiedene Weise vor Ort über die Geschichte des Lagers und des NS-Verfolgungssystems informieren: Eine Dauerausstellung über Bergen-Belsen und regelmäßige Sonderausstellungen setzen sich mit der nationalsozialistischen Verfolgung auseinander. Zusätzlich können Besucher in den Medienräumen verschiedene Filme zum Themenkomplex sehen, darunter Augenzeugen-Berichte und historische Aufnahmen. Der Film "Bergen-Belsen zum Beispiel" dokumentiert die Lage im KZ vor und nach der Befreiung durch die britischen Truppen am 15. April 1945. Kindern unter 14 Jahren wird alternativ ein Dokumentarfilm über Anne Frank empfohlen. Hinzu kommen Mediastationen, über die Zeitzeugen zu den Besuchern sprechen. Die Gedenkstätte hat 340 Interviews aufgezeichnet und aus ihnen Filme zusammengestellt, die die persönlichen Erinnerungen an das Lager widerspiegeln.

Anne Frank gehörte zu den Opfern

Undatiertes Bild von Anne Frank. © picture-alliance / dpa
Anne Frank starb im März 1945 in Bergen-Belsen.

Eines der Opfer von Bergen-Belsen war die 15-jährige Anne Frank. Sie und ihre Familie wurden im August 1944 in einem Versteck in Amsterdam entdeckt und nach Bergen-Belsen deportiert. Nach dem Krieg wurde ihr Tagebuch veröffentlicht, das sie in ihrem Versteck geschrieben hatte. Dieses historische Dokument sorgte weltweit für Erschütterung.

Führungen und eine Bibliothek

Bei Führungen über das Gelände können Besucher mehr über die Geschichte des Lagers und der Opfer erfahren. Der pädagogische Dienst bietet außerdem im Rahmen von Studientagen spezielle Weiterbildungen für Schüler, Studenten oder Teilnehmer der Erwachsenenbildung an. In einer Bibliothek stehen rund 8.000 Bücher und Dokumente zu den Themen Nationalsozialismus und Holocaust.

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Bergen-Belsen war zunächst ein Arbeitslager für hauptsächlich russische Kriegsgefangene. Ab 1943 sollte es ein "Aufenthaltslager" für Juden werden, die für Gefangenenaustausche festgehalten werden sollten. Doch ab März 1944 war es ein Konzentrationslager wie Dachau oder Neuengamme. Immer mehr Menschen wurden während des Krieges in diesem Lager untergebracht. KZ-Arbeiter aus frontnahen Lagern wie Sachsenhausen wurden in Bergen-Belsen interniert. Im Dezember 1944 lebten 15.257 Menschen in dem überfüllten Lager. Tausende Menschen starben wegen der katastrophalen hygienischen Zustände, an Unterernährung oder sich schnell verbreitenden Krankheiten - allein in den Monaten Januar bis April 1945 waren es 35.000. Nach der Befreiung des Lagers wurden die Toten auf dem Gelände begraben und die meisten Baracken niedergebrannt. Trotz der Befreiung überlebten weitere 14.000 Menschen die folgenden Monate nicht.

Erste KZ-Gedenkstätte bundesweit

Jüdisches Denkmal, Obelisk und Inschriftenwand im Freigelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen © Stiftung niedersächsische Gedenkstätten Foto: Juliane Hummel
Jüdisches Denkmal (l.), Obelisk und Inschriftenwand gehören zu den Mahnmalen im Freigelände der Gedenkstätte.

Die britische Militärregierung ordnete im Oktober 1945 die Errichtung eines Mahnmals und die Pflege der Grabstätten in Bergen-Belsen an. Die offizielle Einweihung fand im April 1946 statt, es folgten weitere Mahnmale. Am 30. November 1952 wurde die Gedenkstätte Bergen-Belsen eingeweiht - als erste ihrer Art bundesweit. 1966 eröffnete das Dokumentenhaus mit einer Ausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers. In den folgenden Jahren geriet die Gedenkstätte zunehmend in Vergessenheit. Erst 1985 beschloss der niedersächsische Landtag, das Gelände und eine Ausstellung neu zu gestalten. Die Wiedereröffnung erfolgte 1990.

Gedenkstätte Bergen-Belsen

Anne-Frank-Platz, 29303 Lohheide
Tel. (05051) 475 90

Öffnungszeiten des Dokumentationszentrums
April bis September: 10 - 18 Uhr
Oktober bis März: 10 - 17 Uhr
Eintritt frei
Das Außengelände und der Friedhof können jederzeit besucht werden.

Führungen
öffentliche Führungen von April bis Mitte Oktober
Führungen für Gruppen ab zehn Personen nach Vereinbarung, Tel. (05051) 47 59-112

Karte: Gedenkstätte Bergen-Belsen

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