Der deutsche Schauspieler Dieter Pfaff, aufgenommen anlässlich der Dreharbeiten zu der ARD-Fernsehserie "Knastmusik" im September 1991. © picture-alliance Foto: Ursula Düren

Dieter Pfaff - Starker Charakter mit Mut zur Schwäche

Stand: 02.10.2022 23:59 Uhr

Nicht nur wegen seiner Statur gehörte Dieter Pfaff zu den Schwergewichten in Film und Fernsehen. Seine Rollen wurden dem Wahl-Hamburger förmlich auf den Leib geschrieben. Am 2. Oktober 2022 wäre der Schauspieler 75 geworden.

Genauso wenig wie seine Rollen einfach waren, ist auch Dieter Pfaffs Weg als Schauspieler leicht gewesen. Geboren am 2. Oktober 1947 in Dortmund, möchte er schon als Kind den Beruf des Mimen ergreifen, kommt aber erst über Umwege zur Schauspielerei.

Dieter Pfaff entscheidet sich gegen einen sicheren Beruf

Nach dem Abitur studiert er zunächst Geschichte und Germanistik auf Lehramt, bricht dann ab und bekommt als 22-Jähriger ein Engagement als Regieassistent am Theater seiner Geburtsstadt. Nach Wanderjahren an diversen Bühnen als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur erhält er 1983 eine Professur für Schauspiel an der Hochschule in Graz. Doch der zweifache Familienvater entscheidet sich schließlich gegen die sichere Beamtenlaufbahn. Seiner Frau sagt er: "Wenn ich nicht Schauspieler werde, dann sterbe ich". Nach sieben Jahren hängt er die Professur an den Nagel.

Als Schauspieler zunächst abonniert auf Nebenrollen

Schon während seiner Lehrtätigkeit ist Dieter Pfaff in diversen Filmrollen zu sehen. Zunächst ist er auf die Figur des "komischen Dicken" festgelegt. 1984 debütiert er im Fernsehen in der ARD-Krimiserie "Der Fahnder", die ihm zu einem ersten Durchbruch verhilft. In der Rolle des Polizisten Otto Schatzschneider, der seinen Kollegen stets ein Schnäppchen aufschwatzen will, erreicht Pfaff Kultstatus. Trotzdem reüssiert er zunächst weiterhin nur in Nebenrollen - zum Beispiel als Kriminaloberrat Vollmer in der Krimi-Komödie "Balko", die 1996 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wird. Vergeblich wartet Pfaff darauf, entdeckt zu werden. In der Branche heißt es, er sei ein prima Schauspieler, könne aber keine Hauptrollen spielen.

Erste Hauptrolle in der Krimi-Reihe "Sperling"

Maximilian Pfaff und Dieter Pfaff in "Sperling und das letzte Tabu" (BRD 2000) © picture-alliance
Wenn der Vater mit dem Sohn: In "Sperling und das letzte Tabu" stehen Maximilian und Dieter Pfaff im Jahr 2000 gemeinsam vor der Kamera.

Schließlich feilt Dieter Pfaff selbst an seiner Karriere: Nach der sehr erfolgreichen Serie "Bruder Esel", die Pfaff mitentwickelt hat, entsteht in Zusammenarbeit mit Regisseur Dominik Graf und Autor Rolf Basedow der "Sperling". Zum ersten Mal spielt er den feinfühlig ermittelnden Berliner Kommissar, der keine Waffe bei sich trägt, mit fast 50. Von 1996 bis 2007 ist er 18 Mal in dieser Rolle zu sehen, die beim Publikum und bei den Kritikern gleichermaßen gut ankommt. Als Belohnung gibt es für den Charakterdarsteller 1997 den renommierten Grimme-Preis.

Mut machende Märchen für Erwachsene erzählen

In seinen Rollen verarbeitet Pfaff eigene Träume, Albträume und Lebensvorstellungen. So entsteht aus seinem Berufswunsch Therapeut die Idee zu "Bloch". 2002 spielt er zum ersten Mal den Psychotherapeuten Maximilian Bloch. Wie so oft in seinen Rollen stößt der Schauspieler auch hier an Grenzen - etwa wenn er mit seinen eigenen Schwächen konfrontiert wird oder mit seelischen Verletzungen kämpft. Trotz allem will Pfaff "Mut machende Geschichten, Märchen für Erwachsene" erzählen. Wichtig für ihn: "Sie müssen realistisch sein."

"Der Dicke" - Dieter Pfaff als Mann der leisen Töne

Gregor Ehrenberg (Dieter Pfaff, l.) eilt mit einem Blumenstrauß zu Yasmin (Sophie Dal, r.) ins Krankenhaus. Endlich versteht er, warum seine Assistentin in letzter Zeit so anders war - Yasmin ist schwanger. © ARD Foto: Georges Pauly
Als Kiez-Anwalt Gregor Ehrenberg hat Dieter Pfaff immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Probleme seiner Angestellten und Klienten.

Genauso einfühlsam und mit dem Herz am rechten Fleck wie sein Charakter Bloch ist auch der des Gregor Ehrenberg in "Der Dicke". Die Serie entsteht unter Federführung des NDR. "Das ist einer, der sich selbst nicht so wichtig nimmt und gerade deshalb eine besondere Kraft entfaltet, anderen zu helfen", sagte Pfaff über seine Rolle als Hamburger Kiez-Anwalt. Mit seinen Figuren verbindet der Schauspieler eine Seelenverwandtschaft, auch weil man sie zu einem Teil seiner selbst mache, sagt Pfaff. Alles in allem ist er als Protagonist in seinen Rollen ein Mann der leisen Töne - und das mit Erfolg.

Er empfinde es als Glück, dass ihm die Gabe geschenkt wurde, mit seinen Geschichten zu berühren - ebenso wie seine Familie, sagte Dieter Pfaff im April 2012 in der NDR Talk Show. Beide Kinder leben damals mit ihren Partnern und Kindern im gemeinsamen Haus in Hamburg, weil sie es so wollen.

Das Publikum schätzt Pfaffs Treue und Ehrlichkeit

Das Glück des Mehrgenerationen-Hauses währt nicht lange - im selben Jahr erkrankt Dieter Pfaff an Lungenkrebs. Der Schauspieler muss sich einer Chemotherapie unterziehen, kann nicht mehr vor der Kamera stehen. Die Dreharbeiten für die fünfte Staffel von "Der Dicke" muss er abbrechen und sich abermals in einer Lungenklinik behandeln lassen. Herbert Knaup springt zunächst für ihn ein. Im Februar glaubt Dieter Pfaff, der Krebs sei überwunden. Doch den angekündigten Neuanfang der Dreharbeiten schafft der Schauspieler nicht mehr. Nur ein halbes Jahr nach der Diagnose - am 5. März 2013 - stirbt Dieter Pfaff im Kreise seiner Familie.

Einen Monat später, am 5. April, nehmen Familie, Freunde und viele prominente Kollegen im Hamburger Michel Abschied von Dieter Pfaff. Hauptpastor Manfred Röder würdigt den Verstorbenen als einen "wahren Familienmenschen", dem Treue, Respekt und Ehrlichkeit Werte gewesen seien, die er lebte. Dafür habe ihn sein Publikum geschätzt und geliebt.

Schauspieler Dieter Pfaff © NDR/Uwe Ernst Foto: Uwe Ernst
AUDIO: Zum Tode von Dieter Pfaff: Ein Interview mit dem Schauspieler (30 Min)
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Der Dicke | 05.08.2020 | 23:50 Uhr

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