Sendedatum: 04.11.2014 18:45 Uhr  | Archiv

Die Mütter vom DRK

von Ilka Kreutzträger
DDR-Übersiedler steigen in Busse um zu einer zentraler Aufnahmestelle gebracht zu werden. © picture-alliance/ dpa Foto: Kai-Uwe Wärner
Mit Bussen ging es für viele DDR-Übersiedler zunächst in eine zentrale Aufnahmestelle.

Am 28. August ist das kleine, verschachtelte Einraumbüro des Deutschen Roten Kreuzes Neumünster seit fünf Tagen offiziell die zentrale Anlaufstelle Schleswig-Holsteins für Übersiedler aus der DDR. Einer der ersten Flüchtlinge, der in der ehemaligen Gaststätte im Schleusberg 22 ankam, war Peter. Er schwamm durch die Donau in die Freiheit und reiste weiter nach Schleswig-Holstein. An ihn erinnern sich Petra Markowski-Bachmann und ihre Kollegin Mona Rödler noch ganz genau. "Peter war vielleicht 18, 19 Jahre alt", erzählt Markowski-Bachmann, die seit 28 Jahren für das DRK Asylbewerber betreut. "Er sah sehr mitgekommen aus, hatte etwas ramponierte Kleidung und kriegte erstmal einen Kaffee als er an diesem heißen Samstagvormittag plötzlich bei uns im Büro stand."

Markowski-Bachmann sitzt in einem knöchellangen, ockerfarbenen Kleid im heutigen Büro des DRK auf einem ehemaligen Kasernengelände in Neumünster, nimmt sich eine Cola vom runden Tisch und öffnet sie mit einem leisen Plopp. "Eine unserer Kolleginnen hatte dann gleich ihren Mutterinstinkt entdeckt und sagte zu Peter, 'Ich fahr mal eben nach Hause, ich hab da von meinem Sohn noch Kleidung, würde dich das stören?'" Es störte ihn nicht. "Und dann fuhr sie nach Hause, hat erstmal gebügelt, kam dann wieder, damit der Jung sich umziehen konnte."

Einer von 13.000

Peter war einer von 13.000 Flüchtlingen, die vom DRK Neumünster aufgenommen wurden. Rödel und Markowski-Bachmann gehörten von Anfang an zu der schließlich achtköpfigen Stammbesetzung, die ab Ende August zentral für das Land Schleswig-Holstein Flüchtlinge aus der DDR registrierte, ihnen das Begrüßungsgeld von 100 Mark auszahlte, Schlafplätze in Jugendherbergen, Privatwohnungen, Kasernen oder Ferienwohnungen besorgte oder einfach nur ein offenes Ohr für sie hatte. Aufgaben, die eigentlich Sache des Landes waren.

Aber als im Juli 1989 die ersten Flüchtlinge aus der DDR kamen, wandte sich das Sozialministerium in Kiel an das DRK Neumünster, das seinerzeit die städtischen Asylbewerber betreute sowie eine Kleiderkammer und verschiedene Gemeinschaftsunterkünfte unterhielt. "Im Juli war es eher so, dass das Sozialministerium anrief und sagte, wir haben da ein, zwei Übersiedler, die müssten jetzt mal aufgenommen und registriert werden, könntet ihr das vielleicht mal machen, wir wissen im Moment nicht, wer das sonst machen sollte", erinnert sich Markowski-Bachmann. "Und da wir immer gern bereit waren, Flüchtlingen zu helfen, haben wir gesagt, ja, schickt sie vorbei."

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DAS! | 04.11.2014 | 18:45 Uhr

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