Das NWDR-Funkhaus an der Rothenbaumchaussee in Hamburg 1949 © NDR

Kriegsende 1945: Von Radio Hamburg zum NWDR

Stand: 21.09.2020 16:54 Uhr

Zum Kriegsende übernehmen die Briten die Aufsicht über die Hamburger Medien. Nach 23 Stunden Sendepause geht der einstige Reichssender Hamburg als Radio Hamburg wieder auf Sendung. Am 22. September 1945 wird daraus der NWDR. Er macht Programm für die ganze britische Besatzungszone.

3. Mai 1945. Am Abend wird Hamburg an die Briten übergeben. Kampflos. Der Krieg ist für die Hansestadt zu Ende. Das unzerstört gebliebene Funkhaus in der Rothenbaumchaussee fällt in die Hände der alliierten Siegermacht. An der Rothenbaumchaussee, unweit der Außenalster, ist der Ort, wo die Kapitulation Hamburgs verkündet wird, beim Reichssender Hamburg. "Die letzte Sendung machten wir von Hamburg aus also um 13 Uhr. Und zwar war das ein Aufruf des damaligen Staatsrats Ahrens, der die Hamburger Bevölkerung aufforderte, ruhig und besonnen dem entgegenzusehen, was kommen sollte. Das war um 13 Uhr die letzte Sendung und wurde abgeschlossen mit dem Deutschlandlied". So erinnert sich 20 Jahre später der Rundfunktechniker Walter Richter, der am 3. Mai 1945 an der Rothenbaumchaussee Dienst hatte.

Hamburg kapituliert: Das britische Militär rückt an

Fast alle Angestellten und Techniker sind am Tag der Kapitulation Hamburgs hier versammelt: "Etwa acht Uhr abends wurden wir aus dem Postamt angerufen, die Besetzung stünde unmittelbar bevor. Um 20.26 Uhr setzte der Strom aus. 21.20 Uhr rückte britisches Militär an, ungefähr 200 Mann, und übernahm das Haus", sagt Richter. "Die meisten von uns wurden heimgeschickt unter Begleitung, denn man durfte die Straßen ja nicht betreten. Zehn oder zwölf Techniker blieben und begannen unter britischer Aufsicht sofort mit der Vorbereitung zu neuer Arbeit. Wir schliefen in den Studios und in den Büroräumen. Übrigens machten das ein paar britische Offiziere genauso. Der große Sendesaal sah aus wie ein Heerlager. In den Gängen patrouillierten Posten mit Maschinengewehren."

Kriegsende: Nicht mal 24 Stunden Sendepause

Britische Soldaten 1945 vor dem NWDR-Gebäude in Hamburg. © Hamburger Staatsarchiv
Britische Soldaten 1945 vor dem NWDR-Gebäude in Hamburg.

Nur 23 Stunden wird nicht aus der Rothenbaumchaussee gesendet. Bereits am 4. Mai, nur einen Tag nach der Kapitulation, wird wieder Radio gemacht, jetzt allerdings unter britischer Aufsicht: "This is Radio Hamburg. A Station of the Allied Military Government. Hier spricht Hamburg. Ein Sender der alliierten Militärregierung", schallt es aus den Radiogeräten. Der bekannte britische Kriegsberichterstatter Warren Thomas sendet ebenfalls am 4. Mai über und aus Hamburg. Auf englisch erzählt er von leeren Straßen, den britischen Tommys und der Stille in der Stadt.

Das Programm von Radio Hamburg setzt vor allem auf Informationen, erinnerte sich später Uwe Storjohann: "Und dann haben sie natürlich so Verordnungen, das ging den ganzen Tag. Was man darf, was man nicht darf. Und dann kam aber die erste Musik. Und die erste Schallplatte, die gespielt wurde."

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Ziviler Ungehorsam im Radio

Aber es gibt auch Nachrichten, die eher zu zivilem Ungehorsam als zur Ordnung aufrufen, berichtete Jahrzehnte später der damalige Redakteur Axel Eggebrecht: "Die Kohlenzüge aus dem Ruhrgebiet wurden von uns sträflicherweise ungefähr so angekündigt, wie ein, zwei Winter vorher die Bomberverbände, wenn sie einflogen. Wir gaben also zum Beispiel bekannt: Ein Kohlenzug steht jetzt bei Buchholz in der Heide, ein anderer befindet sich bereits im Anrollen auf die Elbbrücken. Und dann begab sich ein Teil der frierenden Bevölkerung an die Kurven der durch die Stadt führenden Eisenbahnline. Einige junge Leute enterten auf, warfen die Briketts runter und zumindest einige Tausend Leute hatten wieder ein bisschen Heizung."

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Aus dem britischen Radio Hamburg wird am 22. September 1945 der Nordwestdeutsche Rundfunk, die gemeinsame Rundfunkanstalt für die gesamte britische Besatzungszone, unter der Leitung des Briten Hugh Greene. "Es ist die britische Absicht, eine unabhängige Rundfunkorganisation auf fester Grundlage aufzubauen, die allen Hörern dienen wird und sich seiner Verantwortung allen Hörern gegenüber und nicht nur irgendeiner Gruppe bewusst ist", sagte Greene damals. Vorbild war die britische BBC. Die künftigen Mitarbeiter stellte sich Green so vor: Wir wollten keine Leute, die wir erst umerziehen mussten, sondern schon Anti-Nazis, demokratisch denkende Leute. Gut ein Jahrzehnt nach Kriegsende schließlich teilt sich der NWDR: in den Westdeutschen und den Norddeutschen Rundfunk.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Hamburger Hafenkonzert | 03.05.2020 | 06:00 Uhr

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