Stand: 04.02.2011 14:46 Uhr  | Archiv

Ein Papst in Hamburg: Benedikt V.

Kaum jemand weiß, dass in Hamburg ein echter Papst lebte. Sein Pontifikat dauerte 964 nur vier Wochen.

Der Weg der Verbannung führte in die Hansestadt

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Als Papst abgesetzt und nach Hamburg verbannt: Benedikt V.

Benedikt wurde am 25. Mai 964 zum Papst gewählt. Er galt als außerordentlich gebildeter Papst. Er trug den Beinamen "Grammaticus". Sein Vorgänger Johannes XII. wurde schon mit 16 Jahren Papst. Es hieß, er hätte den Vatikan zu einem Bordell gemacht, und wurde von einem gehörnten Ehemann ermordet. Daraufhin macht Otto I. Leo VIII. zum neuen Papst. Doch dass lassen sich die Römer nicht bieten: Sie ernennen Benedikt zum Oberhaupt der katholischen Kirche. Daraufhin lässt der Kaiser Rom belagern. Die von Hungersnot bedrohten Römer übergeben daraufhin Benedikt am 23. Juni an Kaiser Otto I. Als Usurpator und Eidbrüchiger angeklagt, verzichtete Benedikt auf Verteidigung und bekannte sich schuldig. Er wurde offiziell als abgesetzt erklärt, zum Diakon degradiert und der Aufsicht des sich ebenfalls in Rom befindlichen Hamburger Erzbischofs Aldag unterstellt. Das schlimmste für Benedikt war wohl die Verbannung in die Provinz nach Hamburg. Als Gefangener des Kaisers wurde er von Adaldag nach Hamburg mitgenommen. Der Erzbischof ging mit Benedikt respektvoll um. Doch dieser konnte sich an die neue Heimat nicht gewöhnen.

Ein, nach manchen Quellen knapp zwei Jahren hielt es Benedikt V. im kalten Norden aus: Er starb 965 (oder 966) in Hamburg. Begraben wurde er im Mariendom, bis er im Jahr 999 von Otto III. nach Rom überführt wurde. Ein Fragment seiner Grabplatte wurde von Archäologen bei Ausgrabungen am Hamburger Domplatz gefunden. Benedikt V. gilt aber bis heute als rechtmäßiger Papst.

Hamburg im 10. Jahrhundert

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Im 11. Jahrhundert wurde ein steinerner Mariendom errichtet, der vielfach verändert und erweitert wurde.

Hamburg ein Außenposten der Missionsanstrengungen: 831 begründete Ludwig der Fromme in der Hammaburg ein Bistum, das 832 durch Papst Gregor IV. zu einem Erzbistum erhoben wurde. 845 zerstörten die Wikinger die Hammaburg. Der Hauptsitz des Erzbistums musste nach Bremen verlegt werden. Die kaum zerstörte Siedlung wurde 915 von Slawen in Schutt und Asche gelegt. Mitte des 10. Jahrhundert hat Hamburg von den Zerstörungen erholt. Jetzt leben hier ein paar hundert Einwohner. Alle Gebäude sind aus Holz, aufgrund des sumpfigen Bodens mit Pfählen im Boden verankert. Auch der Mariendom war aus Holz gebaut, umgeben von Erde und Schmutz. Politisch und kulturell war Papst Benedikt V. in Hamburg isoliert.

Mächtiger Herrscher im Hintergrund: Otto I.

Otto I. (912-973) war ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches (regnum francorum orientalium), ab 951 König von Italien und ab 962 römisch-deutscher Kaiser. 961 rief Papst Johannes XII. ihn zu Hilfe. Otto ging nach Italien, ließ sich vom Papst zum Kaiser krönen und erneuerte die Schutzherrschaft über das Papsttum in bewusster Anknüpfung an die Politik Karls des Großen. Als Johannes sein Bündnis mit Otto widerrief setzte der Leo VIII. als Papst ein. Als nach dem Tod Johannes die Römer Benedikt V. zum Papst machten, setzte Otto seinen Papst Leo VII. mit Gewalt durch - und verbannte Johannes V. nach Hamburg.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 13.02.2011 | 18:45 Uhr

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