Papst Benedikt V. © picture-alliance / akg-images

Ein Papst in Hamburg: Benedikt V.

Stand: 01.06.2023 16:15 Uhr

Kaum jemand weiß, dass in Hamburg ein echter Papst gelebt hat. Sein Pontifikat dauerte im Jahr 964 nur vier Wochen. Aus machtpolitischen Gründen wurde er verbannt und kam von Rom in die Hansestadt.

Benedikt wurde am 25. Mai 964 zum Papst gewählt. Er galt als außerordentlich gebildeter Papst. Er trug den Beinamen "Grammaticus". Doch seine Wahl hat eine pikante Vorgeschichte: Sein Vorgänger Johannes XII. war schon mit 16 Jahren Papst geworden. Es hieß, er habe den Vatikan zu einem Bordell gemacht. Wegen eines unmoralischen Lebenswandels wurde er abgesetzt. Ein Gerücht besagt, er sei von einem gehörnten Ehemann ermordet worden. Eine andere Quelle berichtet von einem Schlaganfall während eines Ehebruchs.

Der Weg der Verbannung führt in die Hansestadt

Neuer Papst wurde Leo VII. - und zwar festgelegt vom römisch-deutschen Kaiser Otto I. Doch das ließen sich die Römer nicht bieten: Sie ernannten wiederum Benedikt zum Oberhaupt der katholischen Kirche. Daraufhin ließ der Kaiser Rom belagern. Die von Hungersnot bedrohten Römer übergaben daraufhin Benedikt am 23. Juni an Otto I. Als Usurpator - jemand, der widerrechtlich von etwas Besitz ergreift - und Eidbrüchiger angeklagt, verzichtete Benedikt auf Verteidigung und bekannte sich schuldig. Er wurde offiziell als abgesetzt erklärt, zum Diakon degradiert und der Aufsicht des sich ebenfalls in Rom befindlichen Hamburger Erzbischofs Adaldag unterstellt. Das Schlimmste für Benedikt war wohl die Verbannung in die Provinz nach Hamburg. Als Gefangener des Kaisers wurde er von Adaldag in die Hansestadt mitgenommen. Politisch und kulturell war Papst Benedikt V. in Hamburg isoliert. Der Erzbischof behandelte Benedikt mit Respekt. Doch dieser konnte sich an die neue Heimat nicht gewöhnen. Vor allem das nordische Klima behagte ihm nicht.

Ein oder auch knapp zwei Jahre - je nach Quelle - hielt es Benedikt V. im kalten Norden aus: Er starb 965 (oder 966) in Hamburg. Begraben wurde er im Mariendom, bis sein Leichnam im Jahr 999 von Otto III. nach Rom überführt wurde. Ein Fragment seiner Grabplatte wurde von Archäologen bei Ausgrabungen am Hamburger Domplatz gefunden. Benedikt V. gilt aber bis heute als rechtmäßiger Papst.

Hamburg erholt sich im 10. Jahrhundert von Zerstörungen

Außenansicht von St. Marien in Hamburg-St. Georg nach der Sanierung 2007/2008 © dpa Foto: Ulrich Perrey
Der jetzige Mariendom im Hamburger Stadtteil St. Georg wurde 1893 erbaut. Hier ist er nach Sanierungen 2008 zu sehen.

Hamburg war ein Außenposten der Missionsanstrengungen: 831 begründete Ludwig der Fromme in der Hammaburg ein Bistum, das 832 durch Papst Gregor IV. zu einem Erzbistum erhoben wurde. 845 zerstörten die Wikinger die Hammaburg. Der Hauptsitz des Erzbistums musste nach Bremen verlegt werden. Die kaum zerstörte Siedlung wurde 915 von Slawen in Schutt und Asche gelegt. Mitte des 10. Jahrhundert hatte sich Hamburg von den Zerstörungen erholt. Es lebten dort ein paar Hundert Einwohner. Alle Gebäude waren aus Holz, aufgrund des sumpfigen Bodens mit Pfählen im Boden verankert. Auch der erste Mariendom war aus Holz. Zweimal wurde die Kirche zerstört und wieder aufgebaut - von 1035 bis 1043 erstmals in Stein. Es fanden mehrere Umbauten und Erweiterungen statt. Die historische Domkirche wurde zwischen 1804 und 1806 abgerissen. Sie stand auf dem heutigen Domplatz. 1893 wurde in Hamburg-St. Georg der neuromanische neue Mariendom fertiggestellt.

Mächtiger Herrscher im Hintergrund: Otto I.

Otto I. (912-973) war ab 936 Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches (regnum francorum orientalium), ab 951 König von Italien und ab 962 römisch-deutscher Kaiser. 961 rief Papst Johannes XII. ihn zu Hilfe. Otto ging nach Italien, ließ sich vom Papst zum Kaiser krönen und erneuerte die Schutzherrschaft über das Papsttum in bewusster Anknüpfung an die Politik Karls des Großen.

Dieses Thema im Programm:

DAS! | 13.02.2011 | 18:45 Uhr

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