Stand: 23.10.2013 17:28 Uhr  | Archiv

Der langsame Untergang der "Pallas"

Erst nach vier Wochen konnte der Brand auf dem havarierten Holzfrachter "Pallas" gelöscht werden. Rund zweieinhalb Monate dauerte die Bergung des Öls von dem Schiff. Die Havarie löste nach Einschätzung des World Wide Fund For Nature (WWF) die bisher größte Ölpest im schleswig-holsteinischen Wattenmeer aus.

20.10.1998
Der italienische Holzfrachter "Pallas" verlässt - beladen mit Schnittholz - bei unruhiger See den schwedischen Hafen Hudiksvall nördlich von Stockholm.

Karte mit den letzten Stationen des Unglücksfrachters Pallas © NDR/Kartengrundlage Open Street Map, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/
Die letzte Reise des Frachters "Pallas": Brandausbruch und Rettungsaktionen.

25.10.1998
Der Kapitän bemerkt Rauchschwaden an Bord seines Frachters. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich die "Pallas" in dänischen Hoheitsgewässern nördlich von Esbjerg. Der Kapitän verständigt die Küstenwache und Seenotrettung in Arhus. Für kurze Zeit bringt die Mannschaft das Feuer unter Kontrolle, kurz vor Mitternacht bricht es erneut aus.

26.10.1998
Eine dramatische Rettungsaktion auf See beginnt. Ein deutscher und ein dänischer Marinehubschrauber ziehen die Besatzung in der Nacht aus der stürmischen See. Bis auf einen Seemann kann die Mannschaft gerettet werden. Die "Pallas" treibt führerlos in deutsche Gewässer. Die Zuständigkeit liegt jetzt beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Cuxhaven, das die gemeinsame Einsatzleitgruppe des Bundes und der Küstenländer informiert. Die bundeseigenen Mehrzweckschiffe "Mellum" und "Neuwerk" machen sich auf den Weg zum Havaristen, später auch der gecharterte Hochseeschlepper Oceanic. Die Mehrzweckschiffe brauchen acht bis neun Stunden, bis sie vor Ort sind. Erst gegen 20 Uhr gelingt es der "Mellum" eine Schleppverbindung zur "Pallas" herzustellen.

27.10.1998
Auf dem Weg in Richtung Cuxhaven reißt am Mittag die Schleppverbindung. Das Schiff droht vor Amrum zu stranden.

28.10.1998
Am Nachmittag kann die Besatzung der "Mellum" erneut eine Schleppverbindung zur "Pallas" herstellen, die kurze Zeit später aber wieder reißt. Kurzzeitig verhindern die Helfer das Abdriften des Frachters.

29.10.1998
In der Nacht läuft die "Pallas" auf sechs Metern Wassertiefe vor Amrum auf Grund.

01.11.1998
Die "Pallas" verliert Öl. Sperren sind aufgrund der Wellenhöhe zwecklos. Experten vermuten 600 Tonnen Schweröl und 150 Kubikmeter Dieselbrennstoff in den Tanks des Frachters. Wegen des stürmischen Wetters ist eine Bergung in den nächsten Tagen nicht möglich.

06.11.1998
Schlepper versuchen, die "Pallas" in tieferes Wasser zu ziehen, doch der Frachter bricht auseinander. Die Hitze durch den lang andauernden Brand hat den Stahl weich werden lassen. Für eine Bergung besteht jetzt keine Chance mehr. Die italienische Reederei erklärt das Schiff zum Wrack.

09.11.1998
Es tritt weiterhin Öl aus der "Pallas" aus. Die Folge: verschmutzte Küsten und 15.000 tote Seevögel bis zu diesem Zeitpunkt.

11.11.1998
Aus Rotterdam wird die Hubinsel "Barbara" zur Bergung des Öls angefordert.

13.11.1998
Die Einsatzkräfte fluten die ersten Laderäume des Frachters, um die Brandherde zu löschen. Bis zum 22. November löscht eine niederländische Firma den Brand. Da es ihr nicht gelingt, das Öl komplett abzupumpen, dichten die Spezialisten das Wrack mit einer Mischung aus Zement und Ton ab.

21.12.1998
Der schleswig-holsteinische Landtag setzt einen Untersuchungsausschuss zur Klärung der Havarie ein.

10.01.1999
Die Bergung des Öls auf der "Pallas" durch die niederländische Bergungsfirma ist abgeschlossen.

30.08.1999
Die Sicherungsarbeiten am Wrack der "Pallas" sind beendet. Spezialisten haben die Aufbauten abgeschweißt und den Schiffsrumpf mit etwa 5.000 Kubikmetern Spezialzement und rund 13.000 Kubikmetern Sand gefüllt. Das Wrack kann jetzt im Schlick der Nordsee versinken.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.10.2013 | 19:30 Uhr

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