Stand: 27.06.2016 19:57 Uhr  | Archiv

Kleine Münzen mit großer Bedeutung

von Josephine Lütke

Klitzeklein und doch eine Sensation: Davon sind die Archäologen in Kalkriese bei Bramsche im Landkreis Osnabrück überzeugt. Acht römische Goldmünzen aus den Jahren zwischen 2 vor und 5 nach Christus haben sie auf ihrem Grabungsgelände entdeckt. Es sei der größte Fund seit der eisernen Helmmaske am Ort der Varusschlacht bei Osnabrück, sagten die Archäologen am Montag bei der Präsentation der Münzen.

Zurück ans Licht: Goldmünzen bei Kalkriese entdeckt

Vermutlich die "Barschaft" eines Römers

"Die Münzen waren auch in der Antike schon sehr wertvoll", sagt der wissenschaftliche Leiter Salvatore Ortisi von der Universität Osnabrück. Deshalb sei ein solcher Fund so selten. Diese acht Münzen seien damals so viel wert gewesen, dass eine ganze römische Familie etwa ein Jahr davon leben konnte, so Ortisi. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Münzen nicht aus einem Kleingeldbeutel stammen, sondern das ganze Ersparte eines Römers waren. Außerdem spreche vieles dafür, dass die Münzen dort versteckt wurden, so Ortisi. Die Goldmünzen seien nämlich in den Resten einer Grube gefunden worden. Sie könnten einem Offizier oder einem höher gestellten römischen Soldaten gehört haben, sagt Ortisi.

Prägung zeigt militärische Anführer

Die Münzen wurden bei Baumaßnahmen im Museumspark in Kalkriese gefunden. Sie lagen verteilt auf etwa einem Quadratmeter. Die Forscher gehen allerdings davon aus, dass sie ursprünglich zusammen lagen. Die Münzen stammen alle aus der gleichen Serie: Gaius/Lucius, so der Name des Typs. Auf der Vorderseite der Goldstücke ist der Kopf von Kaiser Augustus zu sehen. Auf der Rückseite stehen die kaiserlichen Prinzen Gaius und Lucius, umgeben von Schilden und Speeren: "Die militärischen Anführer der jungen Männer in Rom", sagt Ortisi. Geprägt wurden die Münzen wohl in Lyon im heutigen Frankreich. Doch obwohl die Münzen noch glänzen, als seien sie erst frisch gefertigt worden, sind sie wohl schon viel genutzt. "Sie sind ein bisschen abgegriffen. Sie waren also schon damals im Umlauf", sagt Ortisi.

Münzen sind unverkäuflich

Zuvor waren auf dem antiken Schlachtfeld bislang insgesamt sieben Goldmünzen gefunden worden. Zwei davon stammten auch schon aus der Serie Gaius/Lucius. Nicht so selten sind dagegen Funde von Bronze- oder Silbermünzen. Mehr als 1.500 Stück haben die Archäologen bereits ausgegraben. Der Wert der jetzt gefundenen Münzen liege bei etwa 20.000 bis 25.000 Euro, sagt Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht im Osnabrücker Land. Doch: "Die Münzen sind natürlich unverkäuflich."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 27.06.2016 | 18:00 Uhr

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