Stand: 09.09.2015 10:27 Uhr  | Archiv

Agrarmesse MeLa in Mühlengeez

Alles, was in der Agrarbranche Rang und Namen hat, gibt sich jährlich im September in Mühlengeez die Ehre. Alles begann auf einer Wiese, später mauserte es sich zum mobilen Markt, heutzutage ist es die größte Ausstellung dieser Art, die alljährlich in Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. Vom 10. bis zum 13. September öffnen sich dort wieder die Tore für die 25. Mecklenburgische Landwirtschafsausstellung, kurz MeLa. Ein Ort, den vor einem Vierteljahrhundert kaum jemand kannte. Auch in diesem Jahr werden in Mühlengeez wieder rund 70.000 Besucher aus dem In- und Ausland sowie aus der Region erwartet. Über 1.000 Aussteller haben sich angemeldet, darunter Tierzüchter und Spezialitätenhersteller, aber auch agrarische und ländliche Dienstleister - vier Tage Landwirtschaft pur auf einem Messeareal von über 20 Hektar Größe.

Am Anfang war die Wiese

Zur ersten MeLa 1991 war das Land Mecklenburg-Vorpommern noch kein Jahr alt. Ein Messe- und Ausstellungszentrum auf der grünen Wiese an einem Ort ohne eigenen Bedarf - das war umstritten. So ein Projekt würde später sicher als Negativbeispiel für Raumplanungen an Hochschulen gelehrt werden, hatte der SPD-Landtagsabgeordnete Claus Gerloff im März 1991 gewettert. Die Initiatoren ließen sich trotz der schwierigen Ausgangslage nicht beirren: Die Landwirte suchten Orientierung und Anschluß an das westdeutsche Niveau. Dafür brauchten sie eine Plattform, erinnert sich Otfried Weiher, der erste Chef der Tierschau: "Das alles kann man nicht sehen, wenn man von Stall zu Stall geht, weil es dann nur Wenige sind, die miteinander reden. Eine solche Plattform zu schaffen, in Form einer Ausstellung, auf der man sich ausstauschen kann, das war damals eine Notwendigkeit."

"Damals zählten noch das Wort und der Handschlag"

Einen Partner fand der Bauernverband in Volker Lorenzen. Er betrieb damals in Mühlengeez, in der Nähe von Güstrow, dem historischen Tierschauplatz im Land, einen Teppichmarkt und stellte unbürokratisch eine Fläche von vier Hektar zur Verfügung. Sprichwörtlich beim Bier und ohne Verträge, hätten die damaligen Akteure, Bauernverbandspräsident Harald Röpke und Landwirtschaftsminister Martin Brick, die MeLa besiegelt: "Damals zählten noch das Wort und der Handschlag", erinnert sich Lorenzen. Die Preise wurden damals der finanziellen Ausgangssituation angepasst. Für die sich im Aufbau befindlichen Firmen der neuen Bundesländer wurde nur die Hälfte der Standgebühren verlangt, "die Firmen aus dem Westen mussten das Doppelte bezahlen," so Lorenzen.

Ein Ziegenbock im Pferdezelt

Die Erstausstattung war sehr spartanisch. Ottfried Weiher, der erste Chef der Tierschau, musste sogar zwischen den Züchtern vermitteln, da aus Platzgründen auch schon mal ein Ziegenbock ins Pferdezelt gestellt wurde, sich die Pferdezüchter aber am Geruch störten. Die Mela wuchs mit den Jahren, doch das Ausstellungsgelände blieb provisorisch. Eskaliert sei die Situation schließlich 2001: Dauerregen hatte das Gelände aufgeweicht, erinnert sich der damalige Geschäftsführer der Messe- und Ausstellungsgesellschaft Mühlengeez (MAZ) Wolfgang Hansen. Wegen des Schlammes war man sich damals nicht sicher, ob die Messe stattfinden könne. "Glücklicherweise war der liebe Gott mit uns und mit Beginn der MeLa brach die Sonne aus den Wolken hervor" -die Messe konnte stattfinden und hinterließ deutliche Spuren.

Das Erfolgsgeheimnis

Erst als Landwirtschaftsminister Till Backhaus mit dem Wegzug der MeLa nach Dummerstorf drohte, konnte die Landgesellschaft die Fläche im Auftrag des Landes erwerben und in die Infrastruktur investieren. Seit 2010 gehört die Messe- und Ausstellungsgesellschaft den Veranstaltern der Grünen Woche in Berlin. Das größte Erfolgsgeheimnis der Mela sieht Landwirtschaftsminister Backhaus in der großstrukturierten Landwirtschaft, die immer erfolgreicher wurde und deshalb immer mehr Aussteller anlockt. "Wir liegen an der Spitze der Erträge auf dem Feld, wir liegen an der Spitze im Stall und wir liegen auch an der Spitze des geistigen und technischen Know How in Deutschland und Europa", so Backhaus Einschätzung der Bedeutung der Agrarmesse.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 09.09.2015 | 19:05 Uhr

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