Stand: 10.03.2016 14:08 Uhr  - NDR 1 Radio MV  | Archiv

Mit neuem Konzept durchgestartet: Wildpark-MV

Große Anlage statt kleiner Gehege: Die Bewohner der Raubtier-WG, Fred und Frode, fühlen sich anscheinend wohl im Wildpark-MV.

Ein 8,6 Hektar großes Gelände am südlichen Stadtrand von Güstrow, kleine Gehege und darin rund 180 Tiere - das war der Tierpark Güstrow 1990, damals einer von 17 Tiergärten auf dem Gebiet des heutigen Landes Mecklenburg-Vorpommern. Wie fast überall stellten sich die Mitarbeiter damals die Frage: Wird es weitergehen? Es ging: Aus dem kleinen Tierpark wurde der erfolgreiche Wildpark-MV (Natur- und Umweltpark Güstrow). Auf der Internationalen Tourismusbörse Berlin 2016 wurde der Park sogar als Leuchtturm der Tourismuswirtschaft ausgezeichnet.

Die Wende bringt ein neues Konzept

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Die Umbauarbeiten nach der Wende kamen nicht nur den Tieren zugute - sie retteten den Park vor dem Aus.

Die Jahre nach der Wende bezeichnet Klaus Tuscher als die spannendste, aufregendste Zeit seines Lebens. 1990 war der heute 59-Jährige bereits seit acht Jahren Direktor im Güstrower Tierpark. Ihm und seinem Team war damals sofort klar, dass sie eine GmbH gründen müssten - mit einem neuen Konzept für das Gelände. Ziel war ein Landschafts- und Wildpark mit heimischer Flora und Fauna, in dem die Mitarbeiter umweltpädagogische Arbeit leisten konnten. Die Idee zum "Natur- und Umweltpark Güstrow" war geboren. Doch um das Konzept umzusetzen, reichten die bisherigen 8,6 Hektar nicht aus, erinnert sich Klaus Tuscher. Grundbücher und Liegenschaftskarten wurden gewälzt, zur Gründung der GmbH sollten möglichst städtisches Eigentum und auch private Ankäufe das Bauland vergrößern. Im Juni 1991 standen 200 Hektar für das Projekt zur Verfügung. Zunächst verschwanden nach und nach die kleinen Gehege, erzählt Marianne Tuscher, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Wildpark. "Der Besucher soll den Eindruck haben, in der Natur zu sein. Er soll nicht von einem Gehege zum anderen gehen, sondern in freier Natur die Tiere treffen."

Auf der Holzbrücke über die Wolfsanlage

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Wildkatzen, Bären und Wölfe leben gemeinsam in der Raubtier-WG des Parks.

1992 bekam als erste Tiergruppe das Damwild ein zwölf Hektar großes Freigehege, weiß Tierpflegemeisterin Petra Kobbe zu berichten. "Die Tiere verschwanden nach ihrer Ankunft gleich im Wald, wir dachten, die sind weg. Als die ersten sich wieder raus trauten, war das für uns ein schönes Erlebnis", erinnert sie sich weiter. Kurz darauf durften die Wildschweine umziehen und 1994 konnte das Freigehege für europäische Wölfe eingeweiht werden. Letzteres ist damals wie heute eine Attraktion für die Besucher. Die Anlage ist inzwischen drei Hektar groß, dazu gehören auch für die Besucher begehbare Tunnel und Gänge in Höhlenoptik. Von einer 110 Meter langen Holzbrücke aus, die einen Teil der Wolfsfreianlage überspannt, können die Mitglieder von Familie Isegrim beobachtet werden. Seit Mai 2015 leben acht Wölfe in der Anlage, denn zum ersten Mal seit zehn Jahren gab es wieder Wolfsnachwuchs im Park. Fünf kleine Welpen toben dort herum. Sie bilden gemeinsam mit Wildkatzen und den Bären Fred und Frode eine Raubtier-WG.

Wiesen-Welten und Unterwasserlandschaften

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So sieht es im Flusslauf aus: Der Aqua-Tunnel bereichert das Angebot des Wildparks seit dem Jahr 2000.

Seit 1992 konnte das Team des Wildtierparks jährlich neue Projekte verwirklichen. Nicht zuletzt ist das dem Engagement der Stadt Güstrow zu verdanken. Zu den größten Projekten im Park zähle das im Jahr 2000 eröffnete Besucherzentrum mit Aqua-Tunnel und Umweltbildungszentrum im Eingangsbereich des Parks, sagt Marianne Tuscher. "In diesem Gebäude steht das Süßwasser im Mittelpunkt. Über große Scheiben kann man quasi in einen Flusslauf hineinschauen." Damit, aber auch mit dem 2011 eingeweihten Agenda-Zentrum "Wiesen-Welten", will der Park vor allem Kindergarten- und Schulkinder ansprechen. Während es im Inneren Mikroskopier- und Untersuchungsplätze gibt, warten im Außenbereich überdimensional große Insekten und Würmer auf ihre Entdeckung.

Die Ideen gehen nicht aus

Im Durchschnitt sind die Besucher sechs Stunden lang im Wildpark unterwegs. Klaus Tuscher strebt acht Stunden an und hat auch wieder einen neuen Plan: "Wir wollen einen Schaubauernhof mit alten Haustierrassen, von denen einige schon im Park vertreten sind, anbieten - zum Einkehren und Verweilen. Kinder und Jugendliche können so auch sehen, wie man dort arbeitet." Schon im nächsten Jahr soll dieses Projekt in Angriff genommen werden.

Karte: Hier liegt der Wildpark
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Kulturjournal | 30.09.2015 | 19:05 Uhr

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