Ein Kind trinkt aus einem Wasserrohr © dpa_volvic

Viva con Agua: Trinkwasser für alle - auch in Pandemie-Zeiten

Stand: 16.11.2020 15:25 Uhr

Alle Menschen sollen weltweit Zugang zu Trinkwasser und zu sanitären Anlagen bekommen - dafür setzt sich das Projekt "Viva con Agua de Sankt Pauli" ein.

von Miriam Stolzenwald

Durch eine Reise mit dem FC St. Pauli ins Trainingslager nach Kuba kam Benjamin Adrion vor rund 15 Jahren die Idee, ein Projekt zur Wasserversorgung zu gründen. Heute besteht seine Initiative Viva con Agua aus einem großen, wachsenden Netzwerk von Ehrenamtlichen und internationalen Standort-Ablegern in Österreich, der Schweiz und in Uganda. Zu einem Großteil finanziert sich Viva con Agua aus Spenden. Unter anderem werden diese bei Sport- und Musikveranstaltungen gesammelt, indem Besucherinnen und Besucher ihre Pfandbecher spenden.

"Mit Freude und mit einem guten Gefühl"

Benjamin Adrion © picture alliance
Benjamin Adrion ist Initiator der Trinkwasserinitiative "Viva con Agua".

"Wir wollen das soziale Engagement und die Projekte voranbringen - aber nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit Freude und mit einem guten Gefühl", erklärt Adrion. "Wir wollen auch Zielgruppen erreichen, die jünger sind als die klassische Spenderzielgruppe - deshalb sind für uns Musik, Kunst und Sport gute Wege, Menschen zu inspirieren, sie zu erreichen und sie darauf hinzuweisen, was unsere Projektarbeit ist."

Die Mitarbeiter von Viva con agua setzen sich für den Aufbau einer Infrastruktur zur Trinkwasserversorgung ein und für den Bau sanitärer Anlagen, beispielsweise in Äthiopien, Uganda und Zimbabwe. Und sie machen öffentlich auf das Problem aufmerksam, dass viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser haben. Adrion will nicht ermahnen oder belehren. Wenn eine Person in einem Stadion alleine einen Pfandbecher spendet, ist das bereits eine Unterstützung - und die Person hat das Projekt wahrgenommen.

Adrion hofft auf ein Umdenken in der Gesellschaft

Neben der Projektarbeit vertreibt Viva con Agua außerdem eigenes Mineralwasser und Klopapier. In Zeiten von Corona eine wichtige Einnahmequelle, denn ein Großteil der Spenden entfällt, solange es keine Musik- und Sportveranstaltungen mit Publikum, und somit keine Pfandbecher, gibt. Auch die Arbeit der Wasserprojekte während der Pandemie aufrechtzuerhalten ist schwierig, sagt Adrion: "Auf der einen Seite gibt es wahnsinnige Herausforderungen durch Corona, gerade in unseren Projektgebieten. Auf der anderen Seite war es teilweise nicht einfach - und ich habe das in Südafrika aus erster Hand miterlebt - den Distrikt zu verlassen oder im Lockdown die Projekte voranzutreiben. Von daher sind wir froh, dass sich gerade auf dem afrikanischen Kontinent die Lockdown-Situation ein bisschen entspannt hat und wir die Wasserprojekte wieder mit Vollgas voranbringen können."

Benjamin Adrion, selbst Vater von zwei Kindern, hofft auf die junge Generation und Bewegungen wie Fridays for Future; auf ein Umdenken in der Gesellschaft, aus dem nachhaltiges Handeln resultiert - und: "Das Verständnis dafür, dass es etwas mit uns zu tun hat, was mit diesem Planeten passiert. Es hat auch etwas mit uns zu tun, was in Afrika passiert - wir leben nicht auf einer Insel, sondern alles ist miteinander verbunden. Ich hoffe, dass sich dieses Bewusstsein und auch die Maßnahmen, die daraus entstehen, weiter verstärken."

Benjamin Adrions Vision für Viva con Agua in den kommenden Jahren ist, das Netzwerk zu erweitern und sich noch internationaler aufzustellen.

NDR Info Moderatorin Birgit Langhammer (M.) steht im Sendestudio neben Benjamin Adrion und Claudia Gersdorf von der Wasserinitiative Viva con Agua. © NDR Foto: Nils Kinkel

AUDIO: Laute Musik für sauberes Trinkwasser (31 Min)

Dieses Thema im Programm:

Matinee | 17.11.2020 | 11:20 Uhr