Stand: 11.12.2017 11:46 Uhr

Zahnersatz: Brücke oder Implantat?

Im Gebiss hat jeder Zahn seine Funktion. Alle Zähne zusammen ermöglichen das Kauen und Sprechen. Fehlt auch nur ein Zahn, kann sich der Biss verschieben und Schmerzen im Kiefergelenk auslösen. Häufig empfehlen Ärzte ein Zahnimplantat - eine etablierte, aber teure Methode. Doch der Einsatz ist nicht immer ohne Risiko. In einigen Fällen sind Brücken die bessere Alternative.

Gebiß mit Zahnlücke

Zahnersatz: Brücke oder Implantat?

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Der Einsatz eines Zahnimplantats ist teuer und nicht ohne Risiko. In welchen Fällen sind Brücken die bessere und günstigere Alternative? Der Zahnersatz im Vergleich.

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Zahnlücke statt Krone, Brücke oder Implantat

Zunächst sollte geklärt werden, ob ein verlorener Zahn überhaupt ersetzt werden muss. Eine Zahnlücke kann bestehen bleiben, wenn sie keine funktionellen Probleme verursacht und optisch nicht stört. Vorteile der Zahnlücke: Sie verursacht weder Schmerzen noch Kosten, die Mundpflege ist problemlos möglich.

Basisbrücke ist der Standard-Zahnersatz

Bei einem fehlenden Zahn ist die sogenannte Basisbrücke die Standardversorgung als festsitzender Zahnersatz. Als Pfeiler für die vom Zahntechniker angefertigte Brücke dienen die beiden angrenzenden Zähne, die dafür beschliffen werden müssen.

Vorteile der Brücke

  • Lange Haltbarkeit
  • Niedrigere Kosten
  • Ideale Lösung, wenn Nachbarzähne Karies haben
  • Zuschuss der Krankenkasse

Nachteile der Brücke

  • Gesunde Nachbarzähne müssen abgeschliffen werden

Implantat

Immer häufiger raten Zahnärzte heute zu einem Implantat, das kein Abschleifen der gesunden Nachbarzähne erfordert. Doch Implantate sind teuer und die gesetzlichen Krankenkassen zahlen nur einen geringen Festzuschuss.

Um ein Implantat einzusetzen, ist ein kieferchirurgischer Eingriff erforderlich. Dabei schneidet der Zahnarzt zunächst das Zahnfleisch auf und bohrt ein Loch in den Kieferknochen. In das Loch wird das Implantat, eine Art Schraube, eingefügt. Es muss fest sitzen, damit es mit dem Kieferknochen verwachsen kann. Reichen die vorhandene Knochensubstanz und die Schleimhaut nicht für eine sichere Verankerung aus, muss der Kieferchirurg zunächst einen aufwendigen und oft schmerzhaften Knochenaufbau mit körpereigenen Knochenstücken aus der Hüfte oder Knochenersatzmaterial durchführen.

Nach einigen Wochen, wenn alles gut verheilt ist, wird das Zahnfleisch wieder geöffnet. Auf der Implantatschraube wird zunächst ein Zwischenstück (Abutment), dann die sichtbare Zahnkrone befestigt.

Vorteile des Implantats

  • 1:1-Ersatz einzelner Zähne
  • keine Stützen erforderlich
  • feste Verankerung
  • lange Haltbarkeit

Nachteile des Implantats

  • Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse nur in Ausnahmefällen
  • Bohrloch im Kieferknochen
  • Gefahr von Nervenverletzungen
  • Gefahr von Verletzungen der Nasennebenhöhlen
  • Gefahr von Entzündungen und Verwachsungen
  • Geringere Haltbarkeit bei mangelnder Mundhygiene

Nicht geeignet sind Implantate bei

  • Rauchern
  • Immunschwäche (aufgrund von Erkrankungen oder Medikamenten)
  • Blutkrebs
  • Diabetikern mit schlecht eingestelltem Blutzuckerspiegel
  • Einnahme von Bisphosphonaten

Teleskopbrücke

Teleskopbrücken werden nicht fest einzementiert, sondern auf Pfeilerzähnen aufgesteckt. Sie kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn nur noch wenige Zähne vorhanden sind und die Pfeilerzähne einer festsitzenden Brücke auf Dauer der Kaubelastung möglicherweise nicht standhalten würden.

Die im Mund verbliebenen Zähne werden mit den sogenannten Innenteleskopen als Goldkappen überkront. Die sichtbaren Teleskopkronen sind in die herausnehmbare Brücke eingearbeitet und werden als Außenteleskope bezeichnet. Als abnehmbare Zahnbrücke ist sie aufgrund der aufwendigeren Herstellungsweise teurer als die meisten anderen Brückenarten. Dafür kann der Betroffene selbst entscheiden, ob die Brücke dauerhaft im Mund verbleiben soll oder für die tägliche Mundpflege wie eine Zahnprothese herausgenommen werden kann.

Vorteile der Teleskopbrücke

  • Optimale Versorgung eines Zahnlückengebisses
  • Patient kann entscheiden, ob die Brücke fest oder herausnehmbar ist
  • Einfachere Mundpflege
  • Zuschuss der Krankenkasse

Nachteile der Teleskopbrücke

  • Aufwendige Konstruktion
  • Teurer als klassische Brücken

Klebebrücke

Klebebrücken, auch Adhäsivbrücken genannt, werden an gesunden Nachbarzähnen festgeklebt. Sie sind an geeigneten Stellen im Mund eine Alternative, wenn für ein Implantat ein umfangreicher Knochenaufbau nötig wäre und die Nachbarzähne im Bereich der Klebeflächen gesund sind.

Stabiler ist ein sogenanntes Klebegeschiebe: Dabei kleben die Zahnärzte nach dem Säubern, Trocknen und Aufrauen der Klebefläche einen kleinen Flügel mit Scharnier an einen gesunden Pfeilerzahn. In das Scharnier wird die Prothese anschließend eingeschoben, sodass sie fest im Bereich der fehlenden Zähne sitzt. Von außen ist die sehr stabile Konstruktion fast nicht zu sehen.

Voraussetzung für eine Adhäsivbrücke sind gesunde Nachbarzähne mit intaktem Zahnschmelz, an denen die Flügel wie Türscharniere angeklebt werden. Auch wenn die Klebung sehr stabil ist und bis zu 90 Kilogramm Belastung aushält, löst sich innerhalb von zehn Jahren etwa jede fünfte Klebeprothese. Sie lässt sich aber problemlos immer wieder ankleben.

Vorteile der Klebebrücke

  • Niedrige Kosten (etwa die Hälfte eines Implantats)
  • Gute Haltbarkeit
  • Kein Abschleifen gesunder Zähne
  • Besonders geeignet im Frontzahnbereich
  • Zuschuss der Krankenkasse bei Ersatz eines Schneidezahns

Nachteile der Klebebrücke

  • Nachbarzähne dürfen keine Karies haben
  • Wegen der hohen Belastung nicht ideal im Bereich der Backenzähne
  • Lösen der Klebeverbindung möglich, aber reparabel
  • Kein Zuschuss der Krankenkasse im Seitenzahnbereich

Krankenkassen zahlen Festzuschuss

Seit 2005 arbeiten die gesetzlichen Krankenkassen mit einem Zuschusssystem, das sich allein am Befund des Zahnarztes orientiert und nicht mehr an der Art des Zahnersatzes. Seitdem können Betroffene frei wählen, welche Art von Zahnersatz sie bevorzugen und erhalten dafür einen festen Zuschuss. Entscheidend ist die sogenannte Regelversorgung, für die bestimmte Festzuschüsse geleistet werden. Der Betroffene kann die Zuschüsse auch für eine teurere Versorgung nutzen, zum Beispiel ein Implantat. Er muss dann aber einen höheren Eigenanteil übernehmen, den der Zahnarzt privat in Rechnung stellt.

Angebote von Zahnärzten vergleichen

Generell sind die Kosten eines Zahnersatzes von mehreren Faktoren abhängig: Material, Laborkosten und Zahnarzthonorar. Hier gibt es oft noch Spielraum, weshalb man vor der Behandlung eine Zweitmeinung einholen sollte. Es gibt Auktionsportale im Internet, auf denen man das Angebot des Zahnarztes einstellen und mit anderen Zahnärzten vergleichen kann. Ob der Preisunterschied den Wechsel des Zahnarztes rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden.

Auf jedem Fall lohnt es sich, regelmäßig zum Zahnarzt zu gehen und das Bonusheft zu pflegen - das erhöht den Zuschuss der Krankenkasse zum nächsten Zahnersatz.

Interview
04:05

Wann sind Zahnimplantate sinnvoll?

12.12.2017 20:15 Uhr
Visite

Der Hamburger Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg Dr. Gerhard Schwartz erklärt, wann Zahnimplantate sinnvoll sind und in welchen Fällen Brücken die bessere Alternative sind. Video (04:05 min)

 

Weitere Informationen
55:28

Welche Zahnbehandlung ist sinnvoll?

12.12.2017 21:05 Uhr
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Interviewpartner

Dr. Dr. Gerhard Schwartz, Mund-Kiefer-Gesichtschirurg, Gutachter
MKG am Tibarg
Tibarg 26, 22459 Hamburg
Tel. (040) 58 14 20, Fax (040) 58 14 39
Internet: www.kieferchirurgie-hamburg.com

Prof. Dr. Matthias Kern, Direktor
Klinik für Zahnärztliche Prothetik, Propädeutik und Werkstoffkunde
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein – Campus Kiel
Arnold-Heller-Straße 16, 24105 Kiel
Internet: www.uni-kiel.de/proth

Weitere Informationen:
Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien e.V.
Geschäftsstelle: Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Biomedizinische Werkstoffkunde
Medizinische Hochschule Hannover
Carl-Neuberg-Straße 1, 30625  Hannover
Internet: www.dgpro.de

Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde e.V. (DGZMK)
Liesegangstraße 17 a, 40211 Düsseldorf
Internet www.dgzmk.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 12.12.2017 | 20:15 Uhr

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