Stand: 26.04.2017 12:05 Uhr  | Archiv

Helfen Zahnschienen gegen Zähneknirschen?

von Thomas Samboll, NDR Info
Gebleichte Zähne © Fotolia.com Foto: puhhha
Gesunde Zähne sind wichtig. Wer knirscht, schädigt sie jedoch auf Dauer.

Viele Menschen pressen im Alltag Ober- und Unterkiefer unbewusst immer wieder so stark aufeinander, dass sie förmlich ihr Gebiss zermalmen. Dieser Vorgang, den Zahnärzte als Abknirschen bezeichnen, kann auf Dauer böse Folgen haben. "Durch diesen übereifrigen Kontakt des Knirschens oder Pressens reibt man sich den Zahnschmelz weg. Sobald diese Schutzschicht weg ist, liegt eine sehr weiche Schicht des Zahnes frei, die einerseits schmerzempfindlich ist und andererseits auch noch sehr viel leichter abzureiben ist. Im schlimmsten Fall kann man sogar Zähne verlieren", erklärt Lucille Riecke, Zahnärztin beim Dentologicum Hamburg.

Warum knirschen Menschen mit den Zähnen?

Die Betroffenen bemerken ihre Zahnprobleme zunächst meist nicht, haben aber oft Verspannungen im Kiefergelenk oder Kopfschmerzen. Auslöser für das Zähneknirschen kann Stress sein, aber häufig gibt es mehrere Ursachen. "Zum Stressfaktor kann eine Zahn- oder Kieferfehlstellung hinzukommen. Wenn ein Zahn zum Beispiel schief steht oder der Kiefer in einer falschen Position ist, versucht man nachts, sich das unterbewusst 'einzuknirschen'. Es gibt auch Patienten, bei denen Medikamente oder Alkoholgenuss eine Rolle spielen. Ebenso kann ein Unfall oder ein Trauma eine Knirsch-Press-Problematik auslösen", weiß Lucille Riecke.

Bei kleinen Kindern ist das Zähneknirschen dagegen erst mal kein Grund zur Beunruhigung: "Kinder haben mit ihren Milchzähnen eine Rücklage des Unterkiefers. Im Laufe des Lebens wächst der Unterkiefer nach vorne und die Kinder knirschen sich in dieser Phase die Milchzähne ganz glatt, damit der Unterkiefer nach vorne wachsen kann. Bei uns Erwachsenen mit bleibenden Zähnen sollte dieser Vorgang aber nicht mehr stattfinden", so die Zahnärztin.

Zahnschiene soll für Entlastung der Zähne sorgen

Zahnschiene © Fotolia.com Foto: RioPatuca Images
Eine Kunststoffschiene schützt die Zähne gegen Abrieb.

Wer mit den Zähnen knirscht, bekommt meist eine Zahnschiene. Das ist eine Art Schutzhülle für den Unterkiefer, aus durchsichtigem Kunststoff, etwa einen Millimeter dick und sehr stabil. Die Schiene soll dafür sorgen, dass die Zähne beim Kauen gleichmäßig belastet werden. Dadurch können sich Kiefergelenk und Muskeln ein bisschen entspannen und der Patient hat weniger Schmerzen. Die Kosten für die Schiene übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Das Knirschen an sich wird durch die Schienen allerdings nicht unbedingt behoben. "Die meisten Patienten knirschen über ihre Schiene rüber. Man sieht an gewissen Stellen der Schiene richtige Abrasionsstellen, die sonst an den Zähnen vorhanden wären. Das heißt, man knirscht teilweise trotzdem, aber die Zähne leiden nicht darunter", so Lucille Riecke. Die Ursachen müssen also anders behandelt werden. Gegen Stress können etwa Entspannungstechniken helfen. Durch Physiotherapie lassen sich verspannte Muskeln lockern. Und wer schiefe Zähne hat, benötigt eventuell eine Zahnspange.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Radio-Visite | 26.04.2017 | 09:20 Uhr

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