Stand: 02.08.2019 11:43 Uhr

Wie die Darmflora das Gehirn krank machen kann

Neue Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass es eine Verbindung zwischen der Zusammensetzung der Darmflora und Erkrankungen des Gehirns gibt. Forscher sprechen in diesem Zusammenhang von der "Darm-Hirn-Achse". So lassen sich Wechselwirkungen zwischen der menschlichen Darmflora und neurologischen Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Alzheimer erklären. Der Zusammenhang konnte an Studien mit Mäusen nachgewiesen werden.

Darmflora

Wie die Darmflora das Gehirn krank macht

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Die Zusammensetzung der Darmflora hat wohl Einfluss auf Erkrankungen, die ihren Ursprung im Gehirn haben. Forscher arbeiten an neuen Therapien, etwa gegen Multiple Sklerose.

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Darmflora stärkt das Immunsystem

Die Darmflora ist wichtig für die Verdauung, die Abwehr von Krankheitserregern und die Stärkung des Immunsystems. Sie besteht beim Menschen aus rund 1.000 Arten von Darmbakterien. Insgesamt bringen es die schätzungsweise etwa 100 Billionen Bakterien im Darm auf ein Gewicht von bis zu zwei Kilogramm. Jeder Mensch hat eine eigene, individuelle Zusammensetzung der Darmflora, die vor allem durch die Ernährung und immunologische Prozesse beeinflusst wird.

Verbindung zwischen Darm und Gehirn

Forschungsergebnisse zeigen, dass diese Zusammensetzung der Darmflora schützende und krank machende Effekte haben kann. So haben viele Multiple-Sklerose-Kranke zum Beispiel eine deutlich geringere Bakterienvielfalt als gesunde Menschen. Die Ursache dafür ist bislang allerdings unklar. Sicher ist aber, dass sich der Mangel an Bakterien ungünstig auswirkt. Denn die Bakterien produzieren die kurzkettige Fettsäure Propion (Propionsäure). Sie beeinflusst bestimmte Immunzellen im Gehirn, die an der Entstehung und am Verlauf der Multiplen Sklerose beteiligt sind. Die Immunzellen funktionieren nur, wenn die Darmbakterien genügend Propion aus der Nahrung freisetzen.

Multiple Sklerose: Hoffnung auf neue Therapien

Wissenschaftler hoffen, auf Basis der Forschungsergebnisse neue Therapieansätze entwickeln zu können. Im Rahmen von Studien wurden die Medikamente gegen Multiple Sklerose durch Propionsäure ergänzt. Dabei zeigten sich eine Vermehrung der Abwehrzellen um 30 Prozent und eine deutliche Abnahme der Entzündungszellen. Experten schätzen die Einnahme von Propionsäure als Nahrungsergänzungsmittel als problemlos ein. Allerdings handelt es sich bei den Erkenntnissen bislang nur um klinische Erfahrungswerte. Mögliche Therapien sind Gegenstand der aktuellen Forschung.

Die richtige Ernährung für den Darm

Ein weiterer Ansatz könnte sein, die Darmflora über die Ernährung günstig zu beeinflussen:

  • durch Präbiotika und Probiotika, zum Beispiel in Joghurt
  • durch ballaststoffreiche Kost, die im Dickdarm zersetzt und zu organischen Säuren fermentiert wird. Vorteilhaft ist zum Beispiel der Ballaststoff Inulin, der zum Beispiel in Chicorée, Artischocken und Pastinaken reichlich enthalten ist.
  • durch Milchsäure, etwa in Joghurt, Dickmilch, Kefir, Buttermilch, Sauerkraut, Sauerteig und Brottrunk

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Marco Prinz, Direktor des Instituts für Neuropathologie
Neurozentrum
Universitätsklinikum Freiburg
Breisacher Straße 64
79106 Freiburg
www.uniklinik-freiburg.de

Prof. Dr. Ralf Gold, Direktor
Prof. Dr. Aiden Haghikia, Leitender Oberarzt
Klinik für Neurologie
St. Josef-Hospital
Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
Gudrunstraße 56
44791 Bochum
www.klinikum-bochum.de

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