Stand: 22.12.2015 15:11 Uhr  | Archiv

Winterkälte - wenn die Gelenke schmerzen

Frau schaut besorgt nach unten © fotolia.com Foto: contrastwerkstatt
Vor allem Menschen mit Rheuma oder Arthrose sind von Wetterfühligkeit betroffen.

Es ist kalt, nass und ungemütlich. Kaum jemand mag das momentane Wetter wirklich, doch bei vielen Menschen verursacht die Witterung sogar Schmerzen. Vor allem Menschen mit Rheuma oder Arthrose haben bei Kälte besonders starke Beschwerden. Experten vermuten die Ursache im durch die Kälte verlangsamten Stoffwechsel. Die Durchblutung wird vermindert, die Muskulatur verspannt sich und das führt zu dumpfen Schmerzen. Bei Kälte stellt der Körper auf Notstrom: Vorrangig werden die überlebenswichtigen Organe und das Gehirn mit Blut versorgt - erst danach die Peripherie, also Arme und Beine mit den Gelenken sowie die Muskeln.

Es gibt aber auch eine psychologische Erklärung: Das kalte und nasse Grau führt generell zu schlechterer Stimmung, Depressionen nehmen zu, und auch Schmerzen werden stärker wahrgenommen.

Rheumatologen unterscheiden zwei Erscheinungsformen

Für Rheumatologen ist das Problem zweigeteilt: Sie unterscheiden zwischen Menschen mit verschlissenen Gelenken und denen, die unter entzündlichen Rheumaformen leiden. Bei den Verschleißerscheinungen ist die Zunahme von Schmerzen logisch: Die Kälte reduziert die Viskosität der Gelenkflüssigkeit, die Gelenke sind also weniger gut geschmiert als bei Wärme. Dadurch nimmt der Reibungsschmerz zu.

Wer unter entzündlichen Rheumaschüben leidet, dem hilft Kälte normalerweise - aber nur, wenn sie aus der Kältekammer kommt. Bei winterlichem Wetter ist es nicht die Kälte allein, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, die den Schmerzreiz auslöst. Eine extreme, aber trockene Kälte kann Entzündungsschmerzen lindern, während eine feuchte moderate Kälte die Schmerzen verschlimmert. Warum das so ist, wissen auch Experten nicht.

Warm halten und bewegen

Gegen den Kälteschmerz hilft vor allem eines: sich möglichst warm halten. Handschuhe, Pulswärmer, dicker Mantel und lange Unterhosen können vor Kälte schützen. Ganz wichtig: Trotz Schmerz und Kälte bewegen, denn wenn Gelenke nicht bewegt werden, produzieren sie weniger Gelenkflüssigkeit und der Schmerz verschlimmert sich.

Wer sich im Freien bewegt, sollte die Gelenke vor Kälte schützen und das Schwitzen vermeiden, denn dann kühlt den Körper zusätzlich aus. Wenn man schon Schmerzen hat, dann hilft es, die betroffenen Gelenke langsam warm zu duschen und dabei zu massieren. Auch ein warmes Handbad kann lindernd wirken. Bei entzündeten Gelenken sollte man allerdings keine warmen Bäder nehmen.

Interviewpartner im Beitrag:

Dr. Johannes von Bodman
Orthopäde
Klinik für Orthopädische Rehabilitation
Klinikum Bad Bramstedt
Oskar-Alexander-Straße 26
24576 Bad Bramstedt
Tel. (04192) 90 25 71
Fax (04192) 90 23 75
Internet: www.rheuma-zentrum.de

Dr. Peer M. Aries
Rheumatologe
Rheumatologie im Struenseehaus
Mörkenstrasse 47
22767 Hamburg-Altona
Tel. (040) 870 33 63
Fax (040) 870 073 26
Internet: rheumatologie.hamburg

Dr. Horst Danner
Leitender Arzt der Ambulanten Orthopädischen Rehabilitation
RehaCentrum Hamburg
Heidenkampsweg 41
20097 Hamburg
Tel. (040) 253 06 30
Internet: www.rehahamburg.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 22.12.2015 | 20:15 Uhr

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