Stand: 08.01.2019 10:43 Uhr  | Archiv

Weißdorn: Arzneipflanze gegen Herzschwäche

Beeren des Weißdorn © NDR Foto: Uwe Kantz
Der Weißdorn ist die Arzneipflanze des Jahres 2019.

Pflanzliche Präparate sind beliebt: Sie stehen im Ruf, weniger Nebenwirkungen zu haben als synthetisch hergestellte Arzneimittel. Dafür fehlt in vielen Fällen ein vergleichbarer Wirksamkeitsnachweis. Anders ist das beim Weißdorn (Crataegus), der Arzneipflanze des Jahres 2019. In den Blüten und Blättern haben Forscher mehrere schützende und heilende Wirkstoffe gefunden. Die sogenannten Flavonoide und Procyanidine haben eine stärkende Wirkung auf das Herz.

Weißdornextrakt ist in verschiedenen Fertigzubereitungen wie Tabletten, Kapseln, Dragees, Tropfen oder Saft erhältlich. Studien zufolge kann eine Therapie mit Weißdorn bei einer leichten Herzschwäche sinnvoll sein.

So wirkt Weißdorn bei Herzschwäche

Die pflanzlichen Wirkstoffe im Weißdorn stimulieren die Produktion des gefäßerweiternden Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) und hemmen dessen Abbau. Dadurch

  • steigen die Schlagkraft und das Schlagvolumen des Herzens
  • verbessert sich die Durchblutung der Herzkranzgefäße und des Herzmuskels

Stickstoffmonoxid wird im sogenannten Endothel produziert, das die Innenwände der elastischen Blutgefäße auskleidet. Es erweitert die Gefäße und fördert die Durchblutung. Mit zunehmendem Alter versteift die Gefäßwand und die Leistung des Endothels nimmt ab - weniger Stickstoffmonoxid wird produziert. Durch die anregende Wirkung des Weißdorns auf die Stickstoffmonoxid-Produktion können sich die Gefäße entspannen.

Weißdorn auch bei Herzrhythmusstörungen und Ödemen

Bei einer Herzschwäche kommt es häufig zu Wassereinlagerung in den Beinen. Auch hier scheint Weißdornextrakt zu helfen, indem er die Gefäße abdichtet. Bei leichten Herzrhythmusstörungen, die oft durch eine Herzschwäche ausgelöst werden, entfaltet der Weißdorn ebenfalls heilsame Wirkung: Hoch dosierter Weißdornextrakt erhöht die Durchlässigkeit der Zellmembran für Kalium-Ionen und blockiert zugleich Kalzium-Ionen. Die Folge ist eine Entspannung des Herzmuskels.

Verlässliche Dosis ist wichtig

Bei Erkrankten mit leichter Herzschwäche wird Weißdornextrakt auch eingesetzt, um die Herzleistung zu steigern. Voraussetzungen für die Wirksamkeit:

  • Betroffene müssen Präparate mit standardisiertem Wirkstoffgehalt einnehmen - sonst kann es sein, dass die Wirkung schwankt oder nicht ausreicht.

  • Wichtig ist außerdem eine langfristige Anwendung.

Lose Drogen wie Tee aus getrockneten Weißdornblättern kommen für Betroffene mit Herzkrankheiten nicht infrage. Sie eignen sich aber zur Behandlung von Befindlichkeitsstörungen wie Blähungen oder Unruhe.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Peter W. Gündling, Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Akupunktur, Ernährungsmedizin
Praxis für Naturheilverfahren
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65520 Bad Camberg
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18057 Rostock
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naturheilkunde.med.uni-rostock.de

Dr. Frank Mibach, Kardiologe
Kardiologische Praxis im Gesundheitszentrum Klosterforst
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25524 Itzehoe
(04821) 15 60 15
www.dr-mibach.de

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