Stand: 15.11.2019 12:44 Uhr

Was tun bei einer Verbrennung?

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Die Gefährlichkeit einer Verbrennung hängt von ihrer Tiefe und Ausdehnung ab.

Ein heißes Backblech angefasst oder beim Bügeln einen Moment unachtsam und schon hat man sich verbrannt. Durch die Hitzeeinwirkung kommt es zu einer Schädigung oder Zerstörung von Hautzellen. Der Schweregrad von Verbrennungen wird nach dem Grad der Gewebeschädigung eingeteilt. Erstgradige Verbrennungen beschränken sich auf die oberste Hautschicht, Epidermis. Sie sind schmerzhaft und gehen mit einer Rötung einher, sind aber vollständig reversibel.

Eine große Verbrennung am Unterarm, die mit Wasser gekühlt wird.

Was tun bei einer Verbrennung?

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Eine Verbrennung ist eine Schädigung oder Zerstörung von Hautzellen durch übermäßige Hitzeeinwirkung. Was im Ernstfall zu tun ist, hängt vom Ausmaß der Verbrennung ab.

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Wann wird es lebensbedrohlich?

Verbrennungen zweiten Grades betreffen zusätzlich zur Epidermis auch die darunter liegende Dermis. Auch die Verletzung ist sehr schmerzhaft. Typischerweise kommt es zu einer Blasenbildung. Verbrennungen dritten Grades reichen bis in die Subkutis. Aufgrund der damit einhergehenden Zerstörung von sensiblen Nervenfasern sind sie nicht schmerzhaft und gehen außerdem mit einer Narbenbildung einher. Bei Verbrennungen vierten Grades (Verkohlung) sind neben der Haut auch tieferliegende Strukturen wie Muskeln und Knochen betroffen.

Die Gefährlichkeit einer Verbrennung hängt von ihrer Tiefe und Ausdehnung ab: Lebensbedrohlich sind Verbrennungen dann, wenn bei Kindern fünf bis zehn Prozent und bei Erwachsenen mehr als 15 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind. 

Erste Hilfe bei Verbrennungen

Ziel der Sofortmaßnahmen ist es, die durch die Hitzeeinwirkung ausgelöste Entzündungsreaktion zu stoppen. Dazu sollte die verbrannte Haut unter fließendem und kühlem, aber nicht zu kaltem Wasser gekühlt werden. Das Wasser sollte eine Temperatur von 10 bis 20 Grad haben. Tiefere Temperaturen durch Cool-Packs oder Eiswürfeln führen dazu, dass sich die feinen Blutgefäße der Haut zusammenziehen und sich damit die Durchblutung in dem verbrannten Areal verschlechtert und der Gewebeschaden zunimmt. Leitungswasser wirkt durch die leichte Kühlung auch schmerzlindernd.

Mehr bewirken auch kühlende Salben wie Aloe Vera aus der Tube nicht. Sie dürfen außerdem allerhöchstens bei leichten Rötungen und geschlossener Hautdecke aufgetragen werden, nie auf offene Stellen. Auf frische Brandwunden sollten gar keine Salben oder Ähnliches aufgetragen werden. Das gilt auch für alle anderen angeblichen Hausmittel wie Zahnpasta, Butter, Öl, Mehl oder Honig - nichts davon hilft. Im schlimmsten Fall kann sich die Wunde infizieren und für den Arzt ist sie durch das Einschmieren in jedem Fall schlechter beurteilbar.

Brandblase muss abgetragen werden

Brandblasen sollten vollständig eröffnet werden. Denn das Blasensekret, das sich unter der Blase bildet, tötet die Zellen des Wundgrundes und verhindert eine rasche Abheilung. Aufstechen nützt aber nicht dagegen, denn das Blasensekret läuft in den ersten Tagen immer neu nach. Außerdem können sich beim Aufstechen unter der Brandblase Keime ansiedeln und dann kann es zu einer Entzündung kommen. Auch eine teilentfernte Blase bedeutet immer ein erhöhtes Infektionsrisiko, deshalb sollten Brandblasen unter sterilen Bedingungen komplett abgetragen werden. Bei kleineren Blasen kann man das selbst versuchen, sicherer ist es beim Hausarzt. Ist die Blase abgetragen oder die Brandwunde offen, muss natürlich ein Pflaster drauf. Ein einfaches, keimarmes Pflaster reicht völlig aus. Gut ist, wenn dieses regelmäßig gewechselt wird.

Mit offenen Brandwunden zum Arzt

Oberflächliche Verbrennung heilen in der Regel innerhalb von zehn Tagen von selbst vollständig aus. Offenen Brandwunden und alle Brandwunden bei Kindern sollten in jedem Fall von einem Arzt behandelt werden. Da großflächige Verbrennungen mit erheblichen Flüssigkeitsverlusten, Temperaturdysregulationen, Kreislaufstörungen und Störungen der Blutgerinnung sowie der Gefahr einer generalisierten Entzündungsreaktion einhergehen können, müssen die Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden.

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Experten zum Thema

Birgit Steinke
Apothekerin  
Adler Apotheke
Wandsbeker Marktstraße 73
22041 Hamburg
(040) 689 42 00
www.adler-apotheke-hh.de

Prof. Dr. Stefan Oppermann
Leitender Oberarzt und Stellvertretender Leiter des Instituts für Notfallmedizin
Asklepios Klinikum Harburg, Hs. 2b
Eißendorfer Pferdeweg 52
21075 Hamburg
(040) 18 18 86 46 33
www.asklepios.com

Dr. Frank Bisgwa
Leitender Oberarzt
Zentrum für Schwerbrandverletzte
Abt. für Hand-, Plastische u. Mikrochirurgie
BG Klinikum Hamburg
Bergedorfer Straße 10
21033 Hamburg
(040) 73 06 39 07
www.bg-klinikum-hamburg.de

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