Stand: 20.06.2017 11:00 Uhr

Was tun bei einem Hörsturz?

Plötzlich klingt auf einem Ohr alles ganz leise, wie durch Watte, das Ohr scheint ein bisschen taub: Das sind typische Anzeichen eines Hörsturzes. In Deutschland machen rund 200.000 Menschen pro Jahr diese beunruhigende Erfahrung. Eine eindeutige Erklärung für das Phänomen gibt es bislang ebenso wenig wie eine sicher wirksame Therapie. Klar ist nur, dass sich ein Hörsturz im Innenohr abspielt. Hier wandeln feine Sinneshärchen die Klangwelt von außen in elektrische Impulse um. Über den Hörnerv gelangen sie ins Gehirn. Vermutlich ist der Hörsturz eine Funktionsstörung der Sinneshärchen. Er kann einzelne Tonhöhenbereiche betreffen, verschieden stark ausgeprägt sein und sogar bis zur kompletten Ertaubung reichen. Oft macht sich zunächst ein Pfeifton auf dem Ohr bemerkbar, bevor der Hörverlust eintritt. Auch Gleichgewichtsstörungen können zusammen mit einem Hörsturz auftreten. In der Regel ist nur eine Seite betroffen.

Hörsturz: Störung im Innenohr

Die meisten Hörstürze verschwinden von alleine wieder

Wenn keine weiteren Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Seh- oder Sprachstörungen hinzukommen, die auf einen Schlaganfall hindeuten, ist ein Hörsturz kein Notfall. In 80 Prozent der Fälle verschwindet er von ganz allein wieder - und kommt in den meisten Fällen auch nicht wieder.

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Interview: Was tun beim Hörsturz?

20.06.2017 20:15 Uhr
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Nur in wenigen Fällen geht ein Hörsturz mit einem so starken Hörverlust einher, dass ein Chochlea-Implantat nötig wird. Tipps von HNO-Arzt Dr. Alexander Meyer. Video (04:20 min)

Für eine genaue Diagnose zum HNO-Arzt gehen

Hält die Hörminderung länger als 24 Stunden an, sollten Betroffene einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO-Arzt) aufsuchen. Bei der Untersuchung überprüft dieser zunächst, ob es sich überhaupt um eine Innenohrschwerhörigkeit handelt oder ob eine andere Ursache für den Hörverlust vorliegt. Das können etwa ein Schmalzpfropf, eine Stauung der Endolymphe, ein Knalltrauma, eine Erkältung, ein viraler Infekt, eine Mittelohrentzündung oder ein Unterdruck nach einer Flugreise sein. Der Arzt prüft, wie stark die Hörminderung ist und welchen Frequenzbereich sie betrifft, ob zum Beispiel vor allem hohe oder tiefe Töne schlechter zu hören sind. Außerdem untersucht er das Trommelfell auf Beschädigungen und Entzündungen.

Kortison kann Spontanheilung unterstützen

Als Standardbehandlung beim Hörsturz haben sich Kortison-Tabletten durchgesetzt. Sind andere Ursachen ausgeschlossen, verordnen die Ärzte in der Regel Kortison-Tabletten für fünf Tage, um die Spontanheilung zu unterstützen. In klinischen Studien hat sich dieser Therapieansatz als hilfreich erwiesen, wenn die Wirksamkeit von Kortison bisher auch nicht wirklich belegt werden konnte. In sehr schweren Fällen, bei Diabetikern und anderen Patienten, die keine Kortison-Tabletten vertragen, kann der Wirkstoff auch durch das Trommelfell direkt ins Mittelohr gegeben werden. Eine bessere Wirksamkeit von Kortison-Infusionen, die mitunter als Selbstzahler-Leistungen angeboten werden, ist dagegen nicht belegt.

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Die früher gebräuchlichen durchblutungsfördernden Infusionen haben sich mittlerweile als nicht wirksam herausgestellt und werden deshalb heute nicht mehr angewendet. Auch alternative Verfahren wie Sauerstoffüberdruck, Homöopathie, Magnettherapie oder die Einnahme von Ginkgo-Präparaten sehen Experten kritisch.

Hörverlust: Cochlea-Implantat kann helfen

Ist bei einem Hörsturz das Hörvermögen komplett verloren gegangen oder kommen noch Gleichgewichtsstörungen hinzu, ist die Aussicht auf eine Spontanheilung sehr gering. In solchen Fällen kann ein sogenanntes Cochlea-Implantat helfen, das in den Schädelknochen eingebaut wird. Über Elektroden in der Hörschnecke reizt das Gerät den Hörnerv direkt.

Mit dieser relativ neuen Technik können die Ärzte bei einer kompletten einseitigen Ertaubung das Hörvermögen recht gut wiederherstellen, sodass der Patient wieder einen räumlichen Höreindruck hat und auch Sprache in lauter Umgebung wieder besser verstehen kann. Allerdings funktioniert das Hören mit dem Implantat anders als gewohnt und muss durch tägliches Training neu erlernt werden.

Ein menschliches Ohr.

Was tun bei einem Hörsturz?

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Ein Hörsturz tritt plötzlich auf - bislang gibt es weder eine eindeutige Erklärung noch eine sicher wirksame Therapie. In den meisten Fällen verschwindet er von selbst wieder.

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Interviewpartner

Interviewpartner im Studio:
Priv.-Doz. Dr. med. Dr. rer. nat. Alexander Meyer
Oberarzt Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Internet: www.hno.med.uni-goettingen.de

Interviewpartner im Beitrag:
Prof. Dr. Tobias Moser
Oberarzt, Leiter Audiologie
Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
Universitätsmedizin Göttingen
Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen
Telefon 0551/39-228 03, Fax 0551/39-222 99
Internet: www.auditory-neuroscience.uni-goettingen.de

Dr. Darjusch Nadjmi                                                                     
HNO Praxis Eppendorf
Eppendorfer Landstraße 77, 20249 Hamburg
Tel. 040/468 818 01
Internet: www.hno-eppendorf.de

Weitere Informationen:
Deutsche Tinnitus-Liga e.V. (DTL)
Am Lohsiepen 18, 42369 Wuppertal
Tel. 0202/24 65 20, Fax 0202/246 52 20
Internet: www.tinnitus-liga.de

Informationsbroschüren zum Thema Tinnitus und Hörsturz:
www.tinnitus-liga.de/pages/sonstiges/broschuere-kostenlos.php

Ratgeber:
Rato-Garrit Klomsdorff:
Hörsturz – und danach? Entstehung, Nachsorge, Vorbeugung.
120 S.; Asanger (6. Auflage; 2014); 15 Euro

Dieses Thema im Programm:

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