Stand: 20.08.2018 13:52 Uhr  | Archiv

Tropen-Zecke: Wie gefährlich ist Hyalomma?

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Die Hyalomma-Zecke ist größer als der gemeine Holzbock.

In Deutschland wurden erstmals einzelne Exemplare der tropischen Zecke Hyalomma gefunden. Die einzigen hierzulande bekannten Zeckenarten waren bisher der gemeine Holzbock und die Auwaldzecke. Die Hyalomma-Zecke ist fünfmal so groß wie der gemeine Holzbock, ihre Beine sind auffällig gestreift, sie kann schnell laufen und sie überträgt Krankheiten, die zum Tod führen können. Nach einem Bericht über tropische Riesenzecken in Niedersachsen haben viele Menschen Exemplare zur Untersuchung an die Forscher des Robert Koch-Instituts in Berlin geschickt. Die Hyalomma hatten sich an Pferden festgesaugt.

Wie sich Hyalomma-Zecken in Deutschland ausbreiten

Hyalomma-Zecken sind sogenannte Jagdzecken. Sie haben Augen, mit denen sie gut sehen, laufen schnell auf ihre Opfer zu und können sie über eine Distanz von 100 Metern verfolgen.

Sie leben vor allem in Afrika und Asien, aber auch in Ländern wie der Türkei, dem Kosovo und Teilen Spaniens. Nach Deutschland kommt die Riesenzecke auf zwei Wegen:

  • Durch Zugvögel: Die Zecke fällt von ihrem Wirt ab, wenn sie sich ein zweites Mal häutet. Normalerweise ist es nicht warm genug, die Zecke stirbt. Doch durch die Hitze in diesem Sommer konnten die Hyalomma überleben und sich neue Wirte suchen: Pferde, Schafe, Rinder und Menschen.
  • Durch Urlauber: Weil viele Deutsche in der Türkei und Spanien Urlaub machen, können infizierte Zecken von dort nach Deutschland gelangen oder einen Menschen im Urlaub anstecken.

Nach Ansicht von Experten werden Hyalomma-Zecken in Deutschland sterben, sobald es in Deutschland wieder kühler wird. Ob sich die tropische Zeckenart in Deutschland ansiedeln kann, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.

Fleckfieber und Krim-Kongo-Fieber durch Hyalomma-Zecke

Alle Zecken können Krankheiten übertragen. Jede Zeckenart ist dabei auf bestimmte Erreger spezialisiert. Bei den bisher untersuchten Hyalomma in Deutschland fanden Wissenschaftler ein Bakterium, das Fleckfieber auslösen kann. Diese Krankheit lässt sich gut mit Antibiotika behandeln.

Doch Tropenmediziner kennen Hyalomma vor allem als Überträgerin des oft tödlich verlaufenden Krim-Kongo-Fiebers. Dabei treten neben Fieber großflächige Blutungen in Armen und Beinen auf. Häufig sterben die Infizierten an inneren Blutungen. In der Türkei gab es bereits etliche Todesfälle, auch in Spanien sind bereits zwei Menschen an Krim-Kongo gestorben.

Die bisher in Deutschland gefundenen Hyalomma tragen das gefährliche Krim-Kongo-Virus nicht in sich. Forscher wollen die Zeckenart zwar beobachten, sehen aber keinen Grund für Panik.

Krim-Kongo-Fieber nach Zeckenstich verhindern

Wer in der Türkei oder einem anderen betroffenen Gebiet von einer Zecke gestochen wurde, sollte sofort zum Arzt gehen. In den ersten Stunden nach einem Zeckenstich hat man noch gute Chancen, das Krim-Kongo-Virus mit einem Medikament zu behandeln. Sind die Blutungen erst einmal ausgebrochen, sind die Überlebenschancen gering.

Heimische Zecken übertragen Borreliose

Auch heimische Zecken wie der gemeine Holzbock und die Auwaldzecke können Krankheiten übertragen, im Norden vor allem die Borreliose. Mit dem Erreger der Syphilis verwandte Bakterien gelangen durch die Wunde in die Haut und verteilen sich über die Blutbahn im ganzen Körper. Von dort können sie in die Gelenke, das Herz oder das Nervensystem eindringen.

Schutz vor Zeckenstichen

Schutz vor Zeckenstichen bietet lange, geschlossene Kleidung: Hosenbeine in die Socken stecken! Auch Zeckenspray kann die Tiere fernhalten: Bestimmte Duftstoffe (Repellentien) halten durch ihren Geruch Zecken fern. Sie werden auf die Haut aufgetragen und bieten für einige Stunden einen gewissen Schutz. Falls man trotz aller Schutzmaßnahmen gestochen wurde, die Zecke so schnell wie möglich entfernen.

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Experten zum Thema

Dr. rer. nat. Peter Hagedorn, Diplom-Biologe
Robert Koch-Institut
Postfach 650261, 13302 Berlin
www.rki.de
Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Zecken, Zeckenstich und Infektion
www.rki.de

Prof. Dr. Ute Mackenstedt, Leiterin
Fachgruppe Parasitologie (220b)
Institut für Zoologie
Universität Hohenheim
Emil-Wolff-Straße 34, 70599 Stuttgart
www.uni-hohenheim.de
Pressemitteilung zu tropischen Zeckenarten
www.uni-hohenheim.de

Univ.-Prof. Dr. Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Leiter
Fachgruppe Virusdiagnostik
Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg
www.bni-hamburg.de

Weitere Informationen
Tick-radar GmbH
Jagowstraße 4, 10555 Berlin
www.zecken-radar.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 21.08.2018 | 20:15 Uhr

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