Schlafapnoe: Nächtliche Atemaussetzer behandeln

Stand: 07.11.2022 19:31 Uhr

Hinter nächtlichem Schnarchen kann das gefährliche Schlafapnoe-Syndrom stecken – mit erhöhtem Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. Eine Maske, Zahnschiene oder Zungenschrittmacher können helfen.

Das obstruktive Schlaf-Apnoe-Syndrom (OSAS) ist eine nächtliche Atemstörung, bei der es im Schlaf immer wieder zu längeren Atemstillständen kommt. Tagsüber sind die Betroffenen durch die nächtlichen Atemprobleme unausgeschlafen und mitunter so müde, dass sie im Stehen oder Sitzen wegnicken. Geschätzt fast jeder zwanzigste Mann und jede fünfzigste Frau leidet darunter. Schnarchen allein und nur gelegentliche kleine Atmungsaussetzer sind nicht gesundheitsschädlich, aber der häufige Totalausfall der Atmung im Schlaf kann schwere Folgen haben.

Symptome der Schlaf-Apnoe

Typisch sind starke Schnarchgeräusche, unterbrochen von Atempausen – auf die ein heftiger Atemzug folgt, beziehungsweise ein Schnarchlaut. Allerdings leidet längst nicht jeder Schnarcher an Apnoe, und nicht jeder Apnoe-Betroffene schnarcht laut. Weitere Symptome sind nächtliches Schwitzen, Müdigkeit am Tag, Kopfschmerzen, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen.

Eine Schlaflabor-Untersuchung kann weitere Parameter wie Gehirnströme, Augenbewegungen im Schlaf, Muskeltonus, Blutdruck und Herzfrequenz messen. Daraus lässt sich unter anderem ableiten, wie stark erholsame Tiefschlaf- und Traumschlafphasen reduziert sind.

Diagnose durch Schlafdiagnostik

Eine Schlaflabor-Untersuchung kann weitere Parameter messen wie Gehirnströme, Augenbewegungen im Schlaf, Muskeltonus, Blutdruck und Herzfrequenz. Daraus lässt sich unter anderem ableiten, wie stark erholsame Tiefschlaf- und Traumschlafphasen reduziert sind.

Bei Verdacht auf OSAS steht ein Schlafdiagnostik-Screening an, das niedergelassene HNO-Ärztinnen und -Ärzte mit entsprechender Fortbildung anbieten können. Betroffene können für eine Nacht im Schlaflabor oder mit einem speziellen Gerät für zuhause ihre Atmung im Schlaf untersuchen. Dabei werden Parameter wie Gehirnströme, Augenbewegungen im Schlaf, Muskeltonus, Blutdruck und Herzfrequenz aufgezeichnet, die zeigen, ob es im Schlaf zu gefährlichen Atemaussetzern oder anderen Auffälligkeiten kommt.

 

VIDEO: Schlafapnoe: Was hilft? (5 Min)

Was passiert bei der Schlafapnoe?

Bei der Schlaf-Apnoe fällt die Vorderwand im Rachen auf die Hinterwand, der Zungenrand fällt in den Rachen und verschließt so die Atemwege. Die Schlafenden hören auf zu atmen, sodass es zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff kommt. Das Gehirn registriert dies und über einen Adrenalinstoß kommt es zu einem Anspannen der Muskulatur im Rachenbereich, sodass die Atemwege dann wieder frei sind und der Patient wieder atmen kann. Dieser Wechsel von Verschluss und Wiedereröffnung kann sich bis zu hundertmal in der Stunde wiederholen.

Sauerstoffmaske hält Atemwege offen

Helfen kann eine CPAP-Maske (Continuous Positive Airway Pressure): Darüber wird den Betroffenen Luft in den Mund geblasen und so ein Überdruck erzeugt, der die Atemwege offenhält. Aber einige Menschen kommen mit der Maske nicht zurecht, schlafen damit noch schlechter. Für sie gibt es Alternativen: Nasenmasken oder Nasenpolstermasken sind anders konstruiert und bedecken nicht das ganze Gesicht.

Zahnschiene erweitert Atemwege

Mit einer speziellen Zahnschiene, die den Unterkiefer in der Nacht nach vorne schiebt und so den Atemweg erweitert, können Spezialisten die Schlafapnoe ebenfalls behandeln. In Studien werden sogenannte Protrusionschienen bereits individuell für einzelne Erkrankte angefertigt, damit sie besser passen als die bislang verfügbaren Standardgrößen. Dafür werden die Atemwege zunächst in der Magnetresonanztomografie dreidimensional vermessen und simuliert, wie die Luft durch ihre Atemwege strömt. In einem 3-D-Drucker entsteht ein Modell der Atemwege, an dem die Forscher testen, wie weit der Kiefer nach vorne geschoben werden muss, um die Atemwege im Schlaf freizuhalten. So bekommen Erkrankte eine individuelle Protrusionsschiene, die optimal sitzt und jede Nacht getragen werden sollte.

Eine Zahnschiene wird am besten durch einen zahnärztlichen Schlafmediziner angefertigt. Seit Februar 2021 wird so eine Schiene von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt, allerdings nur, wenn andere Therapieformen wie die Maske nicht funktionieren. Ob das Prinzip beim eigenen Kiefer funktioniert, kann sich auch schon mit einer Standardschiene zeigen. Eine Anti-Schnarch-Schiene in Standardmaßen gibt es für wenig Geld zu kaufen.

In seltenen, besonders schlimmen Fällen, kann man in einer Operation einen Zungenschrittmacher einsetzen. Der Schrittmacher strafft die Zunge nachts mit kleinen Stromstößen, sodass sie nicht in die Luftröhre zurückfallen kann. Der Stimulator wird wie ein Herzschrittmacher unter dem Brustmuskel eingesetzt. Eine Elektrode führt zum Zwerchfell und überwacht die Atmung. Bei Atemaussetzern meldet sie Alarm und über eine zweite Elektrode stimuliert der Schrittmacher den Zungengrundnerv, verhindert so das Zurückfallen der Zunge.

Der Zungenschrittmacher hilft 60 Prozent der Betroffenen, hat aber auch Risiken: Bei der Operation kann der Zungennerv verletzt werde. Außerdem muss die Batterie des in der Schulter implantierten Gerätes alle sechs Jahre gewechselt werden, was wiederum einen chirurgischen Eingriff erfordert.

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Visite | 08.11.2022 | 20:15 Uhr

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