Stand: 03.12.2018 16:18 Uhr

Rückenschmerzen: Wann ist ein MRT sinnvoll?

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Eine MRT-Aufnahme der Wirbelsäule ist nicht bei allen Rückenbeschwerden sinnvoll.

Nirgendwo auf der Welt werden so viele ambulante Magnetresonanztomografien (MRT) durchgeführt wie in Deutschland. Und noch häufiger sind Röntgenuntersuchungen: Laut einer Statistik des Bundesamts für Strahlenschutz wird jeder Mensch hierzulande durchschnittlich 1,7 Mal pro Jahr geröntgt. Einen großen Anteil an den sogenannten bildgebenden Untersuchungen haben Erkrankungen des Rückens.

Doch bei Rückenschmerzen geht es oft nicht darum, eine Diagnose zu stellen, sondern um zur Sicherheit schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen. Doch nur in 15 Prozent der Fälle verbirgt sich hinter den Beschwerden eine ernsthafte Erkrankung wie ein Bandscheibenvorfall, Wirbelgleiten oder ein Tumor. Meist gehen Rückenschmerzen von der Muskulatur aus und verschwinden nach einigen Wochen von allein - mit manueller Therapie oder gezieltem Muskeltraining.

Eine Frau sieht sich ein MRT Bild an.

Rückenschmerzen: Wann ist ein MRT sinnvoll?

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Bei Rückenschmerzen ordnen viele Ärzte eine MRT-Aufnahme oder ein Röntgenbild an. Doch nicht immer sind die bildgebenden Verfahren sinnvoll. Worauf sollten Erkrankte achten?

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Wann MRT oder Röntgen sinnvoll sind

Um unnötige Aufnahmen per MRT oder Röntgen zu vermeiden, sollte der Arzt jeden Betroffenen zunächst gründlich nach seinen Beschwerden befragen und körperlich untersuchen. Zeigen sich dabei Schiefstellungen oder bestimmte Warnzeichen ("Red Flags") ist eine Bildgebung gerechtfertigt. Dazu zählen:

  • Taubheitsgefühl
  • in die Beine ausstrahlende Schmerzen
  • Muskelschwäche

Nur in diesen Fällen sollte innerhalb von sechs Wochen eine MRT- oder Röntgenaufnahme gemacht werden. So steht es auch in der deutschen Leitlinie für unspezifischen Rückenschmerz, die als bundesweite Handlungsempfehlung für Ärzte gilt.

Häufig fordern Betroffene ihren Arzt auf, bildgebende Untersuchungen wie MRT oder Röntgen anzuordnen - und nicht selten kommt der Arzt dem Wunsch nach statt zu erklären, warum eine körperliche Untersuchung in der Regel sinnvoller ist als ein MRT oder eine Röntgenaufnahme.

Im Gespräch
05:32
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Wann sind MRT und Röntgen sinnvoll?

04.12.2018 20:15 Uhr
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Bei Rückenschmerzen ordnen viele Ärzte eine MRT-Aufnahme oder ein Röntgenbild an. Wann die bildgebenden Verfahren sinnvoll sind, erklärt Orthopäde Prof. Wolfram Mittelmeier. Video (05:32 min)

MRT: Belastung durch Kontrastmittel

Einige Ärzte schicken ihre Patienten zu einer MRT-Untersuchung, obwohl auf dem Röntgenbild kein krankhafter Befund zu sehen ist - nur um "genauer hinzuschauen". So kommt für Betroffenen nach den Röntgenstrahlen die Belastung durch das MRT-Kontrastmittel. Sinnvoll ist ein solches MRT in den seltensten Fällen. Mit dem Verfahren lassen sich Bereiche des Körpers unter gezielten Fragestellungen millimetergenau untersuchen. Doch nur mit einer klaren Verdachtsdiagnose weiß der Radiologe, wie er das Gerät für die Untersuchung einstellen muss.

MRT: Gefahr der Fehldiagnose

Eine allgemeine Fragestellung wie "Rückenschmerzen" kann sogar negative Folgen für Betroffenen haben: So können zufällige Befunde falsch interpretiert werden und zu überflüssigen Therapien führen. Ein Beispiel: Bei etwa einem Viertel der Bevölkerung zeigen sich ab einem gewissen Alter Bandscheibenvorfälle im MRT. Dabei handelt es sich um altersbedingte Veränderungen, die in der Regel nichts mit den Beschwerden zu tun haben und die nicht behandelt werden müssen.

MRT-Diagnose: Unterschiedliche Ergebnisse

Das Ergebnis einer MRT-Untersuchung hängt laut einer US-Studie nicht allein von der Einstellung des Gerätes und der Lage des Untersuchten ab. Entscheidend sind demnach, wonach der Radiologe sucht und wie er die Aufnahmen interpretiert.

Nachdem zwei erfahrene Wirbelsäulenradiologen bei einer Erkrankten im MRT nach ausführlicher und sorgfältiger Begutachtung 25 auffällige Veränderungen festgestellt hatten, schickten sie sie zu zehn unterschiedlichen MRTs. Dabei wurden insgesamt 49 angebliche Veränderungen gefunden, also viel mehr, als tatsächlich vorhanden waren. Doch von den 25 für die Beschwerden relevanten Veränderungen wurde nicht einmal die Hälfte erkannt.

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Experten zum Thema

Prof. Dr. Wolfram Mittelmeier, Direktor
Orthopädische Klinik und Poliklinik
Universitätsmedizin Rostock
Doberaner Straße 142, 18057 Rostock
(0381) 494-93 01
orthopaedie.med.uni-rostock.de

Prof. Dr. Marc-André Weber, M.Sc., Institutsdirektor
Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Kinder- und Neuroradiologie
Universitätsmedizin Rostock
Ernst-Heydemann-Straße 6
18057 Rostock
radiologie.med.uni-rostock.de

Prof. Dr. Jean-François Chenot, Abteilungsleiter
Abteilung Allgemeinmedizin
Institut für Community Medicine
Universitätsmedizin Greifswald
Fleischmannstraße 6, 17475 Greifswald
www.medizin.uni-greifswald.de

Weitere Informationen
Patientenleitlinie Kreuzschmerz
www.patienten-information.de

Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) Nicht-spezifischer Kreuzschmerz
www.leitlinien.de/nvl/kreuzschmerz

Deutsche Radiologienetz AG
Informationsportal für Patienten zu den verschiedenen Untersuchungstechniken
www.radiologie.de

Dieses Thema im Programm:

Visite | 04.12.2018 | 20:15 Uhr

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