Stand: 08.03.2019 10:53 Uhr  - NDR Info  | Archiv

Pulz: Masern sind keine harmlose Krankheit

Dr. Matthias Pulz ist Präsident des Niedersächsischen Gesundheitsamtes. © NDR Foto: Screenshot
Anders als von Impfgegnern behauptet, sei eine Masern-Erkrankung nicht harmlos, sagte Matthias Pulz auf NDR Info.

Masern sind alles andere als eine harmlose Kinderkrankheit, wie viele Eltern früher noch gedacht haben. Inzwischen raten Mediziner dringend zur Impfung, denn die Masern können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Und sind wieder auf dem Vormarsch - wie aktuell im niedersächsischen Landkreis Hildesheim zu beobachten ist.

Besonders im Fokus ist die Oscar-Schindler-Gesamtschule. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, hat sich das Kreisgesundheitsamt zu einem deutlichen Schritt entschlossen: zu einer Impfpass-Kontrolle. Wer keinen Schutz nachweisen kann, muss damit rechnen, dass der Zutritt zu den Schulgebäuden verwehrt wird. Dr. Matthias Pulz, Präsident des Landesgesundheitsamtes Niedersachsen, verteidigte auf NDR Info das Vorgehen mit den Kontrollen des Impfpasses. Er halte auch Masern-Impfungen für unbedingt sinnvoll.

Kontrollen sind gesetzlich geregelt

Nach Ansicht von Pulz ist die Kontrolle des Impfpasses eine Maßnahme, die das Infektionsschutzgesetz so vorsieht. Es handele sich um eine vorbeugende Maßnahme, um Schüler zu erkennen, die keinen Impfschutz haben. Diese hätten das Risiko selber zu erkranken. Ungeschützte könnten deshalb vom Unterricht ausgeschlossen werden.

Hintergrund: Masern

Masern sind hochinfektiös. Das Virus wird durch das Einatmen von Tröpfchen, etwa beim Sprechen, Husten oder Niesen, übertragen. Die Symptome reichen von Schnupfen, Fieber und Husten bis hin zu rötlich-braunen Hautirritationen. Zudem wird das Immunsystem geschwächt. Dadurch kann es zu Folgeinfektionen kommen, etwa einer Hirnhautentzündung, teils mit langfristigen Schäden für das Zentrale Nervensystem. Zwei von 1.000 Patienten sterben laut Robert-Koch-Institut an den Folgen einer Masern-Infektion.

Großer Anteil an Nicht-Geimpften

Bei den Schuleingangs-Untersuchungen, gerade auch in Niedersachsen, gibt es laut Pulz eine gute Durchimpfung. "Aber natürlich nicht 100 Prozent." Es gebe in der Bevölkerung auch einen größeren Anteil von nicht-geschützten Menschen. "So lange die Masern nicht weiter zurückgedrängt sind, besteht immer das Risiko, wenn Masern auftreten, dass sie dann verbreitet werden - und dass es auch zu einer Situation wie jetzt in Hildesheim kommen kann", sagte der Experte auf NDR Info.

Aufklärung ist wichtig

Eigentlich sei Niedersachsen bundesweit das Bundesland, das mit die wenigsten Masernfälle habe, so Pulz weiter. Aber es gebe jetzt schon mehr als 25 Fälle, das sei mehr als sonst. Gerade im Landkreis Hildesheim verdiene die Situation im Moment besondere Aufmerksamkeit. Das Gesundheitsamt tue alles, um einer Weiterverbreitung entgegenzuwirken. "Wichtig ist natürlich auch insgesamt dazu aufzurufen, den Impfschutz zu überprüfen und Impfungen nachzuholen."

Er sei sich einig mit vielen anderen Experten, dass man immer wieder an die Bevölkerung appellieren müsse, sich zu impfen. Dafür seien Kampagnen nötig, die die Öffentlichkeit informieren. Masern seien eben keine leichte Kinderkrankheit, sondern eine Erkrankung, die auch mit schweren Komplikationen einhergehen könne. "Einer von Tausend stirbt, also: Es ist eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung."

Krankheit mit schweren Folgen

Anders als Impfgegner behaupteten, sei die Erkrankung mit Masern nicht harmlos. Kürzlich habe eine Studie aus Dänemark dieses Vorurteil widerlegt. An der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim wollte das Gesundheitsamt am Freitag die Impfpässe überprüfen. Pulz forderte auf NDR Imfo, man müsse auch in anderen Bereichen des Landkreises aktiv werden.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 08.03.2019 | 06:50 Uhr

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